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Im September 2019 haben mehrere stabile Hochdrucklagen über den Alpen dazu motiviert einige beliebte Alpenlegenden mit dem Rennrad zu fahren. Der erste Herbstmonat mit seinen spätsommerlichen Temperaturen wurde so der intensivste Trainingsmonat des Jahres, mit den meisten Kilometern, Höhenmetern und Stunden im Sattel. Nicht irgendwelche Strecken und Berge, die Trainingseinheiten gingen mit dem Rennrad um die massivsten Gebirgsstöcke der Domlomiten, des Ortlers und des Oetztals über die populärsten, längsten und höchsten Strassenpässe der Zentralalpen. Die schönsten Eindrücke unserer CLIMBING MOUNTAINS Days mit Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch und der Oetztal GF Runde haben ich in einer CYCLING GALLERY gesammelt.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Grödner © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Grödner © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Valparola © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Valparola © Stefan Drexl

DIE TRADITIONELLE SCHNELLE ALPENLEGENDE

Der Auftakt war Anfang September die erweiterte Tour der Sella Ronda. Von St. Ulrich im Grödener Tal gings mit dem Rennrad talaufwärst nach Wolkenstein und in den Anstieg zum Grödner Joch (2121 m), den massiven Sella Bergblock im Uhrzeigersinn herum. Der Himmel war tiefblau und die Sicht unendlich weit. Während es im Tal spätsommerlich warm war und spürte man am Pass schon eine herbstlich frische. Das Grödner Joch war schnell erledigt und es ging hinunter nach Corvara. Doch anstatt dann rechts, direkt wieder hoch über den Passo di Campolongo (1875 m) nach Arabba zu fahren, nahm ich Abfahrt weiter nach Alta Badia. Erst in dem beliebten Wintersportort bog ich dann rechts weg nach St. Kassian zum Passo di Valparola (2192 m).

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Valparola © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Valparola © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Valparola © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Valparola © Stefan Drexl

Der Valparolo ist ein historischer Ort des zweiten Weltkriegs und eine Augenweide mit seinen steilen Felswänden und dem Gebirgssee auf der Passhöhe. Man könnte an der Abzweigung, 1,5 Kilometer und 80 Höhenmeter unterhalb des Valparola links ab, nach Cortina D’Ampezzo (1211 m), dem ehemaligen Austragungsort der olympischen Winterspiele 1956 abfahren. Diesmal bin ich nach rechts über die Abfahrt des Passo di Falzarego (2105 m) hinunter nach Andráz, um dann das lange Tal des Cordevole entlang des Südhangs nach Arabba (1593 m) hinauf zu rollen. Ich erreichte Arabba (1593 m) ziemlich genau um 18 Uhr zum Glockenläuten. Das kleine Dorf liegt am Fusse des Passo di Pordoi (2239 m) und Passo di Campolongo (1875 m). Die 650 Höhenmeter und 9,4 km zum Pordoi lagen bereits im Schatten, doch der Blick zurück auf die abendlich beleuchteten Dolomitengipfel im Osten war der wunderbare Lohn der Anstrengungen.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Falzarego © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Falzarego © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Pordoi © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Pordoi © Stefan Drexl

Die Strasse hinauf zum Pordoi war wenig befahren und man konnte deutliche die intensive Abendkommunikation der Murmeltiere auf den weiten Bergwiesen unterhalb des Sella Massivs hören. Das ein oder andere Murmeltier sah man auch auf den vielen am Rande der Passstrasse sitzen. Mit der letzten Kurve zur Passhöhe ging die Sonne erneut auf, sie strahlte direkt durch das Joch und es eröffnete sich ein grandioser Fernblick nach Westen. Die Abfahrt zur Abzweigung (1820 m) nach Canazei (748 m) und hinauf zum Sella Joch (2244 m) lag jetzt vollständig in der Abendsonne und ein wärmender Aufwind blies ins Gesicht.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Pordoi © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Pordoi © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Pordoi © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Pordoi © Stefan Drexl

Der letzte Anstieg über 420 Höhenmeter hinauf zum Sella mit zwar nur kurzen aber teilweise doch knackigen 6 km war der dramatisch Beeindruckenste dieser Tour. Umrahmt von riesigen, im Abendrot leuchtenden Felswänden und dem Blick auf das zurückliegende Pordoi Joch, im Tal das kleine Dorf Canazei und im Hindergrund der Gletscher des Marmolada lies einen die letzten Serpentinen fast mühelos bergauf kurbeln.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Sella © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Sella © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Sella © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Sella © Stefan Drexl

Die Luft roch herbstlich warm, herrschte, bis auf wenige letzte Autos eine beeindruckende Ruhe. Über die letzten beiden Kehren erreicht man ein kleines Plateau mit einem faszinierenden Ausblick vorbei am Langkofel auf das in der ferne liegende Timmelsjoch im Nordwesten mit den Ötztaler Gletschern und auf den Ortler im Südwesten. Die letzten 500 m sind flacher und entspannt, die Trittfrequenz endlich wieder höher und um 19 Uhr ist der vierte, der letzte Pass der erweiterten Sella Ronda geschafft – zählt man die Abfahrt des Passo di Falzarego auch noch dazu, wären es derer fünf.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Sella © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Sella © Stefan Drexl

DIE POPULÄRE ALPENLEGENDE MIT DREI OPTIONEN

Für den nächsten Tag stand eine klassische Tour von Glurns (907 m) im Vinschgau auf das Stelvio auf dem Programm. Der Plan war die legendäre Runde über den Ofenpass (2149 m) durch den Tunnel nach Livigno, weiter über den Passo d’Eira (2208 m) und Passo di Fascagno (2291 m) nach Bormio zu fahren, um zum Finale das Stilfser Joch (2757 m) zu erklimmen. Das Wetter war super, ich kenne die Strecke und so bin ich ausnahmsweise ohne weiterer Gedanken los gefahren, denn erst drei Tage zuvor war der Bikeday am Stelvio bei besten Bedingungen.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Ofenpass © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Ofenpass © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Livigno © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Livigno © Stefan Drexl

Zur Mittagszeit startete ich in das Val Münstair über den Pass dal Fuorno ohne vielen Pausen, um pünktlich den Bus für den Radtransport durch den Munt-la-Schera-Tunnel nach Livigno zu erwischen. Ein frischer Ostwind half etwas bei der Auffahrt. Ich war rechtzeitig an der Tunnelstation allerdings kam der Bikeshuttle nicht. Der freundliche Fahrer eines Kleintransporters hat mich und meine Rennrad schliesslich durch den 3,6 Kilometer angen Tunnel mitgenommen. Mit 16 Jahren bin ich den Tunnel noch mit dem Rad durchfahren, doch wegen eines Unfalls vor eineigen Jahren ist das jetzt leider nicht mehr erlaubt.

