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Ist der Winter lang, nass und kalt, hilft oft nur der Rollentrainer im Keller oder man packt seine sieben Sachen und flüchtet in ein Triathlon Trainingscamp gen Süden. Die Möglichkeiten für einen Urlaub mit Rennrad und Triathlontraining im Frühjahr und während der kalten Jahreszeit sind mittlerweile vielseitig und reichen von Mallorca über die Kanaren bis nach Thailand. Wer in wärmeren Regionen seine ersten eintausend Radkilometer sammeln möchte, der sollte allerdings rechtzeitig planen. Denn trotz beinahe unüberschaubarer Angebote zahlreicher Anbieter, sind die guten und günstigen Gelegenheiten schnell vergriffen. Es gilt aber auch ein paar andere wichtige Dinge bei der Planung zu beachten. Mit diesen fünf Tipps gelingt Dir ein erfolgreicher Saisonstart und Dein Trainingscamp macht noch mehr Spaß.
 
 

Wieso, weshalb, warum ein Trainingscamp?

Um aus der Vielzahl an Möglichkeiten für ein Trainingscamps zu finden, gilt es als erstes sein Trainingsziel und die dafür passende Location zu definieren. Das, sowie der Zeitpunkt sind natürlich auch von Deinem Saison-Highlight abhängig. Die Frage, was möchte ich trainieren, lange Grundlagen- oder intensive Kraftausdauer, oder beides, ist essentiell für Deine Planung? Schwerpunkt Rennrad oder Schwimmen, oder alles drei Disziplinen des Triathlon? Flach, bergig oder am Besten alles? Möchte ich alleine oder mit Freunden trainiern, möglichst billig reisen aber muss jede Kleinigkeit selbst organisieren? Oder aber bevorzuge ich lieber das gemeinsame Training mit einer überschaubaren Gruppe und die Betreuung durch einen professionellen Trainer? Individuallisiertes, fokussiertes Coaching, optimal organisiert und zum qualitativ beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
 
 

5 Tipps für ein perfektes Trainingscamp im Winter /  Eine gesunde und hochwertige Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen zu den festen Mahlzeiten ist vor, während und nach der Zeit im Trainingscamp essentiell. / © stefandrexl.com / Dr. Feil Eiweiss Muesli

5 Tipps für ein perfektes Trainingscamp im Winter /
Eine gesunde und hochwertige Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen zu den festen Mahlzeiten ist vor, während und nach der Zeit im Trainingscamp essentiell. / © stefandrexl.com / Dr. Feil Eiweiss Muesli

 

Die ersten Kilometer zu Hause …

Auch wenn Du im Trainingscamp ordentlich Kilometer strampeln wirst, die ersten Trainingseinheiten sollten dennoch bereits einige Wochen zuvor in der Heimat absolviert werden. Dadurch lassen sich nach einer kurzen Aklimatisation die großen Trainingsumfänge besser verkraften. Wer unvorbereitet ins Trainingscamp startet, der riskiert entweder nach wenigen Tagen bereits auf allen Vieren zu kriechen oder sogar krank zu werden.
 

Die richtige Dosis setzt den besten Reiz

In der Regel wird während eines Trainingscamps im Winter oder Frühling das Fundament für die bevorstehende Wettkampfsaison gebaut. Lange moderate Touren auf abwechslungsreichen Strecken verbessern die Grundlagenausdauer und den Fettstoffwechsel. Berge mit moderaten Steigungen über mehrere Kilometer mit moderaten Trittfrequenzen steigern die „Kraftausdauer“. Statt aber täglich Rekorde zu brechen ist es entscheidend auf den eigenen Körper zu hören, um nicht schon zur Halbzeit des Trainingscamps erschöpft am Straßenrand zu sitzen. Die richtige Dosis macht schliesslich das Gift: Ein klares Trainingsziel zu definieren, sinnvolle Trainingsreize zu setzen und Ruhe zu bewahren ist für Deine Leistungsentwicklung entscheidend.
 
 

SUGAR & PAIN KNOW-HOW Essentielle Warmmacher für den Radwinter / Gegen Kälte, Wind und Nässe hat sich das Zwiebelprinzip für den Radwinter mit Rennrad oder Mountainbike bestens bewehrt. Ohne diesen essentiellen Warmmachern für Hände, Kopf und Füße allerdings, währt das Wintertraining nur von kurzer Dauer und wenig Freude © stefandrexl.com

SUGAR & PAIN KNOW-HOW Essentielle Warmmacher für den Radwinter / Gegen Kälte, Wind und Nässe hat sich das Zwiebelprinzip für den Radwinter mit Rennrad oder Mountainbike bestens bewehrt. Ohne diesen essentiellen Warmmachern für Hände, Kopf und Füße allerdings, währt das Wintertraining nur von kurzer Dauer und wenig Freude © stefandrexl.com

 

Schlechtes Wetter? Es gibt nur schlechte Kleidung!

Selbst im wärmeren Süden ist meist noch Winterzeit und ein Trainingscamp kein Sommerurlaub. Wind und Wetter, und Temperaturen können sich auch auf den Ballearen oder den Kanarischen Inslen schnell ändern. Hat man Pech, erlebt man gar eine komplette Woche nur Regen. Regenjacke, Bein- und Ärmlinge, Überschuhe und Handschuhe gehören deshalb ebenso ins Gepäck, wie eine Funktionsmütze. Eine langes Trikot und eine lange Radhose sind auch in Italien und Spanien kein Stilbruch, ganz im Gegenteil: Erfahrene Triathleten, Rennradfahrer und Profis erkennt man an ihrer richtigen Bekleidung.
 
 

5 Tipps für ein perfektes Trainingscamp im Winter / Was gibt es schöners als nach vollbrachtem Tagwerk ordentlich zu duschen? Erst danach geht’s an den gemeinsamen Esstisch um die Speicher wieder aufzufüllen. / © stefandrexl.com / Marathon Honolulu 2010

5 Tipps für ein perfektes Trainingscamp im Winter / Was gibt es schöners als nach vollbrachtem Tagwerk ordentlich zu duschen? Erst danach geht’s an den gemeinsamen Esstisch um die Speicher wieder aufzufüllen. / © stefandrexl.com / Marathon Honolulu 2010

 

Train, eat, sleep, repeat!

