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Bekanntlich kann eine Mitteldistanz und Langdistanz im Triathlon oder auch ein Marathon voller Überraschungen stecken, vor allem wenn’s um die richtige Wettkampfernaehrung geht. Das Wetter Temperaturen und Niederschlag haben sicher den größten Einfluss auf unsere Leistung, das können wir aber nicht beeinflussen. Aber auch andere Kleinigkeiten können große Auswirkungen haben: Die Schwimmbrille wird dir vom Kopf geschlagen, du fährst einen Platten oder läufst dir Blasen. Es ist aber auch möglich, dass du eine neue persönliche Bestzeit erreichst oder überraschend deine Altersklasse gewinnst. Dafür sollte vor allem deine Energieversorgung funktionieren. Für mehr Dampf mit dem richtigen Mampf haben wir einige essentielle Erfahrungen, handfestes Wissen und wichtige Tipps im unserem neuen Blog zusammengefasst.

Denkt man eine Langdistanz, so kreisen die Gedanken hauptsächlich um das viele Training, die drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen, und um den Tag X selbst: Der Wettkampftag! Doch um die vierte Disziplin, welche erst die Voraussetzungen schafft, um überhaupt Leistung erbringen zu können, darüber zerbrechen sich die wenigsten den Kopf. Und wenn, dann erst ein paar Tage zuvor. Derweil gibt es ohnehin schon einiges unvorhersehbares, was während des längsten Tages des Jahres so alles passieren könnte. Deshalb solltest auch du so wenig wie möglich am Wettkampftag dem Zufall überlassen, besonders nicht deine Ernährung während des Rennens. Diese ganz große und sehr individuelle Variable solltest du rechtzeitig in den Monaten zuvor planen und möglichst oft während des Trainings und in Vorbereitungswettkämpfen testen. Dein Körper ist schließlich dein größtes Kapital und wenn du ihn während der langen intensiven Belastung nicht richtig mit Nährstoffen und Energie versorgst, dann wird dir auch dein wochenlanges Training nicht viel helfen.

Ernährungsstrategie eine Frage des Geschmacks
Über die Ernährung im Triathlon und Marathon gibt es viel Wissen und Wahrheiten darüber, was am Besten für den Athleten ist. Aber auch es gibt noch viel mehr Halbwissen, Gerede und Mythen. In der Regel herrscht große Verwirrung über die Art, Mengen und den Zeitpunkt der richtigen Ernährung während des gesamten Wettkampftages. Und das natürlich zu recht: Es gibt einerseits eine unüberschaubare Anzahl an Herstellern und Produkten für Sporternährung deren Qualität, Preise und Verträglichkeiten sehr unterschiedlich sind. Befragst du andererseits einige erfahrene Ausdauersportler zu deren Wettkampfernaehrung, so wirst du ebenso viele verschiedene Antworten und erfolgreiche Rezepte bekommen. Denn eines solltest du wissen: Was bei einem Athleten gut funktioniert, wird nicht unbedingt bei dir gut funktionieren. Die Ernährung ist bereits im Alltag der Menschen sehr individuell, eine Frage des Geschmacks und der Verträglichkeit. Um so komplexer ist es deine persönliche Ernährung und Strategie herauszufinden, welche dir die beste Leistung am Wettkampftag ermöglicht.

Es ist daher hilfreich deine Ernährung am Wettkampftag auf drei Säule zu stellen, um dieses komplexe Thema übersichtlich zu gestalten und somit die beste Strategie für dein perfektes Rennen zu entwickeln.

DIE RICHTIGE WAHL DER ENERGIEQUELLE

Die Ernährung in der Woche vor dem Wettkampf ist natürlich ebenso bedeutend wie am Wettkampftag selbst. Wie das Tapering im Training werden auch die Qualität, Nährstoffe und Mengenverhältnisse deiner Ernährung individuell angepasst, um deine Kohlenhydratspeicher richtig zu füllen. Würdest du zum Beispiel stets mit vollen Kohlenhydratspeicher trainieren, dann hätte der Effekt des „Carbo Loading“ kaum eine Wirkung. Das wäre ähnlich, stets nur intensiv oder maximale Umfänge zu trainieren.

Sind die Kohlenhydratspeicher einmal voll, dann ist in Muskeln und Leber genügend Energie, so dass du für eine Dauer von 60 – 90 Minuten ordentlich im Wettkampftempo feuern kannst. Währenddessen greift der Körper sowohl auf Kohlenhydrate als auch auf Fett zur Energiegewinnung zurück. Weil deine Kohlenhydratspeicher allerdings begrenzt sind, ist es während eines Rennens erforderlich regelmäßig leicht verdauliche Kohlenhydrate (CHO) zu dir zu nehmen, um deine Kohlenhydratspeicher nicht vollständig aufzubrauch und dadurch einen Hungerast zu bekommen oder „gegen die Wand zu laufen“. Je länger ein Wettkampf dauert, um so entscheidender wird natürlich die Ernährung währendessen, um die Energieversorgung erfolgreich aufrecht zu erhalten und bis zum Finish ein hohes Leistungsniveau halten zu können.

Die beste Wettkampfernaehrung für jede Distanz
Es ist deshalb von Vorteil eine Ernährungsstrategie zu entwickeln und sie dann während deines Trainings auszuprobieren, um sie dann während deines Saisonhöhepunkts auch exakt so umzusetzen. Keine Experimente am Wettkampftag! Während langen Trainingseinheiten oder in Vorbereitungsrennen solltest du deine Ernährung unter intensiver Belastung gut testen und gegebenenfalls optimieren. Es ist wichtig zu wissen, dass deine Ernährung mindestens ebenso individuell ist, wie dein Training. Es bedarf viel Erfahrung und gibt trotz aller Erkenntnisse keine goldene Formel, die für alle Ausdauerathleten passt. Die gennanten Werte können darum stets nur eine grobe Empfehlung sein.

Für Wettkämpfe bis zu 60 Minuten, wie Läufe bis 15 km oder ein Sprinttriathlon ist keine Aufnahme von Kohlenhydraten währenddessen sinnvoll und es reichen ein paar Schlücke reines Wasser zwischendurch.