Entlang des Lago die Livigno fuhr ich durch die zahlreichen Arkaden nach Livigno und links weg auf den Passo d’Eira. Dort gabs dann die erste Pause mit Cappuccino und einem kleinen Plausch mit dem Barista. Nebenbei erzählte der, dass aufgrund einer Gerölllawine vor zwei Tagen die Auffahrt von Bormio zum Stelvio gesperrt sei. Ein kurzer Check der App bestätigte das leider. Hhmmm – manchmal kommt es anders als man denkt, wobei ich mir über so eine Möglichkeit eher keine GEdanken gemacht habe. So musst ich am Passo d’Eira (2208 m) also wieder wenden anstatt weiter über den Passo di Fascagno (2291 m) nach Bormio zu fahren. << REWIND

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Livigno © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Livigno © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Foscagno © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Foscagno © Stefan Drexl

Zurück in Livigno war natürlich die einzige Option erneut durch den Munt-la-Schera-Tunnel (1720 m) über den Ofenpass zu fahren und dafür musste ich wieder den Bikeshuttle nehmen. Der Stand diesmal sogar abfahrtsbereit an der Mautstation als hätte er nur auf mich gewartet. Zwischenzeitlich war es 16 Uhr und hinauf zum Pass dal Fuorno (2149 m) blies mir die frische Brise diesmal ins Gesicht. Das erschwerte den landschaftlich wunderschöbeb Anstieg hinauf zum Ofenpass zusätzlich. Ich erreichte Santa Maria (1386 m) im Val Münstair um 17:45 Uhr, einer Zeit zu der ich eigentlich längst mein Tagwerk beendet haben wollte. An der Abzweigung Umbrailpass (2503 m) musste ich mich deshalb entscheiden, ob jetzt noch weiter zum Stelvio (2757 m) oder zurück nach Glurns (907 m).

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl

Ich machte die Auffahrt zur späten Tageszeit über den Umbrailpass (2503 m) zum Stilfser Joch (2757 m). Meine Beine waren noch fit, ich hatte Licht dabei und noch Verpflegung, ich war als gut vorbereitet und könnte schliesslich jederzeit umkehren. Der erste Abschnitt mit seinen vielen kleinen Serpentinen lag wunderbar in der wärmenden Sonne. Das Hochtal bis wenige Kehren vor der Passhöhe des Umbrailpass (2503 m) war allerdings schon vollständig im Schatten und mit nur 9 Grad Celsius sehr kühl. Das kostete natürlich zusätzlich Energie. Dafür kurbelte ich die letzten 250 Höhenmeter mit der Sonne im Rücken, was für eine angenehme Wärme sorgte und mit der herrlichen Abendstimmung noch einmal zum Finale motivierte. Es sind neben des Trainingseffekts genau diese Momente weshalb ich diesen Sport so liebe.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl

Kurz nach halb acht Uhr abends erreicht ich des Stelvio und erlebte einen sensationellen Sonnenuntergang 2757 m Höhe in absoluter Ruhe: Keine Autos, keine Motorräder mehr. Ich war an diesem Tag wahrscheinlich der Letzte mit dem Rennrad auf dem Stilfser Joch. Dazu gabs noch zwei Cappuccini und dann gennoss ich die Abfahrt, deren 48 Kehren ich komplett für mich alleine hatte und so den ganzen Schwung mitnehmen konnte. Es wurde natürlich immer dunkler je weiter ich wieder ins Tal hinunter fuhr, dafür aber auch wieder wärmer. Ab der Baumgrenze war ich sehr froh über die Leuchtkraft meiner Vorderbeleuchtung, die allen Kehren frühzeitig optimal ausleuchtete.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Umbrail © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Stelvio © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Stelvio © Stefan Drexl

In Prad angekommen war es dann trotz der Dunkelheit noch so warm, dass ich meine Windjacke, Stirnband und Handschuhe auszog. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell man mühsam erklommene 1800 Höhenmeter platt macht. Etwa 40 Minuten dauert die Abfahrt ins Tal und bis zurück zum Ziel- und Startpunkt war es noch eine halbe Stunde, so dass ich um neun Uhr wieder Glurns erreichte. Hätte ich von der Strassensperrung der Südrampe von Bormio auf das Stilfser Joch vor meinem Start erfahren, wäre ich wahrscheinlich gleich den Umbrail hinauf gefahren und hätte diese Tour mit dem faszinierenden Sonnenuntergang mit der Solo über das Sitlfser Joch so nicht erlebt. Hätte, hätte, Fahrradkette! Einfach wunderbar …

Am nächsten Tag fiel der erste Schnee auf dem Stilfser Joch bis hinunter auf 1200 Meter.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Stelvio © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Stelvio © Stefan Drexl

TIMMELSJOCH & OETZTAL GF – DIE HÄRTESTE & LÄNGSTE

Eine Woche später legte sich erneut ein stabiles Hochdruckgebiet über den Alpenraum und transportierte warme Luft aus dem Süden über die Gipfel des Alpenhauptkamms. Für eine Tagestour ohne all zu weiter Anreise bot sich ein Klassiker an – Start und Ziel in Zirl im Inntal: Die Strecke des Oetztal Radmarathon

Eine Tour, die keiner langen Beschreibungen bedarf, denn dazu gibt es inflationär viele Beiträge im Netz und auf Papier, sogar Bücher darüber. Für mich ist der Rundkurs vor allem aus trainingsmethodischer Perspektive sehr interessant. Jeden der drei grossen Strassenpässe, Brenner, Jaufen und Timmelsjoch kann man mit einer anderen Zielsetzungen und Trettechnicken anfahren und hinten raus noch ein konstantes Tempointervall fahren, vorausgesetzt man verpflegt sich richtig während der 230 Kilometer und 4500 Höhenmeter.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Brenner Pass © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / St. Leonhard, Passeier Tal © Stefan Drexl