Wenn Du viel trainierst, verbrauchst Du auch viel Energie. Die Voraussetzung für Deinen Trainingserfolg ist, Dich im Trainingscamp richtig gut zu ernähren. Eine gesunde und hochwertige Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen zu den festen Mahlzeiten ist vor, während und nach der Zeit im Trainingscamp essentiell. Nur dann wirst Du auch täglich Druck auf die Pedale bringen, die vielen Laufkilometer meistern, im Wasser dauerhaft die richtige Kraultechnik gut umsetzen und vor allem gesund bleiben. Vor allem während der Zeit im Sattel solltest Du stets gut verpflegt sein: Bananen, Rosinen, evtentuell Energieriegel oder ähnliches sind hochwertige Energielieferer. Vorausgesetzt, dass Du zum richtigen Zeitpunkt in angemessenen Mengen isst und nicht schon mit leeren Speichern auf Dein Rad steigst. Damit vermeidest Du einen Hungerast und am Abend das Buffet wegen Deines Heisshungers zu plündern. Und eins noch: Was gibt es schöners als nach vollbrachtem Tagwerk ordentlich zu duschen? Erst danach geht’s an den gemeinsamen Esstisch um die Speicher wieder aufzufüllen.
 
 

PHOTOCREDITS ©

  • Stefan Drexl / SUGAR & PAIN
  • Jochen Hopps / CREATIVE HUB PARIS

 
 

Ambitionierte Rennradfahrer verbinden mit Pedaldruck sehr oft die Vorstellung, viel hilft viel: Je härter, je stärker, je schneller! Kette rechts, dicke Gänge und damit sehr viele Kilometer kurbeln soll automatisch besser machen. Das mag kurzfristig gedacht funktionieren. Wer jedoch langfristig mit mehr Druck in die Pedale seines Rennrads oder Mountainbikes treten möchte, der würde mit dieser Strategie schnell an die Wand fahren. Mit unseren 5 Tipps entwickelst Du wirklich mehr Pedaldruck und wirst nachhaltig fitter und schneller?

Am Anfang Deiner Radkariere kann jeder gekurbelte Kilometer natürlich schneller und fitter machen. Sobald Du jedoch ein bestimmtes Niveau der Grundlagen- und Kraftausdauer erreicht hast, wird das pure Kilometersammeln nur noch Mittel zum Zweck für die Statistik auf Strava. Fragt man erfahrene Radsportler, bekommt man oft zu hören, dass es kein echtes Geheimnis ist, mehr Pedaldruck zu bekommen und auf dem Rennrad schneller zu werden. Möchte man das tatsächlich ganz egal auf welchem Bike, dann sollte man sein Radtraining strukturieren und planen. Man sollte gelegentlich seine Komfortzone auf dem Rad verlassen und manche Einheit mit der nötigen Intensität und höheren Geschwindigkeiten fahren, als man dann in Zukunft gerne auf längeren Strecken treten möchte. Es ist also entscheidend, in Grenzbereiche vorzudringen, um Grenzen auch verschieben zu können und die persönliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Und manchmal sogar wesentlich öfter ist es sehr wichtig, langsam und lange zu fahren, um an der Basis an Deiner Grundlagenausdauer zu arbeiten. Nur dann wirst Du wirklich mehr Pedaldruck zu entwickeln und bei Deinem Saisonziel oder im Wettbewerb kraftausdauernder am Berg treten, ein höheres Tempo fahren und vor allem auch länger halten können.  

WER MEHR PEDALDRUCK MÖCHTE, MUSS MEHR DRÜCKEN

Wenn du eine neue Bestzeit in deinem Lieblingssegment erzielen möchtest, um von deinen Trainingskollegen möglichst viele Kudos zu bekommen oder in der nächsten Kurzdistanz nach einer Stunde von deiner Maschine steigen möchtest, dann solltest du dein geplantes Tempo regelmäßig und manchmal auch schneller im Training fahren. Spezielles Krafttraining für deine Beinmuskulatur, wie Kniebeugen und Ausfallschritte helfen ergänzend. So kommt der Druck dann auch auf den Pedalen an.

Zusätzlich solltest du ein- bis zweimal pro Woche an deiner Schnellkraft und Kraftausdauer arbeiten. Eine große Wirkung haben besonders Intervalle, kurze und knackige Antritte mit hoher Trittfrequenz, wie zum Beispiel 8 x 20 Sekunden all out plus 60 Sekunden locker rollen und zwei bis drei Mal wiederholen 2 – 3 Sätze, bis dir das Laktat aus den Augen quillt. Das kannst du hervorragend mit langen Tempointervallen von 8 – 20 Minuten bei 85 – 95 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz kombinieren. Effektiv sind auch sitzende Intervalle am Berg an moderaten, konstanten Steigungen und mit niedrigen Trittfrequenzen (8 – 12 Minuten; Trittfrequenz 60 – 70; 85 – 95 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz im Wechsel mit 90 – 100 Trittfrequenz und 65 – 75 Prozent; 2 – 3 Sätze).

IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete / Im letzte Formtest und Tiefflug über die Radstrecke der Triathlon Erlangen Mitteldistanz © Stefan Drexl
IRONMAN VICHY 2017 The Making of an Ironman Triathlete / Im letzte Formtest und Tiefflug über die Radstrecke der Triathlon Erlangen Mitteldistanz © Stefan Drexl

DER TRUMPF FÜR MEHR PEDALDRUCK IST EIN STARKER RUMPF

Eine Schwachstelle vieler Triathleten ist die Rumpfmuskulatur. Die vorzeitige muskuläre Ermüdung aufgrund von Rückenschmerzen ist ein großes Problem von Freizeittriathleten. Nicht nur deshalb sollte dem Training der Rumpfkraft und Rumpfstabilität ebenso viel Aufmerksamkeit geschenkt werden wie dem Rad- und Lauftraining. Ein bis zwei Mal pro Woche regelmäßiges Athletiktraining sollte für jeden Triathleten so selbstverständlich wie das Lauf-ABC, die richtige Kraultechnik und Stretching! Mit einer schwachen oder vorzeitig ermüdeten Rumpfmuskulatur und fehlenden Stabilität des Oberkörpers gehen auch die optimale Kraftübertragung auf die Beine und vor allem Energie mit jedem Tritt verloren. Das Resultat sind weniger Druck auf die Pedale niedrigere Geschwindigkeiten.
 