Marathon und Mitteldistanz – der optimale Kompromiss
Dauert der Wettkampf länger als 1 Stunde und bis 4 Stunden, wie ein Marathon, eine Kurz- oder eine Mitteldistanz, dann trinkst du während des Wettkampfes alle 15 – 20 Minuten 4 – 6 Schluck eines 10 bis 12 Prozentigen Kohlenhydrat-Getränks. Daraus ergeben sich etwa 0,4 – 0,6 g CHO / h (100-200 kcal), das ist alles, was du währenddessen brauchst, um den Kohlenhydratverbrauch zu puffern. Natürlich kannst du deinen Bedarf an Kohlenhydraten auch mit einem Energieriegel kombinieren, der auch noch etwas Fett enthält, wie Banana Bread oder Oat Snack. Das hängt natürlich von den individuellen Vorlieben und deinem Stoffwechsel ab. Aber denk daran, deine Kohlenhydratspeicher sind vor dem Start schließlich voll und sollten mit erreichen des Ziels fast geleert sein. Es ist eine Kunst in Marathons und Mitteldistanzen dich optimal zu versorgen und wenig Energie für die Verdauung zu verschwenden.

Wenn’s mal wieder länger dauert – Ernährung auf der Langdistanz
Triathlon Langdistanzen und Wettkämpfe ab 4 Stunden erfordern hingegen eine komplexere Ernährungsstrategie, die auf mehereren Energiequellen aufbaut. Im allgemeinen essen die meisten Triathleten erheblich zu viel. Es gilt neben des Tagesbedarfs eines Erwachsenen auch ein konstantes Leistungsniveau über 9 Stunden und länger aufrechtzuerhalten, um dann auch noch ein starkes Finish hinlegen zu können. 0,6 – 0,8 g CHO / h / kg Körpergewicht und eine Kombination von flüssigen und festen Kohlenhydratquellen haben optimal Resultate gezeigt. Der Ballaststoffgehalt sollte dabei moderat sein, um Darmprobleme während des Sports möglichst zu vermeiden. Daraus ergeben sich während des Wettkampfes etwa 40 – 60 g CHO / h (ca. 200 kcal), die aus hauptsächlich schnell oxidierernden Kohlenhydratquellen, wie Mischungen aus Glukose, Isomaltulose, Maltodextrin und Fruktose bestehen sollten. Die Ergänzung mit etwa 12% Fett und 6% Eiweiss, mit essentiellen Mineralstoffen und Koffein helfen deine Energiebilanz optimal ausgeglichen zu halten und erleichtern den Stoffwechsel. Welche Mischung und Mengenverhältnisse dir am besten bekommen, musst du ausprobieren, gerade die Fruktose sorgt bei manchen Athleten für Magenbeschwerden.

Optimale kohlenhydratreiche Energiequellen sind spezielle isotonische Getränkepulver (z.B. Innosnack) zum selbst dosieren und mischen mit Wasser, Tee oder Saft. Es können ausserdem Energie-Gels und / oder Honig dazu gegeben werden. In kleinen, konzentrierten Mengen verpackte Energie-Gels (z.B. Multipower Fordissimo) und Energie-Riegel (z.B. Banana Bread oder Oat Snack) lassen sich gut transportieren, liefern vielseitige Kohlenhydrate und schmecken zudem abwechslungsreich. Auf dem Rad kann dein Körper aufrgrund der niedrigeren Herzfrequenz leichter verdauen, so kannst du besonders in dieser Zeit mehr und vor allem feste Kohlenhydrate zu dir nehmen. Während des Laufens deckst du deinen Bedarf hauptsächlich über flüssige und weniger konzentrierte Kohlenhydratquellen. Entscheidend für eine erfolgreiche Ernährungsstrategie auf einer Langdistanz ist die konstante und individuell abgestimmte Zufuhr von flüssigen und festen Energiequellen, sowie ausreichend zu trinken. Wenn fit und gesunde bist, dann geht der Erfolg deiner Langdistanz durch den Magen und einer optimalen Wettkampfernaehrung.

RICHTIG TRINKEN – RICHTIG KÜHLEN

Mehr als 2 % Flüssigkeitsverlust / kg Körpergewicht während des Trainings oder Wettkampfes ist in den meisten Fällen die Ursache für Müdigkeit und eine schlechte Leistung. Eine Dehydration führt zu einem Anstieg der Körperkerntemperatur, einer erhöhten Herzfrequenz und einem gesteigerten Belastungsempfinden. Aber glücklicherweise ist das noch am leichtesten zu vermeiden. Wasser ist natürlich ein guter Durstlöscher, aber leider auf Dauer kein wirksamer Flüssigkeitslieferant. Eine Hyponatriämie, ein niedriger Natriumgehalt im Blut, tritt besonders bei Ausdauersportlern auf, die versuchen ihren Flüssigkeitsbedarf ausschliesslich mit Wasser zu decken. Stattdessen solltest du isotonische Getränke zu dir nehmen, die du, wie oben beschrieben, selbst mischt oder vom Veranstalter auf der Strecke gereicht werden. Sie enhalten wichtige Elektrolyte und können vom Körper leichter aufgenommen werden.

3 Tipps für richtiges Trinken von der Mitteldistanz bis zur Langdistanz

  • Trinke mindestens 100 ml an jeder Verpflegungsstation, das ist ein guter Schluck. Nur so kannst du bei Hitzerennen die Körperkerntemperatur effektiv senken, sie ist der limitierenste Faktor der Leistung.
  • Wenn du alle 2 – 3 Stunden pinkeln musst, dann ist es ein gutes Zeichen genug getrunken zu haben. Auf einer Mitteldistanz kann das auch erst im Ziel sein, während einer Langdistanz sollte es dann schon zwei Mal sein.
  • Denk an die essentiellen Mineralien: Vor allem bei Hitze braucht der Körper Natriumchlorid, damit deine Muskeln über die lange Zeit einer Mittel- oder Langdistanz kontinuierlich Leistung bringen und du keine Krämpfe bekommst. Gerade wer viel schwitzt, verliert viel Wasser und essentielle Mineralstoffe. Etwa 400 – 600 mg NaCl / h sind daher während intensiver Belastungen zu empfehlen, je nachdem, wie hoch dein Schweißverlust ist. Der Flüssigkeits- und Mineralverlust ist individuell unterschiedlich und kann mithilfe eines medizinischen Tests während einer Trainingsbelastung ermittelt werden.
DAS RICHTIGE TIMING FÜR DIE BESTE ZEIT

Mit deiner Verpflegung beginnst du zwischen den ersten 10 – 15 Kilometern auf dem Rad, dann wenn sich deine Herzfrequenz nach dem Schwimmen und ersten Wechsel wieder moderatist, du dich in deiner Radposition eingerichtet und einen Tretrhythmus gefunden hast. Es ist sehr wichtig jetzt das Kaloriendefizit nach der ersten Disziplin wieder mit hochwertigen Kohlenhydratquellen zu kompensieren und frühzeitig mit der Flüssigkeitsaufnahme zu beginnen.

