TRAINING Die Bedeutung der Akklimatisation im Triathlon
Akklimatisation spielt im Triathlon eine zentrale Rolle, insbesondere angesichts der extremen körperlichen Anforderungen und der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, denen sich die Athletinnen und Athleten oft gegenübersehen. Da der Triathlon in verschiedenen Umgebungen und Klimazonen stattfindet – von heißen, feuchten Tropenregionen bis zu kalten, windigen Küsten – ist die Fähigkeit des menschlichen Körpers, sich an diese Umstände anzupassen, von entscheidender Bedeutung für die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Athleten. Der Beitrag befasst sich mit der Bedeutung der Klimaanpassung im Triathlon sowie den daraus resultierenden physiologischen, taktischen und gesundheitlichen Auswirkungen, die mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen einhergehen.
Unter Akklimatisation wird der physiologische Anpassungsprozess des menschlichen Körpers an veränderte Umweltbedingungen, insbesondere an neue klimatische Gegebenheiten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Höhe oder andere Umweltfaktoren, verstanden. Der Prozess der Akklimatisation ermöglicht dem menschlichen Körper, effizienter mit den neuen Umweltbedingungen umzugehen. Dadurch werden Stress sowie negative Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit reduziert.
Ein exemplarisches Beispiel ist die Adaption an Hitze und Luftfeuchtigkeit, wie unter anderem beim IRONMAN Hawaii erforderlich: Der Organismus optimiert die Fähigkeit der Thermoregulation. Durch Akklimatisation optimiert der menschliche Organismus seine Regulationsfähigkeit hinsichtlich der Körperkerntemperatur. Bei intensiven Belastungen in der Hitze erlangt der menschliche Körper die Fähigkeit, effizienter zu schwitzen und den Blutfluss zur Haut zu optimieren, wodurch eine verbesserte Kühlung gewährleistet wird. Dies resultiert in einer Reduktion des Risikos für Hitzestress und Hyperthermie. Bei Kälte hingegen erlernt der Organismus die Speicherung von Wärme und eine Reduktion der Durchblutung der Extremitäten.
Triathlon ist eine Ausdauersportart, welche mit Schwimmen, Radfahren und Laufen gleich drei elementare Disziplinen des Ausdauersports umfasst. Die drei Disziplinen werden von Athletinnen und Athleten ohne Unterbrechung absolviert, was hohe körperliche und mentale Anforderungen mit sich bringt. Neben der Beherrschung der sportartspezifischen Techniken und der Optimierung der körperlichen Leistungsfähigkeit stellt die Anpassung an verschiedene Umweltbedingungen, insbesondere an das Klima, einen entscheidenden Faktor für den Erfolg im Triathlon dar.

1. Wie wirkt sich das Klima auf die Leistung im Triathlon aus?
Das Klima wirkt sich auf verschiedene Weise auf die Leistungsfähigkeit von Triathletinnen und Triathleten aus. Die wesentlichen Faktoren, welche die körperliche Beanspruchung erhöhen und sich direkt auf die Leistung auswirken können, sind die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, die Windverhältnisse sowie die Sonneneinstrahlung.
Der Prozess der vollständigen Akklimatisierung variiert in Abhängigkeit von der individuellen Fitness sowie den spezifischen klimatischen Bedingungen und erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Tagen bis zu Wochen. So kann beispielsweise eine Akklimatisierung an heißes Wetter durch gezieltes Training in der Hitze eine Erhöhung der Schweißrate und eine Verringerung der Elektrolytverluste bewirken, wodurch das Risiko einer Dehydrierung und eines Hitzeschlags reduziert wird.

1.1 Temperatur
Die Temperatur stellt einen wesentlichen Faktor in der thermoregulatorischen Belastung der Athletinnen und Athleten dar. Ein Anstieg der Temperatur kann zu einer Hyperthermie führen, welche die sportliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. Der menschliche Organismus ist folglich gezwungen, Energie aufzuwenden, um die Kerntemperatur durch Schwitzen und eine gesteigerte Durchblutung der Haut zu regulieren. Dies hat jedoch eine Reduktion der verfügbaren Energie für die Muskulatur zur Folge.