Ausgezeichnet sind deshalb Übungen für den Rückenstrecker, Hüftstrecker und großen Gesäßmuskel, sowie die Kombination mancher Übungen. Ideal für die Verbesserung in allen drei Disziplinen ist der Superman im knienden Ellbogenstütz: Aus der Grundposition mit geraden Rücken werden gleichzeitig und gegengleich je ein Arm und ein Bein in der Bewegungsachse vollständig und gerade nach vorne, beziehungsweise nach hinten gestreckt. Anschliessend werden der Arm und das Knie wieder angezogen und unter dem Körper zusammengeführt (12 – 15 Wiederholungen pro Seite, 2 – 3 Sätze). Entscheidend ist es währenddessen die Körperstabilität zu erhalten ohne den Rumpf zu verdrehen und den Bewegungsablauf richtig zu koordinieren.

MEHR KRAFT LIEGT IN DER RUHE

Manche ambitionierten Triathleten nutzen neben ihres Fulltimejobs und der Famile jede freie Minute für ihr intensives Training in den drei Disziplinen. Gerade auf dem Rennrad oder der Zeitmaschine werden dann Stunden lang Kilometer gefressen. Aber nur wenigen ist die besondere Bedeutung der gezielt gesetzten Erholung bekannt oder selbst wenn, dannnutzen sie diese zu selten bis gar nicht. Die Zeit mit der Familie und in der Arbeit mit Meeting und Überstunden zählt ganz sicher nicht zur Erholung.
 
Kein Training ist nicht gleich zu setzen mit Regeneration. Aber erst während der Regeneration wirken die Belastungen uaf den Körper nach und kommt der eigentliche Trainingseffekt voll zum tragen. In der Erholungsphase repariert und optimiert der Körper wichtige organische Strukturen und optimiert die Muskulatur für die nächste Belastung. Gerade nach intensiven Trainingseinheiten zählt das um so mehr. Du solltest deshalb stets darauf achten, deine leichten Radeinheiten, so locker wie möglich und deine Intensiven, so hart wie nötig zu trainieren, dann macht dein Radtraining zudem gleich doppelt so viel Spaß!

02 DER SUPERMAN ist eine essentielle Übung zur Kräftigung des Rumpfstrecker für einen gesunden Rücken, zur Verbesserung der Wasserlage und gute Schwimmzeiten.
02 DER SUPERMAN ist eine essentielle Übung zur Kräftigung des Rumpfstrecker für einen gesunden Rücken, zur Verbesserung der Wasserlage und gute Schwimmzeiten.

SCHRITT FÜR SCHRIT, TRITT FÜR TRITT: ERST HARTES TRAINING, DANN DAS GEWICHT

Am Berg haben Leichtgewichte in der Regel einen entscheidenden Vorteil – weniger Kilos bergauf zu bewegen, ist gleich schneller bei weniger Energieverbrauch. Gerade im Frühling mit den ersten warmen Sonnentagen möchten Rennradfahrer und Triathleten ihre Radleistung schnell wieder steigern und zugleich die überschüssigen Pfunde des Winters wieder reduzieren. Doch das ist oftmals kontraproduktiv und kann schnell mal in die Sackgasse führen: In harten Trainingseinheiten verbrauchst du zwischen 800 bis 1200 Kalorien pro Stunde, je nach Bealstungsart. Dein Körper kann allerdings nur zwischen 1500 und 1800 Kcal in den Muskeln und der Leber speichern, abhängig von Körpergröße, dem Alter und Trainingsalter, sowie dem Geschlecht. Wenn du nun also zu wenig isst, dann wirst du mit deinem Verbrauch im regulären Training ziemlich bald an deine Grenzen stossen. Wenn du dann noch parallel deine Radleistung steigern möchtest, wirst schneller als du denkst „an die Wand fahren“. Körperlich und auch geistig wird es demotivierend auf Dauer im Unterzucker zu trainieren.
 
Natürlich kann es durchaus hilfreich sein, deine aufgenommenen Kohlenhydrate und Kalorien stets grob abzuschätzen. Auch für das Training der Grundlagenausdauer und dem Fettstoffwechseltraining braucht es Kohlenhydrate. Auch bei einem gut trainierten Fettstoffwechsel verbrennst du besser Fett mit Kohlenhydraten an Bord und betreibst zudem keinen Raubbau an deiner Muskulatur. Um nun parallel durch intensivere Einheiten deine Leistung zu steigern, musst du das richtige Mass an gefüllten Glykogenspeichern finden und welche Art der Kohlenhydratzufuhr für dich die Optimalste ist. Das ist individuell und höchst komplex, schließlich ist unser Körper biologisch organisch und kann Automobil.
 
Eine optimale Lösung steckt in der Art der richtigen Nährstoffe vor, während und nach dem Training, die Aufnahmen zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge. Eine normale Portion hochwertiger Kohlenhydrate zusammen mit eiweissreichen Nahrungsmitteln, wie Reis oder Haferflocken solltest du zwei bis drei Stunden vor einem intensivem Training essen. Während des Trainings kannst du rechtzeitig zu Bananen oder Energieriegel greifen, aber nicht erst, wenn der Hunger kommt. In den ersten 30 bis 60 Minuten nach dem Training sind grundsätzlich natürliche Eiweissquellen in Form von mageren Milchprodukten, wie Magerquark oder Nüssen, sowie Fisch und Hülsenfrüchte mit Obst und Gemüse ideal. Es gilt dabei stets, je natürlicher die Nahrungsmittel sind, umso besser. Meine Philosophie: „Echt ist besser!“ https://dev.sugarandpain.deecht-isst-besser-der-mehrwert-natuerlicher-nahrungsmittel-im-sport/
 
 

IRONMAN VICHY 2017 Die Fotostory / Links, rechts oder gerade aus, wo geht's nach Haus? © Stefan Drexl
IRONMAN VICHY 2017 Die Fotostory / Links, rechts oder gerade aus, wo geht’s nach Haus? © Stefan Drexl

SCHNELLER DURCH DIE KURVE MIT GUTER FAHRTECHNIK

Eine Ursache langsamerer Geschwindigkeiten und eines erhöhten Energieverbrauchs ist oft auch eine schlechte Fahrtechnik auf dem Rennrad. Und das trotz meist guter körperlicher Fitness – besonders am Berg und in Kurven. Bergauf richtig zu schalten und Abfahrt mit einer guten Kurventechnik zu meistern, können so manches Leistungsdefizit wettmachen. Die richtige Fahrtechnik solltest du deshalb regelmäßig üben.
 