Wenn du feste Kohlenhydratquellen bevorzugtst, solltest du spätestens 60 Minuten vor dem zweiten Wechsel damit aufhören. Wartest du zu lange mit der Verpflegung oder ist zu spät und zu viele feste Kohlenhydratquellen, kann das erhöhte Flüssigkeitsverlust und Magen-Darm-Probleme verursachen. Krämpfe, Übelkeit und Erbrechen wären die Folge. Sobald du dann auf der Laufstrecke bist, trink an jeder Verpflegungsstation, um den Körper ausreichend und kontinuierlich mit Flüssigkeit zu versorgen. Du kannst an den Verpflegungsstation auch einige Meter gehen, das erleichtert zu trinken und es läuft danach auch wieder lockerer.

Du möchtest mehr über die richtige Ernährung vor und während des Wettkampfes erfahren oder die Ernährung auf deine persönlichen Bedürfnisse für mehr Leistungsfähigkeit, ein optimales Körpergewicht und eine nachhaltige Gesundheit anpassen, dann schreib ein kurzes Mail und wir vereinbaren einen unverbindlichen Gesprächstermin.

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Nach neun Stunden, fünfundfünfzig Minuten und dreißig Sekunden ist meine erste Langdistanz erfolgreich ins Ziel gebracht und der IRONMAN Vichy 2015 Geschichte. Mit Temperaturen über 36 Grad und starkem Südwind habe ich am 30. August 2015 nach 25 Jahren im Triathlon meine Premiere über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen gefeiert. Entgegen viel Rechnerei hat sich wieder einmal gezeigt, dass Triathlon keine Mathematik ist und es meistens anders kommt als man denkt. Zum Glück! Denn als Rookie in der Königsdisziplin konnte ich somit viel Erfahrung und neue Erkenntnisse sammeln. Trotz großer Hitze und unerwarteter Probleme habe ich keinen Moment an einem Finish gezweifelt und jede Minute meiner ersten Langdistanz voll und ganz genossen. Über Höhen und Tiefen, Freude und eisernen Willen …

 

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Der Vollmond erleuchtet hell die Nacht als wir uns um fünf Uhr morgens auf den Weg zum Wettkampfgelände des Ironman Vichy am Lac d’Allier machen. Es ist windstill und der Himmel sternenklar. Um vier Uhr hat schon der Wecker geläutet, um ausreichend Zeit vor dem Start und für die letzten Vorbereitungen zu haben und in Ruhe frühstücken zu können: Haferflocken mit Rosinen und Honig in warmer Sojamilch – darauf freue ich mich vor jedem Rennen, das hat sich bewährt. Morgenstund hat Gold im Mund!

Morgenstund hat Gold im Mund / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

Morgenstund hat Gold im Mund / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 
Nur wenige Triathleten stehen schon am Palais du Lac und warten auf die Öffnung der Wechselzone. Es herrscht eine angenehm entspannt Atmosphäre im Parc Omnisport als wir ankommen. Es ist 5:30 Uhr, pünktlich öffnen die Tore und es bleiben noch 90 Minuten bis zu meinem Schwimmstart. Ich gehe vorbei an Christian Brader und Michael Ruenz, zwei deutschen Profis, sowie Natascha Badmann, der sechsmaligen IRONMAN Hawaii-Gewinnerin. Ich sage, Aloha! Mein CANYON Speedmax durfte ich bereits am Vorabend einchecken, es steht fast am Ende des zweiten Radständers. Meine Startnummer (446) und den Helm lege ich sicher auf dem Aerolenker ab, reine Routine. Flaschen rein, Radschuhe in die Pedale und Reifen aufpumpen. Ich habe mich zudem für die MAVIC CX80 mit Schlauchreifen entschieden, die sind komfortabler auf den französischen Straßen, und dafür vorsorglich bei Holger von SPEED COMPANY München noch ein paar Reifen im Schnelldurchgang abgezogen und wieder aufgeklebt. Übung macht schließlich den Meister!

 

ÜBER ANSPANNUNG, FREUDE UND CHAOS AM SCHWIMMSTART

Ich gehe noch einmal alle Laufwege der Wechselzone ab und schließlich zurück zu meiner Familie, um mich dann zu erwärmen und einzulaufen. In der Zwischenzeit erfahre ich die gemessene Wassertemperatur: 23,6 Grad und das bedeutet, Schwimmen findet mit Neopren statt – gerade noch. Aber ich habe vorgesorgt, denn ich habe einen dünnern Sailfish G-Range Neoprenanzug zum Testen bekommen, der eine gute Wasserlage ermöglicht, nicht zu warm und schnell ist. Es bleiben noch zehn Minuten bis zu meinem Start, am Horizont dämmert es leuchtend orange! Ein kurzer Abschied und es geht rein in den Lac d’Allier zusammen mit 400 weiteren Triathleten der ersten Startwelle. Nach 200 Tagen Vorbereitung geht’s endlich los, noch einmal Schwimmen, Radfahren und Laufen, ein Highlight, ich freue mich und bin gespannt. Das Einschwimmen habe ich mit 5 Minuten Thera Band ersetzt, zu dreckig und voll ist mir das Wasser des gestauten Flusses. Jetzt steigen die Anspannung und das Adrenalin, in der ersten Reihe auch die Nervosität und der Kampf um die besten Startpositionen – als würde schon hier der IRONMAN entschieden.

 

ANSPANNUNG, FREUDE UND CHAOS AM SCHWIMMSTART / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

ANSPANNUNG, FREUDE UND CHAOS IM WASSER / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 

Ein lautes Horn ertönt, das Wasser kocht und ab geht’s. Pünktlich um sieben Uhr erfolgt der Start, die Hektik und das Chaos habe ich aber dennoch bei keinem Triathlon bisher erlebt. Noch nach 500 Metern bekomme ich im Kampf um den besten Wasserschatten einige Hände auf den Kopf und manch einer schwimmt sogar noch oben drüber. Mit der ersten Wende nach 900 Metern habe ich mich freigeschwommen und befinde mich wenige Meter hinter einer kleinen Führungsgruppe. Das Wasser ist sehr unruhig, die Orientierung aufgrund der Wendestrecke und den nahen Uferpromenaden aber relativ übersichtlich. Ich überhole die ersten Profi-Frauen, welche acht Minuten vor mir gestartet sind, bevor es nach der ersten Runde zum Landgang geht. Die Menge tobt, das französische Publikum ist sensationell, das spornt an und ich fühle mich nach der Hälfte der Schwimmstrecke durchaus locker. Mit einem kräftigen Absprung geht’s von der Pier wieder in’s Wasser und durch den Schwung kann ich eine fünf Meter Lücke zu drei Schwimmern schließen.