Der Start des Oetztal Radmarathon ist normal in Sölden (1377m). Von dort geht es talauswärts und in Oetz (800m) rechts ab, hinauf über den teilweise sehr steilen Kühtai Sattel (2020m) und runter nach Kematen durch das Inntal nach Innsbruck (600m). Es geht dann den über den moderaten Anstieg des Brennerpass (1377m) weiter nach Sterzing (960m) und rechts ab, gleichmäßig bergauf zum Jaufenpass (2090m). Die sehr anspruchsvolle Abfahrt hinunter nach St. Leonhard im Passeiertal kostet erneut 1400 Höhenmeter. Es folgt der finale und aufgrund seiner Länge (29 km) und des Höhenunterschieds (1820 m) äusserst anspruchsvollen Anstieg zum Timmelsjoch (2509 m) bevor die Abfahrt, mit einem kurzen Gegenanstieg vor der Mautstation, hinunter nach Sölden die Rennradfahrer für die Strapazen belohnt.

Dies klassische „Original“-Strecke habe ich leicht modifiziert, um dem Verkehr in Innsbruck aus dem Weg zu fahren und die Alternative über Axams (875 m) und Mutters zur Brennerstrasse gewählt. Einzig die kurze Aufwärmphase vor dem Anstieg nach Axams ist ungünstig, so dass eine moderate Trittfrequenz um die 75 rpm und niedrige HF-Werte zu empfehlen sind, um unterhalb der Schwelle zu bleiben, schliesslich gibt es noch einige Höhenmeter an diesem Tag zu erledigen.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Jaufenpass © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Jaufenpass © Stefan Drexl

Für den Brennerpass war dann die Vorgabe eine niedrige Trittfrequenz mit gutem Tempo im moderaten Herzfrequenzbereich über den kompletten Anstieg bis ein Kilometer vor Brennersee zu fahren, um im oberen GA2 unterhalb der Schwelle zu fahren. Wichtig: Am Brenner, auf italienischer Seite gibts den ersten Espresso doppio macchiato und dazu ein Banana Bread. Übrigens: Das Frühstück war Porridge (zarte Haferflocken in warmer Sojamilch) mit Rosinen und einer zerquetschten Banane.

Zur Nachspeise folgte in Sterzing das erste Energy Gel, um den Anstieg zum Jaufenpass etwas zu versüssen und die 1050 Höhenmeter konstant kurbeln zu können. Der zweite Pass an diesem Tag war bei einer kleinen Übersetzung (39 – 24/26/28) mit hohen Tittfrequenz und moderaten Herzfrequenz geplant. Die Intensität über die knapp 10 km und damit durschnittlich etwas über 10 % Steigung war im mittleren bis oberen KA / EB Belastungsbereich.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Jaufenpass © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Jaufenpass © Stefan Drexl

Das lief soweit einwandfrei, jedoch ein frischer Wind, je weiter ich in die Höhe kam, sorgte für mehr Widerstand und erforderte erhöhten Energiebedarf, die Körpertemperatur zu erhalten. Auf dem Jaufenpass gab’s dann die selbe Verpflegungsroutine wie zuvor, nur der Koffeinbedarf wurde erst nach der Abfahrt in St. Leonhard gedeckt, denn es war kalt auf 2094 Höhenmetern.

Es folgte der Höhepunkt dieser Highlight-Tour mit dem längsten und höchsten Anstieg hinauf zum Timmelsjoch. Vom Ausgangspunkt in St. Leonhard auf 700 Höhenmeter über 29 Kilometer hinauf auf 2509 Höhenmeter. Wieder im Sattel nach zwei Cappuccini noch ein Energy Gel und ab ging’s.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl

Die Herausforderung der Südostrampe liegt ganz deutlich in der Dauer der Belastung. Möchte man das Timmelsjoch, wie von mir geplant und umgesetzt eine Belastung im mittleren GA2 – Bereich fahren, dann landete man spätestens nach 60 min im KA / EB – Bereich und springt frühestens hinter Moos im Passeier Tal nach Kilometer 7 und spätestens nach den dritten 12,5 Prozent zwischendurch immer wieder im KA2 – Bereich an der Schwelle und auch darüber. Das bedarf einer richtigen, kontinuierlichen Verpflegung, um nicht leer zu laufen und einen Hungerast zu bekommen.

Aus diesem Grund habe ich mir an der letzten Tankstelle bei Moos zusätzlich eine Cola zugeführt und die Trinkflaschen noch einmal aufgefüllt. Anders als die Auffahrt zum Jaufenpass lagen die ersten Serpentinen und 20 Kilometer in der Sonne und die Temperaturen waren mit 26 Grad um 10 Grad wärmer. Das erste Drittel bis kurz vor dem Abzweig Rabenstein empfinde ich persönlich am schwersten, denn dann wird es einerseits weniger steil für gute vier Kilometer, es gibt immer wieder einmal Schatte, die Temperaturen sind angenehmer und die Trittfrequenz kann wieder erhöht werden, um die Beine zu lockern.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl

Auch eine gute Gelegenheit das nächste Energy Gel zu nehmen, über die Bedeutung des regelmässigen, ausreichend Trinkens brauchen wir nicht zu reden. A propos Frequenzen: Zu dem genannten Belastungsbereich bin ich niedrige bis mittlere Trittfrequenzen entsprechend angepasst an die Steigung gefahren und habe den kompletten Übersetzungsbereich mit dem kleinen vorderen Blatt genutzt, um eine möglichst konstante Herzfrequenz über die Dauer von zwei Stunden plus.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl

Das Timmelsjoch ist lang, sehr lang und zu Anfang kann man sich nicht vorstellen so lange bergauf zu fahren und dennoch vergeht die Zeit sehr zügig. Ich war erneut relativ spät am Nachmittag auf der Passhöhe angekommen, zog mich warm an und habe noch ein paar Bilder gemacht. Gedanklich hat man die grosse Runde mit der Ankunft am Timmelsjoch schon erledigt, geht’s doch von nun an nur noch bergab, abgesehen von dem kurzen Gegenanstieg zur Mautstation in Hochgurgl.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl

Die Temperatur in Sölden war natürlich wesentlich wärmer als am Pass aber doch frischer als auf der Südseite und wegen des frühen Sonnenuntergangs im Tal bereits schattig. Im Oetztal roch es nach frischem Heu und die Gipfel strahlten in der Sonne. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit beschloss ich den Kühtai Sattel rechts liegen zu lassen und besser den weiteren Weg über das Inntal zurück nach Zirl zu nehmen.

CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden - Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl
CLIMBING MOUNTAINS Alpenlegenden – Stelvio, Sella Ronda, Timmelsjoch, Oetztal GF / Timmelsjoch © Stefan Drexl

Die Sonne war bereits untergegangen, die Alpengipfel glühten nun feuerrot und im Osten stieg über Innsbruck der Vollmond hinter der Bergsiloutte empor. Eine faszinierende Stimmung auf den letzten Radkilometern, die sich wieder einmal gelohnt hat und so nicht hätte geplant werden können. Nach den mehr als 10.000 Höhenmetern in mehr als 500 Kilometern auf dem Rennrad innerhalb 10 Tagen neben den gesteigerten Schwimm- und Laufeinheiten mit den wunderbaren positiven Eindrücken waren das gute Aussichten für den IRONMAN 70.3 Slovenia in weiteren 10 Tagen. Genug Zeit für die verdiente Erholung!

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THIRD TIME IS A CHARM – ALLE GUTEN DINGE SIND DREI – und so sind’s jetz nur noch Tage bis zum IRONMAN Vichy 2017. Die vergangenen acht Wochen waren sehr intensiv, wie sich’s eben gehört vor einer Langdistanz und besonders erlebnisreich. Mit den beiden traditionellen Triathlonrennen in Karlsfeld und Erlangen war ich im Juli auf der Kurzdistanz und Mitteldistanz am Start. Im August ging’s dann mit dem Rennrad in die Berge nach Südtirol, in die Schweiz und Österreich. Neben langen Trainingseinheiten habe ich noch viele Höhenmeter über manchen legendären Alpenpass, wie den Jaufenpass und das Timmelsjoch, sowie den Ofenpass und das Stilfser Joch für den Feinschliff und mentale Stärke gesammelt.

 
Seit Mittwoch sind wir in der Auvergne, dem Herzen Frankreichs angekommen und es scheint als war die Langdistanz 2016 erst gestern und 2015 letzte Woche. Same same, but different! Wir haben bei unserer Ankunft das gleiche Wetter mit strahlend blauem Himmel, den selben heissen Temperaturen von 34 Grad Celsius und sind sogar im gleichen Zimmer untergebracht. Die verbleibende Zeit bis Sonntag Morgen heisst es jetzt Beine hoch legen und erholen, kühlen Kopf bewahren und gute zu essen.
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Mit Startnummer zwei als Zweiter aus dem Wasser und im Ziel Platz zwei der Altersklasse © Triathlon Karlsfeld

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Mit Startnummer zwei als Zweiter aus dem Wasser und im Ziel Platz zwei der Altersklasse © Triathlon Karlsfeld

 

IN KARLSFELD MIT STARTNUMMER ZWEI ALS ZWEITER AUS DEM WASSER

Das zehnte Mal in Folge war ich in diesem Jahr beim Triathlon Karlsfeld über die Kurzdistanz am Start. Das bescherte mir von Veranstalter Dieter Asböck zu meiner Freude überraschend die Startnummer zwei und das sogar vor Triathlonprofi Johannes Moldan. Natürlich wollte ich zumindest über die 1500 Meter Schwimme im 21,5 Grad warmen Karlsfelder See dem etwas gerecht werden und so kam ich als Zweiter hinter Profi Moldan mit nur 44 Sekunden Abstand aus dem Wasser. Durch mein fehlendes Tapering in der Vorwoche fehlten über die 45 Kilometer auf dem Rad noch ein paar Prozent Druck in den Beinen und so war durch die übermässig verbrauchte Energie zusammen mit den schwülen Temperaturen auf den 10,5 Kilometern nur noch an ein flottes auslaufen zu denken.

Es reichte mir immerhin noch zu einem 2. Platz in meiner Altersklasse und ich konnte nach diesem Rennen zumindest hinter die Auftaktdisziplin einen Haken setzen. Besonders habe ich mich an diesem Tag aber für meinen Athleten Jakob Heindl gefreut, der mit einem zweiten Platz gesamt hinter Johannes Moldan seine starke Rad- und Laufform demonstriert aber endlich auch gute Schwimmleistung abgeliefert hat.

 

LETZTER TEST AUF DER MITTELDISTANZ HINTERLÄSST FRAGEZEICHEN

Vierzehn Tag darauf sind wir kurz entschlossen noch nach Erlangen, um über die Mitteldistanz des Erlanger Triathlon zu starten. Im Jahr 2015 wurde ich dort gesamt Vierter. Angesichts meiner Vorbereitung auf den IRONMAN Vichy 2017 und dem diesmal sehr starken Teilnehmerfeld war im Grunde im Vorfeld klar, dass eine solch tolle Platzierung nur mit viel Glück drin sein würde. Ich wollte aber einerseits wissen, was auf dem Rad möglich ist, denn im Radlabor München habe ich mit Pascal noch einmal die Sitzposition optimiert. Andererseits wollte ich ein Gefühl für die geplante IRONMAN-Pace bekommen und den Halbmarathon entsprechend laufen. Aus dem Main-Donau-Kanal kam ich schließlich nach 28:15 Minuten über 2000 Meter und bin als Sechster auf den Sattel meines Zeitfahrrades geschwungen.
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Optimierung der Sitzpolsition für die Langdistanz im Radlanbor München © Pascal Ketterer

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Optimierung der Sitzpolsition für die Langdistanz im Radlanbor München © Pascal Ketterer

 
Mit einer durchschnittlicher Speed von 38,8 km/h über die zwei Radrunden mit 80 Kilometer habe ich schließlich an Position 14 in die Laufschuhe gewechselt. Für die 21 Kilometer habe ich natürlich vorher Laufsocken angezogen, auch um den Wechsel und Ablauf für die Langdistanz zu üben. Doch schon nach wenigen Kilometern haben sich meine Füsse ähnliche wie zuletzt in Lauingen angefühlt und die Fusssohlen zu brennen begonnen, trotz anderer Socken. Ich versuchte es so lange wie möglich zu ignorieren, an den Verpflegungsstellen ging ich ein paar Meter obwohl es muskulär und energetisch keinen Anlass gab. Das linderte zwar diesen brennenden Schmerz aber kostete auch Zeit und Platzierungen. Nach der Hälfte des Halbmarathons nahm ich raus, um die Gefahr einer Verletzung oder Muskelverhärtung zu vermeiden, schließlich wollte ich meine großes Ziel nicht gefährden. So wurde erneut Zweiter meiner Altersklasse und konnte zumindest hinter die zweite Disziplin jetzt auch einen Haken setzen.