Wenn du ein eher mäßiger Bergfahrer bist, dann solltest du öfter Berge fahren, um richtiges Schalten zu üben und die effektivste Trittfrequenz herauszufinden. Suche dir einen geeigneten Berg an dem es etwa zehn Minuten bergauf geht und fahre ihn drei bis vier Mal. Wenn’s hoch geht, geht’s natürlich auch wieder runter. Denn selben Berg kannst du gelichzeitig für dein Abfahrtstraining nutzen. In der Abfahrt kann man viel Zeit verlieren, aber auch wieder einiges gut machen – vorausgesetzt, sie können Kurven richtig fahren. Viele Etappen der Tour de France werden bergab entschieden.
 
Das kurveninnere Pedal solltest du stets oben halten und auf dem Äusseren durch entsprechenden Gegendruck die Kurvenlage variieren. Mach dich flach und greif den Lenker unten, so dass der Körperschwerpunkt möglichst tief und der Blick auf den Kurvenausgang gerichtet ist. Das Tempo passt du unbedingt vor Kurvenbeginn und hauptsächlich mit der Hinterradbremse an. Spätestens am Kurvenscheitel haben ihre Finger nichts mehr an den Bremshebeln zu suchen. Dadurch hast du in deinem nächsten Rennen ganz bestimmt mehr Druck auf den Pedalen und kannst in jeder Abfahrt zügig und elegant durch jede Kurve gleiten.
 
 

MEHR TIPPS FÜR MEHR DRUCK

SUGAR & PAIN SEASON OPENING RIDE 2018
Rock ’n’ Roll im Takt der Trittfrequenz
Ein Espresso ist Rennradkultur und macht Druck

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Stefan Drexl

Das Zugseil-Training ist eine sehr gute Alternative für die Verbesserung deiner Kraultechnik und Kraftausdauer im Kraulschwimmen an Land. Aus welchem Grund auch immer kannst du wieder einmal nicht dein Schwimmtraining im Schwimmbad absolvieren, und das ausgerechnet dann, wenn es auf dem Trainingsplan steht und besonders wichtig. Sei es, dass du auf Reisen bist und in unmittelbarer Nähe einfach kein Pool ist oder der nicht mehr geöffnet hat. Auch eine Verletzung oder Krankheit können das Schwimmtraining verhindern und dann ist Improvisation und Kreativität gefragt. Wie ihr richtig mit dem Zugseil trainiert um euch im Kraulschwimmen zu verbessern, erfahrt ihr in unserem Video.

Das alternative Schwimmtraining mit dem Zugseil unterstützt dich einerseits die schwimmspezifische Muskulatur zu erhalten und die neuromuskuläre Koordination zu stärken um so deine Kraultechnik fokussiert zu verbessern. Die ersten Trainingseinheiten solltest du langsam und sehr kontrolliert ausführen bis die Bewegungsabläufe sitzen. Es braucht etwas Geduld bis sich die Muskulatur, insbesondere die stabilisierende Rumpfmuskulatur an die Körperhaltung anpasst. Du merkst schnell, wo du mehr gegenhalten musst, um nicht auszuweichen. Dies sind dann jene Bereiche, die im Wasser bislang von der optimalen Wasserlage ausbrechen und für erhöhten Wasserwiderstand sorgen. Nur dass du es im Wasser nicht spürst.

Das bedeutet natürlich im Umkehrschluss, wenn du während des Zugseil-Trainings an Land und bei korrekter Ausführung der Übungen, wie des Kraularmzugs, ohne Mühe Haltung bewahrst, dass dies zumindest im Wasser auch möglich sein sollte. Warum sollte? Ich habe schon manch ein Stabilitätswunder an Land gesehen, der aufgrund fehlender Koordination wie ein Aal durch das Wasser geschlängelt ist. Denn für den komplexen Bewegungsablauf des Kraulschwimmens müssen im Wasser auch noch der Beinschlag und die Atmung integriert werden.

RICHTIG ZUGSEIL-TRAINING FÜR PRÄVENTION

Kraulschwimmen ist aufgrund der Kombination von Beinschlag, Kraularmzug, Atmung eben koordinativ sehr anspruchsvoll. Die Kraultechnik hat 80% Einfluss auf deine Schwimmleistung und eine korrekte Ausführung vermeidet nicht nur Überlastungen der Wirbelsäule Gelenke und Muskulatur, Bänder und Sehnen, sonden reduziert somit auch den Wasserwiderstand und somit deinen Energieverbrauch. Durch das Trockentraining mit einem Zugseil kannst den komplexen Bewegungsablauf an Land in seinen einzelnen Phasen kontrolliert trainieren und das richtige Zugmuster etablieren. Vorausgesetzt du kennst den richtigen Bewegungsablauf.

Ganz ohne Kraft geht’s natürlich auch nicht. Kraulschwimmen ist eine hundertprozent dynamische Sportart und so hat neben der Grundlagenausdauer auch die Kraftausdauer eine ganz besondere Bedeutung. Für den Vortrieb ist somit stets die stabilisierende und die schwimmspezifische Muskulatur zu trainieren, um den Widerstand des Wassers zu überwinden. Die individuelle Kraftausdauerfähigkeit ist massgebend für den Erhalt einer konstanten Schwimmgeschwindigkeit nach der Beschleunigungsphase am Start. Das Training mit dem Zugseil ist für die Entwicklung deiner allgemeinen und spezifischen Kraftausdauer geradezu eine perfekte Ergänzung und schafft Möglichkeiten des schwimmspezifischen Krafttrainings, die im Wasser kaum trainierbar sind.

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ABWECHSLUNG UND MEHR SPASS DURCH ZUGSEIL-TRAINING

Regelmässig 20-40 Minuten Training am Zugseil werden deine Kraultechnik und Schwimmleistung merklich verbessern ohne dafür im Wasser gewesen zu sein. Das Training mit dem Zugseil kann darum temporär ein Ersatz für das Schwimmtraining im Wasser bilden. Es kann für die Verbesserung deines schwimmspezifischen Zugmusters und der Muskelkraft, sowie für das Erwärmen vor dem Schwimmtraining und Wettkampf eingesetzt werden. Dein Schwimmtraining gänzlich ersetzen kann es allerdings nicht.