 

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Dann geht die Sonne auf und mit jedem Atemzug nach links scheint sie mir immer stärker ins Gesicht – einfach wunderbar. Während der zweiten Runde frischt der Wind aus Süden auf und treibt Wellen und Gischt entgegen. Nach anstrengenden 600 Metern kommt endlich die Boje und es geht zurück, vorbei an immer mehr Frauen und sogar männlichen Profis, die einen Vorsprung von zehn Minuten hatten. Auf den letzten 800 Metern erhöhe ich meine Zugfrequenz und bin selbst überrascht, wie flott ich ein nach dem anderen Schwimmer überhole. Ich kommen nach 3,8 km als Schnellster meiner Altersklasse mit 54 Minuten aus dem Lac d’Allier zu und freue mich als ich vorbei an meinem Sohn und meiner Frau Richtung Wechselzone laufe.

 

ANSPANNUNG, FREUDE UND CHAOS IM WASSER / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

ANSPANNUNG, FREUDE UND CHAOS IM WASSER / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 

SOLORITT DURCH DIE AUVERGNE MIT PAPARAZZI UND EINER HAWAII-LEGENDE

Nach nur 2:46 Minuten sitze ich auf dem Rad und es liegen 180 km durch die zauberhafte Landschaft der beiden Departements d’Allier und Puy de Dôme bei strahlend blauem Himmel vor mir. Durch den Parc Omnisport und mit vielen Kurven und kurzen Steigungen in Vichy geht’s Richtung Süden auf die Radstrecke, zwei Runden à 90 km mit 1194 Höhenmetern sind zurückzulegen. Ich finde schnell meinen Tretrhythmus, jedoch bin ich alleine unterwegs über die Felder und durch die verschlafenen Dörfer. Auf einer der langen Geraden sehe ich nach 10 km in weiter Ferne einen Triathleten vor mir, endlich ein Orientierungspunkt. Ich versuche ein konstantes Tempo zu fahren und dabei nicht zu viel Druck zu machen. Zeit mit der Verpflegung zu Beginnen: Ich nehme in regelmäßigen Abständen abwechselnd je einen Schluck konzentrierter Isomaltulose von INNOSNACK und aus einer anderen Flasche Wasser.

 

SOLORITT DURCH DIE AUVERGNE MIT PAPARAZZI UND EINER HAWAII-LEGENDE / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

SOLORITT DURCH DIE AUVERGNE MIT PAPARAZZI UND EINER HAWAII-LEGENDE / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 
Die Landschaft und Stimmung im Morgenlicht ist herrlich und es liegt ein leichter Dunst über den Wäldern. Nur wenige Leute stehen um diese Uhrzeit am Straßenrand, aber in jedem Dorf, riecht es nach frischem Baguette. Bei Kilometer 20 überhole ich meinen Vordermann und nur wenige Minuten später die bisher führende Frau, Nicole Woysch. Schließlich kommt eine Gruppe Profis zügig vorbei und kurz darauf höre ich viele Motorräder hinter mir. Es ist Natascha Badmann, eine Legende im Triathlon, die auf ihrem außergewöhnlichen Cheetah Custom Bike an mir vorbei gleitet, umringt von einer Scharr Paparazzi und Race Marshalls. Es kehrt wieder Ruhe ein, nur die Carbon-Laufräder auf dem groben Asphalt dröhnen monoton. Einem beinahen Soloritt über das Hochplateau und durch die welligen Wälder oberhalb von Vichy folgt die lange steile Abfahrt wieder hinunter ins Tal des Allier.

 

 

HEISSE SCHWÄCHEPHASE IN DER ZWEITEN RADRUNDE DES IRONMAN VICHY 2015

Die zweiten 90 km werden weniger einsam, der Wind aus Süden wird jetzt deutliche stärker und ich werde von mehreren kleinen Radgruppen überholt. Während die Temperaturen die 30 Grad übersteigen, ist mein Tempo jetzt langsamer als in der ersten Runde. Es scheint wohl an einer ersten Schwächephase zu liegen, dass ich den Eindruck habe, die Triathleten würden trotz Windschattenverbots Rad an Rad dicht aneinander kleben – vielleicht sehe ich aber bereits doppelt aufgrund der Hitze unter meinem Aerohelm. Ein Race Marshall ward längst nicht mehr gesehen. Anders als in Erlangen ist es mir nicht möglich das Tempo und die Dynamik der Passierenden mitzufahren. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich ausreichend Flüssigkeit und Kohlenhydrate getrunken und ebenso Riegel gegessen. Jedoch vermag mein Magen das längst nicht so schnell zu verdauen, wie ich unterwegs sein wollte. Na ja, das Rennen ist ja noch lang, denke ich bei Kilometer 140, da kommt es auf zehn Minuten hin oder her nicht an: Besser etwas moderater rollen und dann fitter vom Rad. Doch der Südwind zehrt deutlich mehr an den Kräften als mir lieb war und der Magen muckt.

 

Nachhaltige Energie mit Innopur und Innobar von Innosnack / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

Nachhaltige Energie mit Innopur und Innobar von Innosnack / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 
Die Abfahrt nach Vichy nutzte ich, um die Beine etwas zu lockern und den Rücken zu entspannen. Der meckert wegen der langen Haltung in der Aeroposition mit dem hohen Druck und der fehlenden Abwechslung. Die letzten Kilometer über den Zubringer zurück zur Wechselzone rolle ich locker mit hoher Frequenz. Endlich und vor allem pannenfrei darf ich nach 5:10 Stunden von meinem Rad steigen – zwar 15 Minuten später als geplant, dennoch bin ich überrascht wie schnell die zweite Disziplin vorbei ging.