 

REGEN BRINGT SEGEN UND MENTALE STÄRKE

Nach einer Woche der Regeneration bin ich für ein intensives Radwochenenden ins Zillertal gefahren, um unter anderem meinen Freund Moritz wieder zu treffen. Intensiv waren bei der Hinfahrt am Freitag von München über 180 Kilometer mit Valepp, Spitzing und Thiersee weniger die Berge und die Hitze als die abschliessenden 60 Kilometer im Regen. Die erste Einheit im Sinne mentaler Härte. Nachdem wir komplett durchgespült Stumm im Zillertal erreicht haben, war die Schwimmeinheit damit auch absolviert.
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Der Spitzingsattel über das Valepp lohnt immer, auch auf dem Weg ins Zillertal © Stefan Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Der Spitzingsattel über das Valepp lohnt immer, auch auf dem Weg ins Zillertal © Stefan Drexl

 
Am Samstag habe ich mir dann bei Sonnenschein und erneut warmen Temperaturen das Triple der Stauseen am Talende vorgenommen. Nach Schlegeis mit bis zu 14 Prozent Steigung und Zillergrund mit zwölf lies ich das Stillup aufggrund des Wetterumschwungs lieber links liegen und ersetzte es mit 20 Kilometer im Wettkampftempo zurück zur Unterkunft. Nur fünf Kilometer vor dem Ziel wurde dann aus ein paar Regentropfen das heftigtste Gewitter des Jahres im Zillertal mit Überflutungen und zahlreichen Muhrenabgängen. Auf dem kurzen Heimweg wurde ich genauso nass wie tagszuvor. Nach einem Halbmarathon im Dauerregen am nächsten Tag wurden wir am Montag endlich mit durchgängi Sonnenschein und moderaten 22 Grad belohnt, die wir nach einer frühen Schwimmeinheit für eine Tour nach Brandenberg und zu den Reintaler Seen nutzen. So haben wir in vier Tagen dennoch zwölf Kilometer im Wasser, 400 Radkilometer, 40 Kilometer laufen, wenn auch meist in nassen Schuhen zurück gelegt. Ganz besonders aber hat’s den Kopf gewaschen und den Willen gestärkt.
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Von der Abfahrt des Jaufenpasses geht's direkt in den Anstieg über 29 km zum Timmelsjoch hinauf © Stefan Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Von der Abfahrt des Jaufenpasses geht’s direkt in den Anstieg über 29 km zum Timmelsjoch hinauf © Stefan Drexl

 

DIE KÖNIGSETAPPEN ZU TIMMELSJOCH UND STILFSER JOCH FÜR DAS I-TÜPFELCHEN

Das Beste zum Schluss, mit dieser Philosophie bin ich für zwei der letzten Radeinheiten wieder einmal ins zauberhafte Südtirol gefahren. Mit der ersten stabilen Wetterlage über dem Alpenhauptkamm habe ich mir die große Rundtour des Ötztaler Radmarathons vorgenommen. Die Strecke von Zirl im Inntal über Axams zum Brennerpass, von Sterzing über den Jaufenpass (2094 m) ins Passeiertal und dann hinauf zum Timmelsjoch hat nicht nur mehr als 5000 Höhenmeter sondern einen vielseitig hochalpine Landschaft um die Ötztaler Alpen zu bieten. Wir waren an diesem Sonntag leider etwas zu spät gestartet, so dass wir aufgrund der einsetzenden Dunkelheit nicht mehr das Kühtai mitnehmen konnten und das Ziel Ötz am Ende des Tals war. Dieses war der erste Streich, …
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Beeindruckende Bergkulisse am Anstieg zum Timmelsjoch © Stefan Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Beeindruckende Bergkulisse am Anstieg zum Timmelsjoch © Stefan Drexl

 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Nach Brenner und Jaufenpass der dritte und höchste Strassenpass der Ötztaler Runde, das Timmelsjoch © Stefan Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Nach Brenner und Jaufenpass der dritte und höchste Strassenpass der Ötztaler Runde, das Timmelsjoch © Stefan Drexl

 
… der Zweite folgte mit dem Stilfser Joch zwei Tage später zugleich. Was mir 2016 noch wegen eines Wetterumschwungs verwehrt war, das war mir in diesem Jahr endlich möglich. Vom Startort Glurns gings als erster auf den Ofenpass (2149 m) hinauf und dann hinunter Richtung Zernez ab vorher rechts ab durch den Tunnel nach Livigno.
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Auf dem Weg zum Stilfserjoch von Livigno sind der Passo d'Eira und del Foscagno zu überfahren © Stefan Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Auf dem Weg zum Stilfserjoch von Livigno sind der Passo d’Eira und del Foscagno zu überfahren © Stefan Drexl

 
Weiter über den Passo d’Eira und Passo di Foscagno hinüber nach Bormio von wo es schließlich über 36 Kehren auf 22 Kilometern mit durchschnittlich 12% Steigung zum Stilfser Joch auf 2757 m hinauf ging, dem zweithöchsten asphaltierten Alpenpass nach den Col de l’Iseran. Nach zwei Cappuccini rollte es dann über die legandäre Südrampe wieder hinunter ins Vinschgau nach Prad und zurüch nach Glurns.
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Von Bormio zum Stilfserjoch sind's 36 Kehren, nach der Hälfte des Anstiegs mit dem steilsten Teilstück von 14% sind schon neun geschafft © Stefan Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Von Bormio zum Stilfserjoch sind’s 36 Kehren, nach der Hälfte des Anstiegs mit dem steilsten Teilstück von 14% sind schon neun geschafft © Stefan Drexl

 