Wenn du erstmals mit dem Zugseiltraining beginnst solltest du einen geringen Widerstand wählen. Das kannst du entweder über die Seillänge mancher Zugseile oder verschiedener Zugseilstärken steuern. Das Zugseil solltest du stets mittig in Verlängerung der Körperlängsachse, sowie mindestens auf Bauchhöhe und maximal auf Kopfhöhe vor dir befestigen. So kannst Du stets mit stabiler, vorgebeugter und rückenschonender Körperhaltung eine korrekte Ausführung des Kraularmzugs gewährleisten. Denkbar wäre ebenso einige Zugseilübungen auf einer schmalen Bank liegend zu trainieren – das kann übrigens sowohl auf dem Bauch als auch auf dem Rücken sein. Die Übungen im Stehen machst Du bitte stets im stabilen hüftbreiten Stand mit leicht gebeugten Kniegelenken und oder Ausfallschritt.

Vor dem Zugseiltraining solltest Du dich immer erst erwärmen. Optimal sind 15-20 Minuten auf dem Ergometer zu pedallieren und anschliessend Seil zu springen oder Burpees sind gute Übungen um Kreislauf und Muskulatur zu aktivieren. Starte dein Zugseiltraining mit symmetrischen Übungen, wie Doppelarmzügen, steigere dich von leichten zu hartem Widerstand und von einfachen zu komplexen, wechselseitigen Übungen. Für jede einzelne Übung machst Du mehrere Serien mit einer bestimmten Anzahl an Wiederholungen oder einer festgelegten Dauer. Berücksichtigst du diese Hinweise, kannst Du von einem Zugseil-Training besonders profitieren, hast eine optimale Alternative und Abwechslung zum Schwimmtraining für Zeiten ohne Wasser und länger mehr Spass.

DAS SOLLTEST DU FÜR ZUGSEIL-TRAINING BEACHTEN

  • Stand schulterbreit oder Ausfallschritt
  • Stabile, nach vorne gebeugte rückenschonende Körperposition
  • Offene Handhaltung bevorzugen, Finger leicht gespreizt (Faust nur wenn erforderlich)
  • Handgelenk stabilisieren
  • Gerade Kopfhaltung in Langsachse
  • Optimal Erwärmen vor Beginn
  • Zugseil mittig in Verlängerung der Körperlängsachse befestigen
  • Widerstand: leicht < hart
  • Übungen: simpel < komplex
  • Steigerung: symmetrisch < wechselseitig
  • Bewegungsausführung: kontrolliert
  • Schwerpunkt: korrekte Zugtechnik
SWIMINAR HOW TO Zugseil-Training für Kraulschwimmen besser richtig #01 / Doppelarmzug frontal © sugarandpain.de
SWIMINAR HOW TO Zugseil-Training für Kraulschwimmen besser richtig #01 / Doppelarmzug frontal © sugarandpain.de

DIE VIER KRAULARMZUG PHASEN

1. Eintauchphase (strömungsgünstig / widerstandsarm)

  • schulterbreit in Schwimmrichtung eintauchen
  • erste die Hand, dann der Unterarm und dann taucht (schlupft) der ganze Arm hindurch
  • Streckung in Achse von Schulter, Ellenbogen, Handgelenk, ca. 15° nach vorne unten geneigt
  • Streckung des gesamten Körpers in Schwimmrichtung

2. Zugphase (Wasserfassen – Catch)

  • erst das Handgelenk leicht nach unten innen beugen
  • Beugung des Ellbogen mit Innenrotation Oberarm und Aussenrotation Unterarm, beschleunigen
  • Schulter und Ellbogen hoch und vorhalten bis Unterarm und Hand ca. 90° gebeugt

3. Druckphase (Actio = Reactio)

  • verankern der Hand und Ellbogen in Bewegungsachse (Korridor), Schulter oben halten für optimalem Hebel
  • Spannung in Rumpfmuskulatur halten, leichte Körperrotation auf passive Seite, Arm nach hinten drücken
  • Unterarmfläche und Handfläche längst möglich senkrecht gehalten nach hinten drücken
  • Streckung des Armes bis zur Hüfte, Handgelenk zuletzt, Schulter nicht zu früh nach oben heben

4. Entlastungsphase (Überwasserphase)

  • Schulter heben (Rotation), Ellbogen entspannt beugen, Hand aus dem Wasser (wie Hosentasche) ziehen
  • 30-45° Seitenlage Arm entspannt mit hohem Ellbogen nach vorne schwingen
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Mit unserer DIY-Anleitung von SUGAR & PAIN könnt Ihr jetzt ganz leicht ein Zugseil für das Trockentraining der Kraultechnik selbst machen. Du hast keine Zeit oder kein Wasser in der Nähe für Schwimmtraining und brauchst genau jetzt ein Zugseil für dein Kraftausdauer- und Techniktraining an Land? Oder Dein Zugseil ist unauffindbar oder der Händler deines Vertrauens hat keines mehr auf Lager? Kein Problem: Mit wenigen Handgriffen und Material könnt Ihr euch im Hand umdrehen selbst ein Zugseil basteln. Wir zeigen Euch in diesem Video, wie es geht!

DAS BRAUCHT’S UM EIN ZUGSEIL SELBST ZU MACHEN

2 Schwimm-Paddles
2 Rennradschläuche
1 Stück Seil Länge 40 cm / Ø 0,5 cm
1 Karabiner
1 Schere

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SO MACHST DU EIN ZUGSEIL SELBST

  1. die zwei Rennradschläuche schneidest Du mit der Schere jeweils links und rechts neben den Ventilen auseinander, so dass die Ventile entfernt sind
  2. jeweils nur an einem Ende jedes Schlauchs den Schlauch 20-30 cm mittig mit der Schere einschneiden (schlitzen), so dass sich zwei Enden ergeben
  3. den Beginn des Schlitzes einmal verknoten, so dass der Schlauch nicht weiter einreissen kann
  4. die beiden geschlitzten Schlauchenden mittig durch die äussersten Löcher deines Paddles von oben fädeln und auf der Unterseite verknoten. Falls keine Löcher vorhanden vorsichtig mit einem 8 mm Bohrer etwa 1 cm vom Rand jeweils links und rechts ein Loch bohren. Du kannst es dennoch im Wasser problemlos verwenden.
  5. das andere Ende von jedem Schlauch knotest Du zu einer kleinen Schlaufe
  6. Du nimmst das Seil und machst mit einem Doppelknoten eine Schlaufe
  7. die Seilschlaufe fädelst du durch die beiden Endschlaufen der Rennradschläuch und verbindest beide Enden der Seilschlaufe mit dem Karabiner, so dass alles fest miteinander verbunden ist
  8. FERTIG IST DEIN SELBST GEMACHTES ZUGSEIL!
SUGAR & PAIN DIY SWIM STRETCH CORD Anleitung Zugseil selbst machen STARTKLAR © sugarandpain.de
SUGAR & PAIN DIY SWIM STRETCH CORD Anleitung Zugseil selbst machen STARTKLAR © sugarandpain.de

Jetzt brauchst Du dein selbst gemachtes Zugseil nur noch mit dem Karabiner sicher an einem festen Gegenstand einhängen und schon kannst Du mit deinem Trockentraining für Kraftausdauer und Kraultechnik starten.