 

HEISSE SCHWÄCHEPHASE IN DER ZWEITEN RADRUNDE DES IRONMAN VICHY 2015 / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

HEISSE SCHWÄCHEPHASE IN DER ZWEITEN RADRUNDE DES IRONMAN VICHY 2015 / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 

WENN’S NICHT LÄUFT TUT’S RICHTIG WEH

Alles im grünen Bereich und auf Kurs, denn mit dem Marathon sollte es so richtig los gehen. Nach einem moderaten zweiten Wechsel starte ich die erste Laufrunde. Es fühlt sich anfangs etwas unrund an, aber ich war mir sicher, allmählich meinen Laufrhythmus zu finden. Schließlich steckten bereits 3,8 km Schwimmen 180 km Radfahren in meinen Beinen, da kann es das durchaus etwas dauern. Nach 5 km die erste Verpflegung mit etwas Wasser und Energy Drink, vor allem aber einer Dusche, um der Mittagshitze zu trotzen sowie meine IDENIXX Laufkappe und Pulskühler ordentlich nass zu machen – ich laufe weiter und passiere Kilometer 7. Plötzlich spüre ich ein starkes Stechen in meinem Bauch, kurz danach habe ich das Gefühl der komplette Magen zieht sich zusammen, aus laufen wird gehen. Ok, denke ich, das kann vorkommen und möchte nach 500 Metern Fußmarsch wieder anlaufen.

Doch keine Chance. Ich gehe weiter und erreiche die nächste Verpflegungsstelle: Ein paar Schlücke Wasser, etwas Energy Drink, eine leichte Dusche. „Keep on walking, never Stop“, hat mir einmal Chris McCormack in einem Interview nach seinem zweiten Sieg des IRONMAN Hawaii 2010 gesagt. Aber ich möchte laufen, doch jeder Versuch zu beschleunigen schmerzt. Ok, ganz egal, auch wenn ich 42 km gehen muss, was zählt ist das Finish, sage ich mir. Ich bekomme Zuspruch von überholenden Triathleten und nach 15 Kilometern begleitet mich meine Frau am Streckenrand. „Lauf, denk an den langen Weg bis hier her, die vielen Einheiten und Kilometer, lauf,“ schreit sie mich an. Und immer lächeln, denke ich mir. Einige Freunde rufen an und lassen ihren Zuspruch ausrichten, vor allem eine Freundin, die schwer erkrankt ist und mehr als nur einen IRONMAN zu meistern hat.

 

WENN’S NICHT LÄUFT TUT’S RICHTIG WEH / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

WENN’S NICHT LÄUFT TUT’S RICHTIG WEH / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 

FINISH MIT EISERNEM WILLEN UND GLÜCKSGEFÜHLEN BEIM IRONMAN VICHY 2015

Es war der zündende Funke: Mein Kopf übernimmt wieder die Regie, ganz egal, ob der Körper rebelliert, ich ignoriere den Schmerz und beginne wieder zu laufen – erst langsam und dann immer schneller. Es ist Halbzeit, zwei Runden von vier sind geschafft und ich erreiche mit Wettkampftempo zum zweiten Mal das Stadion. Ich habe viel Zeit verloren, aber ich laufe. Das ist Triathlon und keine Mathematik, immerhin ist das mein Debüt auf der Langdistanz und das lass ich mir nicht verderben. Meine Taktik behalte ich bei und gehe durch jede Verpflegung, nehme von allem einen Schluck, jetzt auch Cola. Eine Zeit um die 9 Stunden, einen Platz auf dem Podium oder ein Slot für Hawaii: längst abgehakt!

 

WENN’S NICHT LÄUFT TUT’S RICHTIG WEH / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

WENN’S NICHT LÄUFT TUT’S RICHTIG WEH / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 
Ich erreiche die 35,5 km Marke und merke, wie sich Leichtigkeit und ein Glücksgefühl in mir ausbreiten. Es geht zurück, die letzten 7 km und ich spüre, wie die Euphorie in mir aufsteigt, die Schritte immer lockerer werden und sich ein Lachen in meinem Gesicht ausbreitet. Ich erreiche das Stadion, die letzten 200 Meter und kann es nicht fassen als ich die Uhr sehe. Während die Ränge voll gepackt sind, feiert das Publikum trotz der großen Hitze, angeheizt von zwei sensationellen Moderatoren. Ich werde langsamer, richte den Blick zum Himmel und kann es kaum begreifen. Dieser Moment ist nicht greifbar, ich bin einfach überwältigt: Nach neun Stunden, fünfundfünfzig Minuten und dreißig Sekunden bleibt die Uhr für mich an diesem Sonntag Nachmittag stehen und meine erste Langdistanz, der Ironman Vichy 2015 ist damit Geschichte.

 

FINISH MIT EISERNEM WILLEN UND GLÜCKSGEFÜHLEN BEIM IRONMAN VICHY 2015 / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

FINISH MIT EISERNEM WILLEN UND GLÜCKSGEFÜHLEN BEIM IRONMAN VICHY 2015 / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 
Das erste Mal ist immer am schönsten, wenn es jedoch einmal nicht mehr läuft, dann tut es richtig weh. Mein Körper, der in der Saison 2015, an anderen Tagen, in anderen Rennen und unter anderen Umständen stets zuverlässig funktioniert hat, ist an diesem Sonntag kurzzeitig etwas ins stottern gekommen, scheinbar leicht irritiert von der ungewohnten und langen Belastung. Trotz der enormen Hitze und der Probleme war mein Kopf stets konzentriert, fokussiert und ich habe nie gezweifelt. Ich habe meine erste Langdistanz mit jeder Sekunde genossen, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Danke Nicola!

 

DANKE

Ich danke meiner Frau und meinen Kindern für Ihre Geduld und die Kraft, die sie mir während der gesamten Vorbereitung in den letzten 200 Tagen gegeben haben. Ich danke auch meinen Freunden, die mich stets motiviert und bei den ein oder anderen Trainingseinheiten begleitet haben – dann, wenn’s darauf ankommt! Mein Dank gilt außerdem zwei besonderen Menschen, die mir in den letzten, den härtesten und intensivsten Wochen vor meiner ersten Langdistanz tatkräftig zur Seite gestanden und mich unterstützt haben. Danke Anderl und Christoph! Ohne Eurer Unterstützung hätte ich es vielleicht nicht einmal bis zur Startlinie geschafft.