DAS BESTE ZUM SCHLUSS

Mit diesen beiden letzten, wunderbaren Touren und den Wochen zuvor mit Zillertal, Erlangen und Karlsfeld war alles getan, was zu tun war und ich begann mit dem Tapering für meinen dritten IRONMAN Vichy 2017. Es gab bisher keinerlei Verletzungen, keine Stürze und erneut ein Jahr, eine Saison ohne Krankheiten und in bester Gesundheit dank der optimalen Balance von Work, Life und Training.
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Im letzten Drittel hinauf zum Passo dello Stelvio kommt der Umbrail Pass von Santa Maria © Stefan Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Im letzten Drittel hinauf zum Passo dello Stelvio kommt der Umbrail Pass von Santa Maria © Stefan Drexl

 
Nur wenn Belastung und Erholung stets optimal an den persönlichen Gegebenheiten angepasst sind, wenn Gleichgewicht und Wohlbefinden stimmen, nur dann ist man in der Lage durch ein individuelles Training, mit der richtigen Ernährung und mit etwas Disziplin seine persönlichen Ziele erfolgreich zu erreichen.
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Es ist vollbracht - die Königsetappe der Radsaison und Vorbereitung auf den IRONMAN Vichy 2017 © Stefan Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Es ist vollbracht – die Königsetappe der Radsaison und Vorbereitung auf den IRONMAN Vichy 2017 © Stefan Drexl

 
Ich habe in den vergangenen acht Monaten sehr viele neue Erfahrungen sammeln können, lange Bewährtes hinterfragt, einiges Neues ausprobiert, manche Dinge wieder verworfen und manches etabliert. Ich habe auf meinem langen Weg im Wasser, auf dem Rad und zu Fuss wieder eine Menge dazu gelernt, tolle Gespräche geführt und neue Freunde gewonnen. Einige Athleten haben meinen Weg gekreuzt und mich begleitet, mancher kurz und andere länger, doch alle haben daran irgendwie Teil gehabt..
 
Das Ziel, es war das Gleiche, aber der Weg war ein anderer. Nur wer neue Wege geht, der kann eigene Spuren hinterlassen und neue Erkennntnisse gewinnen. Drei Tage vor meiner dritten Langdistanz haber ich dieses erste Ziel bereits erreicht und kann am kommenden Sonntag noch einen Punkt dahintersetzen. Keiner weiss, wie es ab 6:50 Uhr morgens laufen wird, was der Tag alles bringen wird. Aber eines ist gewiss, ich werde wieder eine Menge lernen und bin allen dankbar, die mich dabei unterstützt haben. DENN ERFOLG IST KEIN ZUFALL UND DAS BESTE KOMMT ZUM SCHLUSS!
 

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Jetzt ist es an der Zeit, dass es los geht, werde wieder eine Menge Erfahrungen sammeln und bin allen dankbar, die mich dabei unterstützen © Kerstin Drexl

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete #3 / Jetzt ist es an der Zeit, dass es los geht, werde wieder eine Menge Erfahrungen sammeln und bin allen dankbar, die mich dabei unterstützen © Kerstin Drexl

 
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Der Weg ist das Ziel oder ist das Ziel der Weg? Ganz egal wie man es dreht und wendet, das Ziel ist , gut vorbereitet am Start des Ironmans zu stehen und der Weg dorthin ist sehr lang. Die vergangenen Wochen sind dennoch wie im Flug an mir vorbeigezogen. Das ist zwar meistens so, vor allem wenn die Tage durchgetaktet sind und sich zwischen Familie und Beruf das eigenen Training nahtlos einfügen soll. Der Weg gleicht da schon fast einem Flug. Um dabei nicht die Freude und Motivation zu verlieren, ist es wichtig die Erholung nicht zu vergessen und sein Ding zu machen. Dann wird das Ziel auch zu einer sanften und glücklichen Landung. Doch jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt fängt der Spaß erst richtig an. Über interessante Begegnungen, überraschende Spannungen und spannende Überraschungen …

 

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Der Weg ist das Ziel ist der Weg – Road To Kona


 

Nach Monaten umfangreicher Grundlagenausdauer stand während der letzten Wochen der Feinschliff auf dem Trainingsplan. Neben wichtigen Schlüsseleinheiten, darunter auch einge Schlüsselerlebnisse, ist die Intensität stetig gestiegen und die Erholung hat immer mehr an Bedeutung gewonnen. Mit einer Kurz- und einer Mitteldistanz standen zudem wichtige Meilensteine auf dem Programm, die für den letzten großen Trainingsblock richtungsweisend sein sollten. Im Grunde bin ich ein großer Freund von Effizienz, dennoch sollte das Training nicht als Mittel zum Zweck verkommen sondern abwechslungsreich und motivierend sein. Gerade mit dem Rad hat man viele Möglichkeiten durch schöne Touren für Abwechslung zu sorgen, die auch für den Geist ein großer Gewinn sind. Schließlich findet ein Ironman hauptsächlich im Kopf statt und so können Trainingseinheiten in den Alpen neben einem posiviten physiologischen Trainingseffekt auch äusserst förderlich für die mentale Stärke sein. Freude und Genuss inbegriffen. Eine meiner Schlüsseleinheiten mit dem Rad war während der großen Hitze Anfang Juli die Strecke des RTF Klassikers, Ötztaler Radmarathon http://www.oetztaler-radmarathon.com/de

 


 

Heißer Ritt mit Höhenluft über drei Alpenpässe

Die große Hitze des Sommers 2015 wirbelte so manche Trainingsplanung durcheinander. Wer nicht täglich mit Sonnenaufgang seine Trainingeinheiten absolvieren wollte, der musste sich andere Möglichkeiten einfallen lassen, um den schweisstreibenden Temperaturen zu entkommen. Für Sonntag, 5. Juli waren Rekordtemperaturen von 35 Grad und mehr angekündigt und so habe ich früh morgens kurzentschlossen mein Canyon Aeroad ins Auto gepackt um nach Zirl im Inntal gefahren. Was gibt’s denn besseres als bei heißen Temperaturen in die Alpen zu flüchten und Pässe zu fahren? Wenn alle an den Seen und in den Freibädern liegen, dann lassen sich entspannt die leeren Straßen fahren und dabei die herrliche Bergkulisse genießen. Längst wollte ich einmal die Strecke des Ötztaler Radmarathon solo mit dem Rennrad fahren und als Vorbereitung auf meine erste Langdistanz sollte das eine echte Schlüsseleinheit werden.