Wie Du die Übungen für dein Training mit dem Zugseil an Land richtig ausführst, erfährst Du in unserem nächsten Blogbeitrag mit Video.

Übrigens: Du kannst auch ein TheraBand® anstelle der alten Fahrradschläche für ein Zugseil verwenden.

Falls Du dir ein hochwertiges Zugseil kaufen möchtest, dann empfehle ich Dir die Zugseile von StretchCordz® mit mittlerer Stärke.

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Es ist die Königin der Passstraßen und zählt zu den schönsten Anstiegen in den Alpen, das Stilfser Joch. Nach dem Col de l’Iseran in Frankreich ist das Stilfser Joch im italienischen Südtirol der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass der Alpen. Der Passo dello Stelvio verbindet das Städtchen Bormio im Veltlin und die Lombardei mit Prad im Vinschgau, Südtirol. Jedes Jahr zieht dieser Gebirgspass Radsportler aus ganz Europa wie magisch an. Es sind die in den Fels gemeisselten 48 Kehren der Ostrampe über 1835 Höhenmeter und die fantastische Aussicht, weshalb der Ritt auf das Stilfser Joch bei vielen Rennradfahrern beinahe schon ein Mythos ist.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt Anstieg zum Ofenpass © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt Anstieg zum Ofenpass © stefandrexl.de

In der Vorbereitung auf ein großes Ziel, zur Verbesserung der Kraftausdauer oder einfach nur der bezaubernden Landschaft wegen, ist für mich die Fahrt mit dem Rennrad auf das Stilfser Joch neben einem sehr guten physiologischen, besonders auch ein psychologisches Training und großartiger Gebirgspass. Lange steht er auf meinem Plan und viele Anläufe hatte ich in den vergangenen Wochen unternommen das Dach der Zentralalpen wieder einmal zu überqueren. Aber stets kam das Wetter anders als vorhergesagt oder das perfekte Wetter passte nicht in meine aktuelle Trainingsplanung oder den beruflichen Alltag. Mit Blick auf mein Highlight der Saison 2016 schloss sich das Zeitfenster allerdings immer weiter, um den Passo dello Stelvio somit noch in meine Vorbereitung und das Radtraining integrieren zu können. Die letzte Möglichkeit für solche eine harte, lange Radeinheit schien mit einer guten Wettervorhersage für die nächsten Tage dann endlich zu passen. Auch wenn es jetzt nur zu einem Tagesausflug ins schöne Vitschgau, Südtirol reichen sollte.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt Eine Stunde und dreißig Minuten zur Passhöhe des Ofenpass © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
Eine Stunde und dreißig Minuten zur Passhöhe des Ofenpass © stefandrexl.de



Für’s Warm-Up auf den Ofenpass

Um fünf Uhr morgens für ich also von München über Garmisch, den Fernpass und den Reschenpass nach Glurns (ital.: Gluorn) am Fuße des Ofenpass (ital.: Pass dal Fuorn). Mein Plan war eine Tour von Glurns über den Ofenpass nach Livigno und weiter über den Passo Tonale nach Bormio zu machen. Von dort wollte ich über die Westrampe den Passo dello Stelvio überqueren und über Prad (ital.: Prato allo Stelvio) zurück nach Glurns fahren. Also habe ich das Auto in Glurns geparkt, mich umgezogen und das Rennrad präpariert, um mich Punkt 9:30 Uhr auf den Sattel zu schwingen. Kein Warm-Up, kein Einrollen, denn schon nach zwei Kilometern begann der Anstieg auf den Ofenpass über den Grenzort Münstair und Santa Maria. Unproblematisch liessen mich die schweizer Beamten die Grenze passieren und die Sonne scheinte wärmend durch ein paar dicken Wolken in das Münstair Tal.

Nach Santa Maria, wo es noch die Variante über den Umbrail Pass auf’s Stilfser Joch gäbe, wurde es dann ernst und die Steigung aus dem retoromanischen Dörfchen nahm spürbar zu, während der Verkehr weniger wurde. Es gibt kaum Kehren auf dem ersten Streckenabschnitt, dafür immer wieder harte Rampen mit bis zu 16%. Das letzte Drittel des Ofenpass windet sich durch Kieferwälder und schließlich kargem Fels oberhalb der Baumgrenze. Die Sonne und wenigen Lücken mit blauem Himmel haben sind dunklen Wolken gewichen und ein frischer Wind weht aus dem Engadin. Als ich auf der 2149 Meter hohen Passhöhe des Ofenpass angekommen bin und glücklich über die erste Hürde des Tages war, spürte iche erste Tropfen und von Westen kam mir ein Wetterumschwung mit kaltem Wind und einer Regenfront entgegen. Alles andere als vom Wetterbericht vorhergesagt und was ich jetzt sehen wollte. Und es kam schneller als erwartet, so dass ich gar nicht erst in Erwägung ziehen konnte, eventuell doch noch die Punt dal Gall und den Tunnel nach Livigno trocken zu erreichen.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / Unerwarteter Wetterumschschwung Ofenpass © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ Unerwarteter Wetterumschschwung Ofenpass © stefandrexl.de

Na dann, meine Gore Jacke und Ärmlinge angezogen und wieder den selben Weg zurück. Etwas depremierend war das durchaus nach nur 26 Kilometern wieder umzukehren. Aber es ist wie’s ist, Rennradfahren bleibt eben eine Outdoor-Sportart und wir abhängig von Wind und Wetter – zum Glück. In Santa Maria habe ich noch kurz die Variante über den Umbrail Pass überlegt, aber der Regen war schneller und mittlerweile auch alle Gipfel in dicken Wolken.



Der Umbrail Pass – eine kurze knackige Alternative

Von Kletterkönig120 – Der Umbrailpass ist mit seinen 2503 m der höchste Schweizer Pass und verbindet das Val Mustair mit dem Val Braulio. Die Passhöhe liegt nur rund einen halben Kilometer von der Südwestauffahrt zum Stilfser Joch entfernt, so dass es keine wirkliche eigenständige Auffahrt von der Südseite gibt.