Studien belegen, dass bereits eine moderat erhöhte Körperkerntemperatur zu einer signifikanten Abnahme der sportlichen Leistungsfähigkeit führt, da sowohl die kognitive als auch die muskuläre Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Gleichzeitig ist das Risiko von Hitzekrämpfen, Erschöpfung und Hitzschlag signifikant erhöht, insbesondere bei längeren Wettkämpfen wie einem Triathlon.
Demgegenüber stellen kalte Temperaturen andere Herausforderungen dar. Ein nicht adäquat auf Kälte vorbereiteter Körper kann einer Unterkühlung (Hypothermie) erliegen, was eine Reduktion der Leistungsfähigkeit sowie eine Erhöhung des Verletzungsrisikos zur Konsequenz hat. Dies resultiert in einer verminderten Effizienz der Muskelkontraktion sowie einer Beeinträchtigung der Bewegungskoordination.
1.2 Luftfeuchtigkeit
Die Luftfeuchtigkeit übt einen maßgeblichen Einfluss auf die Wärmeregulation des menschlichen Körpers aus. Eine hohe Luftfeuchtigkeit führt zu einer erschwerten Verdunstung des Schweißes, wodurch die Kühlfunktion des Körpers beeinträchtigt wird. In der Konsequenz besteht ein erhöhtes Risiko für eine Überhitzung, da die Körperwärme nicht adäquat abgeführt werden kann. In feuchtwarmen Klimazonen ist das Risiko einer Dehydrierung und eines Hitzestresses signifikant erhöht, da die Schweißproduktion gesteigert wird, ohne dass dies zu einer effektiven Kühlung führt.
In kalten Umgebungen hat eine niedrige Luftfeuchtigkeit andere Auswirkungen. Sie kann zu einer erhöhten Dehydrierung führen, da der Körper auch bei niedrigen Temperaturen Wasser über die Atemluft verliert. Zudem kann die trockene Luft die Atemwege reizen und das Atmen erschweren.
1.3 Wind
Die Einwirkung von Wind auf die Leistung im Triathlon kann sowohl förderliche als auch hinderliche Effekte nach sich ziehen. Die Unterstützung durch Rückenwind kann für Athletinnen und Athleten während des Radfahrens oder Laufens von Vorteil sein, da sie den Luftwiderstand reduziert. Gegenwind stellt jedoch eine erhebliche zusätzliche Belastung dar, insbesondere im Radfahren, wo der Luftwiderstand einen Großteil der Energie beansprucht.
Des Weiteren können starke Windböen das Gleichgewicht auf dem Fahrrad beeinträchtigen, was für die Athletinnen und Athleten eine zusätzliche mentale Herausforderung darstellt. Windige Bedingungen erschweren zudem das Schwimmen, insbesondere in offenen Gewässern. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Wellen und Strömungen die Schwimmtechnik und Orientierung behindern können.
1.4 Sonneneinstrahlung
Eine hohe Intensität der Sonneneinstrahlung führt zu einer erhöhten Wärmebelastung des Organismus, wodurch das Risiko für einen Sonnenbrand sowie für die Entwicklung von Hautschäden signifikant ansteigt. Die genannten äußeren Faktoren wirken sich zudem indirekt auf die Leistungsfähigkeit aus, da der menschliche Körper einen erhöhten Energieaufwand für den Schutz der Haut aufbringen muss, was sich in einer verstärkten Durchblutung der Haut und einer vermehrten Schweißproduktion äußert.
Anpassungsstrategien an klimatische Bedingungen im Triathlon
Um die Leistungsfähigkeit unter verschiedenen klimatischen Bedingungen zu optimieren, ist die Entwicklung gezielter Anpassungsstrategien durch Triathletinnen und Triathleten erforderlich. Dies umfasst sowohl präventive Maßnahmen als auch Strategien, die während des Wettkampfs zum Einsatz kommen.