 

Die Originalstrecke des Ötztaler Radmarathon hat eine Länge von 238 km und über 5.500 Höhenmeter. Von Zirl aus startete ich nach Kematen (610 m) und bin statt direkt nach Innsbruck gleich den Anstieg hoch nach Axams (874) m) hinauf, um die ruhigere Straße weiter nach Mutters (830 m) und dann über Schönberg nach Matrei am Brenner zu fahren. Damit war ich wieder auf Kurs und nahm den flachsten der drei Alpenpässe dieses Tages in Angriff: Steinach am Brenner – Gries a. Brenner – Brenner (1.377 m) – Sterzing waren schnell und schmerzlos abgehakt. Es folgte der Jaufenpass mit seinen durchschnittlichen 8% und die Temperaturen nahmen spürbar fahrt auf. Zu spühren bekam ich auch meinen Rücken, der aufgrund des konstanten Drucks und der meist sitzenden monotonen Belastung an diesem Tag große Probleme bereiten sollte. Ursächlich dafür ist eine Reizung des Piriformis. Ich wechselte also regelmäßig zwischen stehenden und stitzenden Passagen um den Rücken zu entlasten.

 

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Ausblick auf dem Weg hinauf zum Timmelsjoch


 

Die Sicht war herrlich und der Ausblick auf die umliegenden Gipfel des Alpenhauptkamms ließen die Schmerzen vergessen. Die Beinmuskulatur hingegen spulte in einer konstanten Frequenz unermüdlich ihr Bergprogramm ab bis die Passhöhe auf 2.090 m nach 15 km erreicht war. Zur Belohnung und mit Blick auf die Ötztaler Alpen und die Texelgruppe gab es einen Cappuccino bevor ich die rasante Abfahrt hinunter ins Passeiertal nahm, wo am Nachmittag 40 Grad gemessen wurden. Es folgte der Höhepunkt der Tour und der lange Anstieg von St. Leonhard hinauf zum Timmelsjoch (2.509 m) mit 1820 Höhenmeter, 29 km Länge und 13% maximale Steigung: Der Hammer! Das erste Mal bin ich diesen Pass mit 16 Jahren zusammen mit meinem Vater gefahren – wie die Zeit vergeht. Zur Belohnung gab’s 60 km Abfahrt über Sölden (1.377 m) bis nach Oetz. Da die Straße über Sellrain und das Kühtai wegen eines Murrenabgangs gesperrt war ging’s über das Inntal zurück nach Zirl.

 

Brennerpass, Jaufenpass und das Timmelsjoch mit einigen Cappuccini, viel Wasser, Bananen und Innobar Riegeln von Innosnack an einem Tag zu bezwingen war absolut spektakulär. Ich war ziemlich platt, aber auch glücklich und hab auf dem Rückweg nach München das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Diese Panorama-Tour mit den drei legendären Alpenpässen werden mir während meiner ersten Langdistanz, dem Ironman Vichy am 30. August, sicher öfter durch den Kopf gehen.

 

Kochendes Wasser und Verwirrungen in Karlsfeld

Zwei Wochen später stand traditionell der Triathlon Karlsfeld mit der Kurzdistanz auf dem Plan – der erste richtige und wichtige Formtest. Für einen ordentlichen Support sorgte meine Tochter, während mein Sohn zur selben Zeit bei der Deutschen Triathlon Meisterschaft der Jugend in Verl am Start stand. Das Starterfeld in Karlsfeld war allerdings nicht weniger beeindruckend: Schwimm-Europameister Jan Wolfgarten, Schwimmer und Olympionike Lukasz Wojt, Pro Triathlet Markus Hörmann, Tom Weikert und Max Krumm. Somit war bereits klar, dass bereits die erste Disziplin das Wasser des Karlsfelder Sees zum Kochen bringen und wer zudem mit wohl großem Vorsprung als Erster auf’s Rad steigen würde. Ich hatte diese Saison zum Glück andere Ziele und war an selben Ort schließlich oft genug „First Out Of Water“.

 

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Mit konstantem Laufrhythmus auf Platz 2 in der Altersklasse beim ersten wichtigen Formtest: Triathlon Karlsfeld 2015


 

Aufgrund der starken Konkurrenz war ich dennoch ordentlich motiviert und hatte mit Jamie zudem beste Unterstützung an der meiner Seite. Ich wechselte an Position sieben auf mein Canyon Speedmax, aufgrund der warmen Wassertemperaturen und des Neoprenverbots ging das recht flott, und mit einem 41er Schnitt konnt ich auf der flachen Radstrecke ordentlich Druck auf die Pedale bringen. Nur zwei Plätze verlor ich über die 46 km bis zum zweiten Wechsel, aber konnte ebenso einen guten Vorsprung auf die Verfolger herausfahren. Als Neunter ging’s auf die Laufstrecke, die Lücke nach vorne und hinten im Grunde bereits zu große um noch für Ärger zu sorgen oder Gefahr zu laufen. Also konzentrierte ich mich auf einen sauberen Laufrhythmus mit einem negativen Split und beendete den Triathlon Karlsfeld mit einem zufriedenen 10. Platz.

 


 

Im Ziel herrschte unterdessen große Aufregung um den Sieger. Lukasz Wojt war während des gesamten Rennens mit einer überlegenen Leistung und großem Abstand unterwegs, strauchelte aber auf den letzten Kilometer und konnte seinen Sieg trotz mehrerer Stürze gerade noch so, mit einem Vorsprung von nur 4 Sekunden auf allen Vieren ins Ziel retten. Grund einer hitzigen Diskussion, die auch noch Tage und Wochen danach im Internet nachhallte, war seine anschließende Disqualifikation, da ihm nach seinen Stürzen hilfsbereit wieder aufgeholfen wurde. Zahlreiche Medien haben darüber berichtet und viele haben ihre Meinung dazu geäußert. Hier einige Links:
Münchener Merkur
Süddeutsche Zeitung
Slowtwitch

 
Das Ergebnis wurde noch vor Ort korrigiert und Markus Hörmann somit der Sieger des Triathlon Karlsfelds. Dadurch ergab sich für mich Platz 9, was mir egal war und auch nichts änderte. Für mich waren an diesem Sonntag neun Triathleten schneller als ich trotz aller Verwirrungen und Regelauslegungen. Wichtig war für mich einen weiteren Baustein in der Vorbereitung auf meine erste Langdistanz erfolgreich gesetzt und dabei viel Spaß gehabt zu haben. In der hart umkämpften und starken Altersklasse der „alten Säcke“ über 40 war das der 2. Platz.