 

DIE UNTERSTÜTZER

SPEED COMPANY, Holger Schiegl
THERAPIE54, Andreas Ellenrieder
INNOSNACK, Marco Steinhilber
RADLABOR München, Pascal Ketterer

 

MEIN EQUIPMENT

ASICS Gel-Noosa Tri 10
CANYON Speedmax CF Di2 Zeitfahrrad
FIZIK Arione K1 Sattel
IDENIXX Kühllaufkappe und Performance PulsKühler
INNOSNACK Innobar Riegel & Innopur Drink
MAVIC CXR80 Laufräder
OAKLEY Radar Lock
POC Cerebel Aerohelm
POLAR V650 Radcomputer
POLAR V800 Multisportuhr
SAILFISH G-Range Neoprenanzug
SKINFIT Funktionskleidung
ZOGG’S Predator Schwimmbrille

 

IRONMAN VICHY 2015 ERGEBNIS

Startzeit 7:00 Uhr
Startgruppe 3
Startnummer 446
Schwimmen: 54:49 min / 1. M40-44
T1: 2:46 min
Rad: 5:10:27 h / 18. M40-44
T2: 3:23 min
Laufen: 3:44:06 h / 17. M40-44
Finish: 9:55:30 h
Platz: 84.
M40-44: 17.

Alle Ergebnisse & Athlete Tracker IRONMAN Vichy 2015

 

IRONMAN VICHY 2015 STATISTIK

Starter: 1799 / 100 %
Finish: 1182 / 65,7 %
DNF: 617 / 34,3 %
Starter M40-44: 317
Temperatur: 36 Grad Celsius
Wind: 33 km/h S-SW-SO

 

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Website von Stefan Drexl
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Stefan Drexl auf Twitter @stfndrxl

 
MEIN ERSTER IRONMAN – ALLE BLOGS
BLOG #1: Langdistanz-Debüt nach 25 Jahren Triathlon
BLOG #2: Überraschung und Herausforderung: Anmeldung zur ersten Langdistanz
BLOG #3: Fifty Shades of Tri – Keeping the Balance
BLOG #4: Der Weg ist das Ziel ist der Weg – Vorfreude auf die erste Langdistanz
BLOG #5: Kein zurück mehr, jetzt zählt’s – Sugar and Pain!
BLOG #6: Triathlon ist keine Mathematik – Eiserner Wille beim IRONMAN Vichy 2015
IRONMAN Vichy 2015: Der Schweizer Mauro Bärtsch und die Spanierin Gurutze Frades gewinnen die Premiere, Brader wird Dritter!

 
DIESER BEITRAG WURDE EBENSO VERÖFFENTLICHT AUF TRI2B.COM
TRI2B Erster Ironman-Blog #1 am 02. Mai 2015
TRI2B Erster Ironman-Blog #2 am 21. Mai 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #3 am 11. Juli 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #4 am 20. August 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #5 am 20. August 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #6 am 06. September 2015

 
MEHR INFORMATIONEN
Markenwechsel beim Triathlon Vichy
Homepage Ironman Vichy
Homepage Ville Vichy
Homepage Ville Vichy

Jetzt sind es noch 24 Stunden und es gibt kein zurück mehr – morgen heißt’s Sugar and Pain! Seit der Anmeldung zu meiner ersten Langdistanz vor fast 200 Tagen ist viel passiert und allmählich wird’s richtig Ernst. Mit dem Ironman Vichy habe ich den für mich passenden Triathlon über die Königsdisziplin ausgewählt. Vor fünf Jahren habe ich hier auf einer Fahrt zum Atlantik erstmals einen Zwischenstopp gemacht und ein Jahr später von der Premiere der Challenge aus Vichy berichtet. Dass ich vier Jahre später hier einmal selbst starten würde, das hätte ich mir trotz meiner 25 Jahren im Triathlon damals noch nicht vorstellen können. Das Jahr 2015 lief für mich bisher wunderbar und ich möchte nichts missen, selbst Niederlagen und Fehler nicht. Aus ihnen lernt, sie machen uns menschlich und zu noch stärkeren Triathleten. Was auch immer am kommenden Sonntag passieren wird, wie auch immer es laufen wird, es wird bestimmt nicht leicht – mitunter kann es auch schmerzvoll werden. Auf jeden Fall werde ich eine Menge neuer Erfahrungen sammeln, die für mein Training sehr wertvoll sein werden, ganz besonders aber für meine Arbeit als Trainer und Autor. Ich bin gespannt und freue mich, wenn am 30. August um 7 Uhr endlich der Startschuss fällt …

Die Wettkampfstrecken

Mit 2015 wird die Langdistanz Vichy nun auch erstmals als offizielles Rennen der Marke Ironman ausgetragen. Das bedeutet zugleich, dass somit zukünftig 50 Agegroup Startplätze für die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii beim Ironman Vichy vergeben werden. Die diesjährigen Slots in der Auvergne sind dann allerdings bereits für das nächste Jahr, für die Ironman WM 2016. Mit dem neuen Markennamen ergeben sich auch einige Änderungen der Strecke und des Setups, die durchaus von Bedeutung sind und auf die ich hier näher eingehen möchte.

 

Jetzt zählt's: Startunterlagen - check! / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

Jetzt zählt’s: Startunterlagen – check! / Meine erste Langdistanz, IRONMAN Vichy 2015 © stefandrexl.de

 
Der Schwimmstart des Ironman Vichy 2015 erfolgt weiterhin im Lac d’Allier, der mitten durch Vichy fließt. Der Fluss Allier ist am Parc Omnisports eigens für die Nutzung als Ruderregattastrecke aufgestaut und ein entsprechendes Stadion bildet den entsprechenden Rahmen. Das Gefühl eines Formel-1 Starts wird somit weiterhin das Adrenalin der Athleten durch den Körper treiben, wenn am 30. August 2015 früh morgens um 7 Uhr der Countdown des Starts durch eine Ampelanlage erfolgt. Die Triathlon Profis starten 10 Minuten zuvor und in meheren Startwellen, eingeteilt nach den Schwimmleistungen, folgen die Triathleten der Altersklassen. Die Schwimmstrecke besteht aus einem ufernahen Rundkurs über zwei Runden mit einem Landgang, was das Anfeuern der Athleten während der gesamten Strecke ermöglicht und die Zuschauer hautnah mitfiebern lässt. Nach zwei Kilometer kommt man erstmals aus dem Wasser und es sind somit die ersten Abstände messbar.