2.1 Hydration und Elektrolytausgleich
Die Aufrechterhaltung eines optimalen Flüssigkeitshaushalts ist von entscheidender Bedeutung, um Dehydrierung und Elektrolytstörungen zu vermeiden. Insbesondere bei heißen und feuchten Bedingungen ist es für Triathlet*innen essenziell, eine ausgewogene Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten, welche neben Wasser auch Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Magnesium beinhaltet. Die Einhaltung eines gezielten Flüssigkeitsplans, welcher während des gesamten Wettkampfs konsequent befolgt wird, ist unabdingbar, um die Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
2.2 Adaption der Renntaktik
Im Rahmen einer effektiven Wettkampfvorbereitung ist es für Triathletinnen und Triathleten unerlässlich, die Renntaktik an die vorherrschenden klimatischen Bedingungen anzupassen. Bei extremen Wetterbedingungen ist eine Reduktion des Tempos zu empfehlen, um eine übermäßige Belastung des Organismus zu vermeiden und einer Überhitzung oder Dehydrierung vorzubeugen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die Verteilung der Energie auf die verschiedenen Disziplinen an das vorherrschende Klima anzupassen, um eine konstante Leistungsfähigkeit über die gesamte Renndauer zu gewährleisten.
Ein Athlet oder eine Athletin, der/die über eine entsprechende Akklimatisation verfügt, ist in der Lage, intensivere und längere Belastungen in einer als stressig wahrgenommenen Umwelt zu bewältigen. Diese Tatsache erlangt insbesondere im Triathlon eine hohe Relevanz, da die drei Disziplinen unterschiedliche körperliche Anforderungen an den Athleten stellen. Eine effektive Akklimatisation kann gewährleisten, dass die Leistung in einer Disziplin nicht beeinträchtigt wird, da der Körper nicht mit der Temperaturregulation beschäftigt ist.
2.3 Equipement und Kleidung
Die adäquate Wahl des Equipements und funktioneller Kleidung stellt einen wesentlichen Aspekt der Akklimatisation dar. In heißen Klimazonen kann leichte, atmungsaktive Kleidung dazu beitragen, die Körpertemperatur zu regulieren und die Schweißverdunstung zu erleichtern. Gleichzeitig ist auf einen adäquaten Sonnenschutz, wie beispielsweise UV-sichere Kleidung und Sonnencreme, zu achten. In kalten Umgebungen sind winddichte und wärmeisolierende Materialien erforderlich, um eine Unterkühlung zu verhindern.
2.4 Präventionsmaßnahmen und Gesundheitsrisiken
Die Akklimatisation ist nicht nur aus leistungsorientierter Sicht von Relevanz, sondern auch für die Gesundheit der Athletinnen und Athleten von großer Bedeutung. Eine unzureichende Anpassung an das Klima kann zu ernsten gesundheitlichen Risiken führen, darunter Überhitzung, Dehydrierung und Unterkühlung. Präventive Maßnahmen wie regelmäßige Gesundheitschecks, eine angepasste Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie das Monitoring der Körpertemperatur sind von entscheidender Bedeutung, um klimabedingten Gesundheitsgefahren entgegenzuwirken.
FAZIT
Die Adaption an klimatische Gegebenheiten stellt einen wesentlichen Faktor für die Leistungsfähigkeit und Gesundheit von Triathletinnen dar. Die Berücksichtigung unterschiedlicher klimatischer Einflussfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung ist von entscheidender Bedeutung, um eine optimale Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Dies erfordert die Entwicklung spezifischer Anpassungsstrategien, die darauf abzielen, die thermoregulatorische Belastung zu minimieren.
Die Akklimatisation, eine angemessene Hydration, die Verwendung adäquater Ausrüstung sowie taktische Anpassungen stellen dabei die wesentlichen Maßnahmen dar, um unter verschiedenen klimatischen Bedingungen erfolgreich zu sein und gesundheitliche Risiken zu minimieren. In zukünftigen Forschungsarbeiten sollte der Fokus auf den individuellen Anpassungsfähigkeiten von Athletinnen sowie der Optimierung von Klimastrategien im Triathlon liegen.
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BILDER
Klodian Mitri
Stefan Drexl