Das Passschild steht zwischen der Schweizer Zollstation und der Cantoniera IV an der Stilfser-Joch-Passstraße. Unmittelbar vor der Zollstation befindet sich auch ein Gasthaus, welches zumindest im September 2008 geöffnet hatte. Auf der Passhöhe wird anhand einiger Informationstafeln zu den Vorgängen im Dreiländereck Schweiz–Österreich–Italien während des Ersten Weltkriegs erläutert, als die Italienischen Truppenverbände versuchten, die Österreicher aus Südtirol, hier insbesondere vom strategisch wichtigen Reschenpass und aus dem Vinschgau zu verdrängen. Die unmittelbare Nähe zu den beiden Kriegsparteien machte auch eine militärische Präsenz der Schweizer Armee auf dem Umbrailpass notwendig.

Durch die Nähe zum Stilfser Joch fristet der Umbrailpass eher ein Schattendasein, dass er eigentlich gar nicht verdient hat. Wer sich jedoch an eine Befahrung des Umbrail wagt, wird vor allem die Abgeschiedenheit des Val Muraunza schätzen, während nur wenige Kilometer entfernt am Stilfser Joch fast täglich großer Trubel herrscht.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / Cappuccino in Glurns in der Regenpause © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ Cappuccino in Glurns in der Regenpause © stefandrexl.de



Historische Mittagspause mit Lichtblick

Ich bin also wieder den kompletten Ofenpass hinunter nach Glurns gefahren, habe alles ins Auto gepackt und mir im Caffe Pasticceria Riedl mit Cappuccino und Apfelstrudel ausgiebig Mittagspause gemacht bis der Regen vorüber war. Glurns am Fuße des Reschenpass ist ein rätoromanisches Städtchen und bereits in der Römerzeit war es, durch die Lage an der Via Claudia Augusta ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und Handelsweg zur nahen Schweiz. Hier kann man durchaus ein paar Stunden spazieren und historische Eckchen, wie die Gerbergasse entdecken.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / Das Gerberviertel des rätoromanischen Städtchens Glurns © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ Das Gerberviertel des rätoromanischen Städtchens Glurns © stefandrexl.de

Der Himmel lichtete sich langsam und ich bin in die nächste Ortschaft nach Prad (ital. Prato) gefahren. Von dort beginnt der Aufstieg über die Ostrampe auf’s Stilfser Joch und man hat sogar direkte Sicht auf den 2758 Meter hochgelegenen Passo dello Stelvio. Und mein Blick hinauf zur Passhöhe jetzt war frei von Wolken und die Sonne strahlte die Gipfel wieder an. Ich parkte sofort mein Auto, habe mich erneut in die komplette Radmontur geschmissen und zügig auf mein Aeroad geschwungen. Es war 15 Uhr und erneut gab es kein Einrollen, denn bereits in Prad steigt die Passstraße auf den ersten 3 km mit 3 % leicht an. Doch dank nach der ersten Trainingseinheit am Vormittag und der ausgedehnten Mittagspause sind die Beine jetzt locker und der Tritt runder.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / Schon in Prad beginnt der Anstie zum Stilfser Joch © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ Schon in Prad beginnt der Anstie zum Stilfser Joch © stefandrexl.de



Von Bergriesen und buckelnden Zwerg im Trafoital

Die Straße läuft anfangs entlang des Rio Solda, einem Nebenfluss der Etsch (ital.: Adige) und führt dann weiter ins Trafoital. Das tiefblaue Wasser raucht das Tal hinab und sein tosendes Geräusch begleitet mich auf den ersten 4 km bis zur Abzweigung Sulden. Doch dann wird es spürbar steiler und die nächsten 3 km werden mit 7% Steigung bewältigt. Nach 8,5 km und zwei langen Galerien erreiche ich die ersten zwei von 48 Kehren. Alles easy, denn 400 Höhenmeter sind schon absolviert und 1400 warten noch auf mich.

2 Kilometer führt die Straße fast gerade weiter bergan, nur durch leichte Kurven unterbrochen. Dabei überquere ich zwei mal den Rio Solda und es gibt kaum Ausblicke in dem engen Tal. Kurz einmal tauchen zwar die Bergspitzen der Ortlergruppe auf und dann geht’s auch schon, vorbei an einer Jugendherberge und einem Hotel zur Rechten, durch das übersichtliche Örtchen Trafoi. Das liegt bereits auf 1500 Meter und die Passstrasse steigt einigermaßen konstant mit 7 % an. Das Tal öffnet sich jetzt und gibt den wunderbaren Blick frei auf die schneebedeckten Bergriesen direkt vor mir, was einen sofort zum sich buckelnden Zwerg werden und jegliche Quälerei vergessen lässt.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / Immer steiler wird die Passstrasse ins Trafoital © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ Immer steiler wird die Passstrasse ins Trafoital © stefandrexl.de

Bei Kilometer 10,5 steuert man direkt auf das imposante am Hotel Bella Vista“ und kurz davor nach rechts in die nächste Doppelkurve. Man macht dadurch schnell Höhenmeter und ist dann hoch über Trafoi. Etwa einen Kilometer fahre ich ohne Kurven und relativ flach weiter, der Tacho kletter tatsächlich noch einmal über 25 km/h, aber dann geht’s ungebremst in die kurven- und kehrenreichsten Bergauffahrt der Alpen hinein. Zwar ist die Hälfte fast schon geschafft, aber jetzt liegen noch 12,5 km, 1050 hm und 44 Kehren vor mir zum verspeisen.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / Imposanter Anblick des Ortlermassivs © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ Imposanter Anblick des Ortlermassivs © stefandrexl.de