Nach 3,8 km geht’s erstmals in die Wechselzone, die jetzt näher an den Schwimmausstieg gerückt und sich zwischen dem Lac d’Allier und Palais du Lac befindet. Eine durchaus positive Veränderung, wie ich finde. Das erlaubt schnellere Wechselzeiten und ist somit zuschauerfreundlicher, wenn die Triathleten auf die Radstrecke fahren oder wieder zurückkommen. Dadurch hat sich ebenso die Zufahrt der Radstrecke verändert, die jetzt in südlich Richtung aus der Wechselzone durch den Parc Omnisports vorbei am CREPS Auvergne Vichy führt.

Panorama Runde über’s Hochplateau

Geändert hat sich allerdings auch die Fahrtrichtung der Radstrecke durch die zauberhafte Landschaft der beiden Departements d’Allier und Puy de Dôme. Der zweimal zu fahrende Rundkurs über 180 km, den man über den neuen Zubringer erreicht, ist von den Triathleten jetzt im Uhrzeigersinn und somit rechts herum zu absolvieren. Die zwei Runden verlaufen natürlich weiterhin durch die beiden Departements Allier und Puy de Dôme mit ihren zahlreichen Wäldern und den weitläufigen Feldern des atemberaubenden Hochplateaus. Das gibt den Athleten zwischendurch die Gelegenheit den Blick auf das grandiose Panorama der Vulkane der Auvergne zu richten. Zwar beträgt der Höhenunterschied pro Runde nach wie vor nur 380 m, jedoch verläuft die Radstrecke jetzt stetig über mehrere Wellen bergan. Am Ende jeder Radrunde fährt man jetzt den ehemals steileren Anstieg zügig hinunter, bevor es in die zweite Runde oder dann zurück zur Wechselzone geht.

Je nach Wetterlage und Windrichtung wird das den Triathleten etwas mehr Strapazen abverlangen als bisher. Ende August sind die Temperaturen mit heißen Winden im Herzen Frankreichs meist sehr hoch und der Wind bläßt häufig aus nördlichen Richtungen. Wer hier den regelmäßigen Flüssigkeitsbedarf vernachlässigt, wird das im weiteren Rennverlauf möglicherweise bitter bereuen. Ich erinnere mich dabei auch an die Challenge Vichy 2012, als die Langdistanz aufgrund der Hitzewelle seitens der Behörden auf eine Mitteldistanz verkürzt werden musste. Selbst die halbierte Distanz zwang damals viele Triathleten zur hitzebedingten Rennaufgabe.

Historische Laufrunde durch Vichy

Nach zwei Runden geht’s über den selben Zubringer zurück zur Wechselzone und anschließend auf die Marathonstrecke. Von dort laufen die Athleten in südliche Richtung entlang der Uferpromenade des Lac d’Alliers und überqueren diesen nach gut 3 km. Schließlich geht es runter an den Fluß und nach zwei Kilometer wieder hoch auf die gegenüberliegende Uferpromenade und in einen Bilderbuchpark. Die ehemals steile Treppe wurde endlich durch eine 100 m Meter nördlichere Auffahrtsrampe ersetzt. Da ebenso die einsame Schleife im Glutofen des Parc Omnisports gestrichen wurde, führt die Laufstrecke die Athleten jetzt über eine Schleife von zwei Kilometer durch die historische Altstadt von Vichy, wo deutlich mehr Zuschauer den Ironman beobachten werden als bisher.

Für die Sportart Triathlon und die Triathleten durchaus positiv und motivierender. Anschließend geht es zurück über die östliche Uferpromenade nach Norden und mit der Überquerung der Pont de l’Europe zurück zum Wettkampfgelände. Für die Triathleten ein äußerst abwechslungsreicher Rundkurs, der vier Mal zu absolvieren ist und mit jeder Runde durch das eigens errichtetet Stadion führt. Erreicht man das Stadion ein fünftes Mal dann heißt es nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,8 km Laufen erstmals auch in Vichy: You are an Ironman!

Großes Aufgebot zur Premiere des Ironman Vichy

Nach einer Saison mit vielen Verletzungen wird am kommenden Sonntag Dirk Bockel erstmals wieder über die Langdistanz antreten und versuchen erste Punkt für die Ironman Weltmeisterschaft Hawaii 2016 zu sammeln. Der gebürtige Deutsche mit Wohnsitz in Luxemburg musste aufgrund eines Bruchs im Fußgelenks seinen Start bei der Challenge Roth im Juli diesen Jahres absagen. Konkurrenz bekommt der 38-jährige durch 19 weitere Triathlonprofis im ersten Starterfeld des Ironman Vichy. Darunter die Schweizer Patrick Jaberg und Mike Schifferle, sowie das deutsche Trio Christian Brader, Marc Duelsen und Michael Ruenz. Sie alle möchte die Gelegenheit nutzen bereits frühzeitig wichtige Kona-Punkte für das nächste Jahr zu ergattern.

Die Startliste der Profifrauen ist beim Ironman Vichy etwas übersichtlicher. Neben Corinne Abraham aus Großbritannien wir die sechsmalige Hawaii-Siegering Natascha Badmann die Premiere des Ironman Vichy nutzen um ihr persönliches Konto des Kona Pro Rankings frühzeitig aufzubessern. Mit der 48-jähren Schweizerin am Start im Lac d’Allier um 6:52 Uhr wird unter anderem die Dänin Tine Holst sein, 15-malige Ironman-Finisherin und neunte beim Ironman Frankfurt 2015. Triathlon ist zum Glück keine Mathematik und das mach diese faszinierende Sportart so einzigartig. Für diesen Tag ist jeder an der Startlinie bestens vorbereitet nach Vichy gereist und dennoch ist die Tagesform alles entscheidend. Abgerechnet wird am Schluss.

Der Ironman Vichy ist zurecht einer der landschaftlich und historisch schönsten Wettkampforte auf der europäischen Triathlon-Landkarte. Er erlaubt es den Zuschauern auf dem gesamten Parcours stets hautnah an den Athleten dran zu sein und das Renngeschehen bestens beobachten zu können. In exakt 90 Tagen ist es dann soweit. Gesamt nutzen sieben weibliche Triathlon Profis die Langdistanz im französischen Heilbad, für die erste Etappe ihrer „Road to Kona“.

Meine IRONMAN Vichy Checkliste

Lust auf ein neues Abenteuer
Zwar habe ich die Langdistanz in Vichy schon vier Mal als Journalist erlebt und die Athleten auf Tritt und Schritt begleitet, selbst am Start und als Protagonist mittendrin zu sein ist dennoch etwas anderes. Frankreich macht immer Spass und im Wettkampf nimmt man sämtliche Eindrücke noch stärker war. Ich freue mich auf meine erste Langdistanz und die Premiere des Ironman Vichy, auf die leckeren Crêpes nach erfolgreichem Finish ganz besonders!