 

Erst kommt es anders und zweitens als man denkt

Nur zwei Wochen Regeneration blieben mir, um ein paar essentielle Trianingseinheiten mit Blick Richtung Ironman Vichy zu absolvieren und mich auf die Triathlon Triathlon Mitteldistanz Erlangen, dem nächsten und wichtigsten Rennen vor dem 30. August vorzubereiten. Ich habe mir nicht viel vorgenommen und mit nicht viel gerechnet. Ich wollte schlichtweg die geplanten Tempi der Langdistanz testen, dabei nicht zu viel Pulver verschießen und zu viel Federn lassen. 2014 war ich beim Triathlon erlangen Immerhin als Neunter unter vier Stunden ins Ziel gelaufen. Dass ich dieses Ergebnis während der Vorbereitung auf die doppelten Distanzen und dem geplanten Leistungshoch vier Wochen später nicht toppen können werde, war klar. Welchen Unterschied das aber letztendlich ausmachen würde, war die eigentliche Frage.

 

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Triathlon Mitteldistanz Erlangen: Der wichtigste Test über die halbe Ironman-Distanz bringt einen überraschenden 4. Platz in der Gesamtwertung


 

Mit meiner Tochter war erneut mein Glücksbringer an der Strecke und hat mich nicht nur ordentlich angefeuert sondern mir auch stets die Abstände mitgeteilt. Wie es mir bei der Triathlon Mitteldistanz Erlangen schließlich erging und das man sich manchmal selbst überraschen kann, habe ich in HIER https://dev.sugarandpain.defirst-out-of-water-4-platz-gesamt-laeuft/ in einem weiteren Beitrag versucht etwas in Worte zu fassen. Ich sage nur eines vorweg: „Es kommt erstens anders und zweitens als man denkt!“

 

Dem Groben folgt der Feinschliff für Vichy

Nach spektakulären Schlüsseleinheiten, Verwirrungen und Überraschungen war eine Woche ordentliche Erholung angesagt, um dann noch einmal 12 Tage richtig Gas zu geben. Dabei standen einige herrliche Tage mit Freunden im Zillertal auf dem Programm, die ich für den letzten intensiven Trainingsblock bei optimalen Trainings- und Wetterbedingungen nutzte. Anstatt das Auto nahm ich meine Aeroad bei Sonne und moderaten Temperaturen, um von München nach Stumm ins Zillertal zu fahren. Dabei lies ich mir eine Abstecher über Tegernsee (Cappuccino) https://www.tegernseer-kaffeeroesterei.de und das Valepp hinauf zum Spitzingsee natürlich nicht entgehen. Nach der rasanten Abfahrt vom Spitzingsattel habe ich die verkehrsberuhigte Route über Bayrischzell und den karibikblauen Thiersee nach Kufstein gewählt. Auf der Landstrasse geht’s durch das Inntal wieder hinauf nach Mariastein und die Reintaler Seenplatte bevor man ins Zillertal abbiegt.

 


 

Mit 190 km und 2000 hm macht man hier ordentlich etwas für die Bilanz, der starke Gegenwind im Inntall hat den Trainingseffekt noch zusätzlich verstärkt. Nach einer Zwischenmahlzeit und einem Cappuccino, was sonst, im Landgasthof Linde haben wir uns noch eine kurze und knackige Schwimmeinheit im Freibad Stumm einverleibt. Die restlichen Körner rausballern, um dann ziemlich müde, aber glücklich und zufrieden, mit einem köstlichen Kirschrisotto und viel Salat die Kohlenhydratspeicher für die folgenden Tage wieder aufzufüllen. Danke lieber Thomas für die Extraportion Risotto und den guten Service! Am nächsten Morgen war nüchtern eine Tour zum Zillergrund mit 18 Kilometer Anstieg und einigen Prozenten geplanten, die ich mit einem Lauf entlang der Ziller koppelte. Nach dem Mittagessen und etwas erholung war noch Grundlagenausdauer im 25 m Becken angesagt: 4000 m mit 160 Rollwenden können einem ordentlich den Kopf verdrehen. So war das und so ging dass dann auch weiter.

 

Nach dem langen Weg steigt die Vorfreude

Acht Monate mit tausenden Trainingskilometern liegen hinter mir und jetzt sind es nur noch 7 Tage bis zu meiner ersten Langdistanz und dem Ironman Vichy – Erholung ist endlich angesagt. Nach den vielen Wochen der Belastung ist es schwer still zu halten aber äusserst wichtig, damit sich der Körper von dem vielen intensiven Training erholen kann. Das läßt Raum für viele Gedanken was war und was kommen wird, wer einen auf dem langen Weg treu zur Seite stand und begleitet hat, und wer das auch weiterhin machen wird, ganz egal was kommt. Vor allem denke ich noch weitere zurück, an die vergangenen Jahre in denen meine Kinder immer mehr Spaß am Triathlon gefunden haben und daran, als ich vor 25 Jahren mit Triathlon begonnen haben. Sieben Tage bevor ich mich erstmals auf den neuen Weg über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen mache, habe ich das Gefühl, das alles einen Sinn ergibt und gar nicht anders kommen konnte. Jetzt genieße ich die letzten Tage und freue mich auf meine erste Langdistanz, bin gespannt und neugierig. Denn manchmal kommt es anders und zweitens als man denkt!

 
Danke meiner Familie, meiner Frau und meiner Kinder, meinen Freunden und allen Unterstützenden, die mich auf dem Weg zu meiner ersten Langdistanz begleiten. Ohne Euch, Eurer Toleranz und Geduld wäre es nicht möglich so ein Projekt erfolgreich umzusetzen.

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MEIN ERSTER IRONMAN – ALLE BLOGS
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BLOG #2: Überraschung und Herausforderung: Anmeldung zur ersten Langdistanz
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BLOG #6: Triathlon ist keine Mathematik – Eiserner Wille beim IRONMAN Vichy 2015

DIESER BEITRAG WURDE EBENSO VERÖFFENTLICHT AUF TRI2B.COM
TRI2B Erster Ironman-Blog #1 am 02. Mai 2015
TRI2B Erster Ironman-Blog #2 am 21. Mai 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #3 am 11. Juli 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #4 am 20. August 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #5 am 20. August 2015

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