Ausblick, Steigung und die Höhe sind atemberaubend

Je höhe desto spektakulärer sind die Rampen und ihre Kehren in den Fels gemeißelt. Erst steigt die Strasse über 12 Kehren durch einen bewaldeten Berghang hinauf und schwenkt dann nach rechts in ein Seitental ein. Es folgt ein relativ gerader Kilometer, der Wald lichtet sich und weicht Bergkiefern, sogenannten Latschen. Mit weiteren 4 Kehren sind die 2000 Höhenmeter geknackt und sieht jetzt die unzähligen Kurven in die Ostflanke des Passo Stelvio gezeichnet, aber noch lange kein Ende in Sicht. Einen ersten Blick auf die Passhöhe bekomme ich erstmals nach dem Hotel Franzenshöhe. Was ich da im Hintergrund sehe ist kaum vorstellbar. Ich hatte mit dem Anstieg von Prad zwar bereits 1200 Höhenmeter in den Beinen, aber dann diese fast unrealistsch wirkende Wand. Doch die Ausblicke wurden mit jeder Kehre und jedem Richtungswechsel auf das Ortlermassiv atemberaubender aber auch die Höhe erschwerte mir die Atmung.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / 48 Kehren hinauf zum Stilfser Joch © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ 48 Kehren hinauf zum Stilfser Joch © stefandrexl.de

Die Schilder in den Kehren mit ihrer rückwärtszählenden Nummerierung sind einerseits Motivation und andererseits führen sie mir stets vor Augen, wie viele Kurven, Höhenmeter und Kilometer noch vor mir liegen – das obwohl ich doch schon so viel hinter mir lassen konnte. Sie sind ähnlich der Auffahrtsschilder in den Pyrenäen, Darauf stehen vor jedem kommenden Kilometer auch die zu überwindenden Höhenmeter. Ich habe noch 24 Kehren bergauf zu strampeln und das ist immerhin die Hälfte der Kehren. Kilometer und Höhenmeter sind es allerdings schon erheblich mehr als die Hälfte.



Zum Final die Passhöhe des Stilfser Joch stets fokusiert

Leichter wird’s beim Anblick der Steilwand und des Talkessels mit der vor mir in den Berg gezeichneten Passstraße allerdings auch nicht. Mit Kehre 20 erreiche ich die 2400 Höhenmeter und habe die letzte längere Gerade hinter mir gelassen. Im Schatten ist es bereits spürbar kühler und von der Passhöhe weht ein frischer Wind hinab, aber solange man in die Pedale tritt, ist es angenehm. Die verbleibenden Serpentinen sind mit relativ kurzen und sehr steilen Rampen gepickt, aber die Energie und Pedalkraft sind noch auf voller Leistung. Die Geschwindigkeit mit 12 – 15 km/h fühlt sich unheimlich langsam an und dennoch sammle ich immer wieder andere Rennradfahrer ein, die ich auch relativ zügig überhole.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / Gipfelglück am Stilfser Joch nach 1835 Höhenmeter mit dem Rennrad © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ Gipfelglück am Stilfser Joch nach 1835 Höhenmeter mit dem Rennrad © stefandrexl.de

Der Blick nach oben kann frustrieren oder motivieren. Ich sehe das sehr nüchtern und habe einen großen Spass am Alpenpässe fahren Wozu nach vorne schauen, wenn der Blick nach vorne, hier und jetzt bedeutend ist und die Aussicht nach links und rechts jede Anstrengung vergessen lässt. Die letzten 10 Kehren mit „nur“ noch 250 Höhenmeter sind angebrochen und mit jeder Linkskurve hat man das Ziel im Blick. Mit Kehre 5 hat man die letzten 100 Höhenmeter vor sich und fast schon intuitive wird mein Tritt stärker und das Tempo etwas höher. Obwohl die letzten Kilometer durchgängig 10 % Steigung hatten, schaltete ich auf den letzten 500 Metern für’s Finale noch einmal einen Gang höher und ging aus dem Sattel: Der Sturm auf den Gipfel.



Der Lohn: Der beste Cappuccino auf 2758 Meter

Nach fast zwei Stunden fahrt bergauf ist die Königin der Alpenpässe dann endlich geschafft und die Freude riesig. Es sind kaum noch Wolken, die Sonne strahlt und der Blick auf die zahlreichen Gipfel rundherum ist unglaublich schön. Der Lohn für die Mühe und wer hätte das, nach dem Tagesverlauf tatsächlich noch gedacht. Manchmal kommt es eben anders als man denkt. Obligatorisch gibt’s jetzt einen Cappuccino. Ich gehe ins Caffe Perego und ort gibt’s zudem einen fantastischen südtiroler Apfelstrudel, selbstgemacht. Der Cappuccino am Passo dello Stelvio auf 2758 Höhenmeter ist sensationell lecker und besser als unten im Tal. Alleine dafür hat sich die Auffahrt gelohnt. Natürlich wäre mir der Anstieg von Bormio aus, mit der Tour über Livigno lieber gewesen, denn ich bevorzuge Rundkurse. Aber diese Variante kannte ich schon und kann ich das nächste Mal bei besserem Wetter fahren.

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt / Ein Denkmal für einen der größten italienischen Radfahrer der Vergangenheit: Fausto Coppi © stefandrexl.de

DAS STILFSER JOCH 48 Kehren in Fels gemeisselt
/ Ein Denkmal für einen der größten italienischen Radfahrer der Vergangenheit: Fausto Coppi © stefandrexl.de

Die Pause am Stilfser Joch fällt kurz aus, denn etwa eine Stunde muss man für die Abfahrt einplanen und es ist bereits 18 Uhr. Der Vorteil ist, dass um diese Uhrzeit kaum noch Fahrzeuge unterwegs sind und man dank des guten Überblicks, die Kehren schwungvoll ausfahren kann. Ebenso ist mittlerweile die Strecke abgetrocknet und ich kann es auch im Wald ordentlich rollen lassen. Zurück in Prad sind’s nicht mehr die Beine die brennen, sondern die Unterarme vom Bremsen. Es war wunderbar und ich kann euch das Stilfser Joch, ganz egal von welcher Seite nur empfehlen. Ich kenne jetzt alle drei Varianten.



INFORMATION

Tour: Stilfser Joch (ital.: Passo del Stelvio)
Arbeitsgerät: Rennrad Canyon Aeroad CF
Übersetzung: 39 – 54 / 11 – 25
Start: Prato (Prad), Südtitol, Italien
Ziel: Passo del Stelvio
Variante: Trafoital, Ostrampe
Streckenlänge: 26,4 km
Passhöhe: 2758 m (über NN)
Höhendifferenz: 1835 m
Steigungsrate: ø 7,9 %
Steigung: max 13 %



VIDEO

Das Video zeigt eindrucksvoll womit wir es am Passo dello Stelvio zu tun bekommen.
Mark Colly mit seinem Ritt auf’s Stilfser Joch



HELFENDE LINKS

Der Ofenpass
Das Stilfser Joch
Der Umbrail Pass
Glurns am Ofenpass
Prad am Stilfser Joch