Die Vorbereitung
Eine konstante Pace und gute Renneinteilung ist in Vichy wichtig. Die Radstrecke hat nicht viele Höhenmeter aber die Auvergne ist der Glutofen Frankreichs. Regelmäßig zu trinken und den Körper gut kühlen in den Tagen vor dem Rennen ist hilfreich.

Pure Konzentration
Der Ironman Vichy ist zwar meine erste Langdistanz aber es gibt keinen Grund, irgendetwas anders zu machen als vor jedem anderen Rennen. Die Strecken sind doppelt so lang und der Tag wird doppelt so lang dauern. Es wird ein hartes Rennen und ein starker Kopf ist gefragt. Ich konzentriere mich voll und ganz auf mein Rennen.

Weniger ist mehr
Alles, was ich für ein gutes Rennen brauche, ist ein gesunder Körper, eine gute Tagesform, mein Material und die mentale Unterstützung meiner Familie und Freunde.

Das letzte Abendmahl
Am Abend vor dem Rennen gibt es ein Risotto mit Lachs und als Nachtisch einen Becher Ben & Jerry’s Cookie Dough, Kohlenhydrate mit Proteinen und auch etwas für den Kopf.

Von Rookie zu Rookie
Es ist meist sehr heiß und der Wind bläst stark in Vichy. Gut zu trinken, nicht zu viel Kraft auf dem Rad zu verschwenden und das Rennen gut einzuteilen ist von Vorteil. Dabei unbedintg das schöne Panorama und die tolle Atmosphäre genießen.

Meine Motivation
Vichy ist jetzt ein Rennen der Ironman Serie und es besteht somit die Chance mich für Kona zu qualifizieren. Dennoch, es ist meine erste Langdistanz und das heißt erst einmal finishen. Triathlon ist keine Mathematik und der Tag lang, aber ich bin sehr motiviert, ein gutes Rennen und eine tolle Zeit zu laufen. Ich fühle mich in einer guten Form und freue mich neue Grenzen zu überschreiten – Sugar and Pain, Rock ‚n’ Roll!

Mein Danke
Vielen Dank, meinen Freunden und allen Unterstützenden, die mich auf dem Weg zu meiner ersten Langdistanz begleiten. Vor allem danke ich meiner Frau und meinen Kindern für ihr Engagement und ihre Geduld mit den vielen Trainingseinheiten. Ich danke meiner Mutter, die mich mit 4 Jahren zum Schwimmverein gebracht hat, meinem viel zu früh verstorbenen Opa, der mir das erste Rennrad geschenkt hat und meinem Vater der viele große Touren gemeinsam mit mir gefahren ist. Ohne Euch, Euerem großen Engagement und Euerer Geduld wäre es nicht möglich gewesen, diesen langen Weg bis hier her zu gehen. Am morgigen Sonntag, werde ich meine aller Bestes geben und versuchen die Saat zu ernten: Rock ‚n‘ Roll!

Individual Facts

Startzeit 7:00 Uhr
Startgruppe 3
Startnummer 446
IRONMAN Vichy LIVE Athlete Tracker & Blog

Der Zeitplan des IRONMAN Vichy

6:50 Start Schwimmen 3,8 km Profis
7:00 Start Schwimmen 3,8 km Best Agegroup Athletes (51 – 450)
7:50 Finish Schwimmen
7:55 Start Bike 180 km
10:25 Transit Bike 90 km (1. Runde) Start 2. Runde
12:55 Finish Bike
13:00 Start Run 42,2 km
13:45 Transit 10,5 km (1. Runde)
14:30 Transit 21 km (2. Runde)
15:15 Transit 31,5 km (3. Runde)
16:00 Finish Run 42,2 km

Statistik IRONMAN Vichy

Pros: 7 Frauen, 25 Männer
Age Group M40-44: 317
Deutsche Triathleten: 9 Frauen, 52 Männer

Profis beim Ironman Vichy

Frauen
40 BADMANN Natascha CHE(Switzerland) FPRO
41 ABRAHAM Corinne GBR (United Kingdom) FPRO
42 FRADES Gurutze ESP (Spain) FPRO
43 HOLST Tine DNK (Denmark) FPRO
44 LEMESEVA Maria RUS (Russian Federation) FPRO
45 GODESKY Alyssa USA (United%States) FPRO
46 VELLA WOOD Michelle MLT (Malta) FPRO

Männer
1 BOCKEL Dirk LUX(Luxembourg) MPRO
2 BILLARD Bertrand FRA(France) MPRO
3 BRADER Christian DEU(Germany) MPRO
4 ROTA Sylvain FRA(France) MPRO
5 DUELSEN Marc DEU(Germany) MPRO
6 RUENZ Michael DEU(Germany) MPRO
7 BAUCCO AjUSA(United%States) MPRO
8 JABERG Patrick CHE(Switzerland) MPRO
9 BAERTSCH Mauro CHE(Switzerland) MPRO
10 RISTI Ian ITA(Italy) MPRO
11 HEMET Nicolas FRA(France) MPRO
12 JEANNIN Guillaume FRA(France) MPRO
13 ORIET Gilian SUI(Switzerland) MPRO
14 SCHIFFERLE Mike CHE(Switzerland) MPRO
15 ROSINSKI Steven USA(United%States) MPRO
16 LE GUELLEC Ludovic FRA(France) MPRO
17 CIOTTI Emanuele ITA(Italy) MPRO
18 SWEET Christopher USA(UnitedStates) MPRO
19 JALOVECKY Michal CZE MPRO
20 KALININ Maksim RUS(Russian Federation) MPRO
22 RAMALI Pascal DEU (Germany) MPRO
24 SCHAFFNER Frederic FRA(France) MPRO
25 LAVITSKY Andriy RUS (Russian Federation) MPRO

 

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DIESER BEITRAG WURDE EBENSO VERÖFFENTLICHT AUF TRI2B.COM
TRI2B Erster Ironman-Blog #1 am 02. Mai 2015
TRI2B Erster Ironman-Blog #2 am 21. Mai 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #3 am 11. Juli 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #4 am 20. August 2015
TRI2B Erster Ironman Blog #5 am 20. August 2015

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