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Am Sonntag, 07. Juli sind wir den ENGADIN RADMARATHON 2019 gefahren, das schönste Jedermannrennen mit spektakulärem Panorama und einem wunderbaren Biest. Die Schweiz allein ist immer schon ein zauberhaftes Erlebnis, die legendäre Strecke durch das Kanton Graubünden noch viel mehr. Mit dem Rennrad über die vier Alpenpässe Forcola di Livigno und Bernina, über Flüela und Albula lässt einen dieses landschaftliche Juwel noch intensiver erleben. Die wechselnden Wettersituation von Sonne und Regen verstärken das Wechselbad der Gefühle während der intensiven Anstiege und rasanten Abfahrten. Wir haben versucht unsere Eindrücke während der acht Stunden Berg- und Talfahrt des 14. ENGADIN RADMARATHON in treffende Worte zu verfassen.

Wir haben uns erst während unseres Trainingcamp Toskana 2019 entschlossen, gemeinsam am ENGADIN RADMARATHON in den schweizer Alpen teilzunehmen, genauer gesagt im pitoresken Graubünden. Wir sind bereits am Freitag Abend ins Engadin gereist, um uns zu aklimatisieren und auch an die Höhe anzupassen. Immerhin liegt der Start- und Zielort Zernez auf 1474 Höhenmeter. Wir, mein Sohn Simon und ich. Für zwei Nächte haben wir uns kurzfristig im Gästehaus CONVICT in Zuoz, etwa 15 km talaufwärts einquartiert. Das historische Dorf Zuoz befindet sich zwischen Zernez und St. Moritz auf 1716 Höhenmeter in Mitten der Landschaft La Plaiv.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Die Landstrasse durchs Oberengadin nach St. Moritz © Stefan Drexl
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Die Landstrasse durchs Oberengadin nach St. Moritz © Stefan Drexl

ÜBER TUBELESS, DICHTMILCH UND FAHRKOMFORT

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Entspannung mit einer lockeren Sightseeingtour und der Abholung unserer Startunterlagen. Wir haben unsere Rennräder zusammengebaut und letzte Details eingestellt, unter ander neue Bremsbeläge montiert und frisches Dichtmilch in die Tubeless Reifen gefüllt. Für den ENGADIN RADMARATHON am Sonntag haben wir extra MAVIC UST Alufelgen besorgt und frische Reifen aufgezogen. Alufelgen sind wesentlich steifer, ideal für die langen Anstiege, insbesondere im Wiegetritt aus dem Sattel. Sie erlauben es zudem wesentlich später zu bremsen und somit höhere Geschwindigkeiten bergab. Die Tubeless Bereifung erhöht den Fahrkomfort enorm und zusammen mit der breiteren Lauffläche (700 x 28C) sind Kurvenfahrten stabiler, schneller und sicherer, vom erhöhten Pannenschutz ganz zu schweigen.

Wir sind talaufwärts gefahren, die Landstrasse von Zuoz über Samedan und locker die alte Passstrasse hinauf nach St. Moritz gerollt. Vorbau an den Luxusboutiquen des modänen Skiortes hat unsere Route Richtung Maloja Pass geführt, das Tagesziel und Wendpunkt der Silvaplana See. Natürlich alles nur Grundlage!

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Die Kurze Pause im modänen St. Moritz © Stefan Drexl
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Die Kurze Pause im modänen St. Moritz © Stefan Drexl

CAPPUCCINO UND ANDERE SPORTSFREUNDE

Während eines Cappuccinos auf der Terrasse des MULETS oberhalb des Swiss Kitesurf Clubs haben wir uns den Zieleinlauf des ÖTTILI SWIMRUN ENGADIN Sprints, der am selben Wochenende wie der ENGADIN RADMARATHON 2019 verfolgt. Dort haben wir prompt unseren Triathlonkollegen Christoph „Arti“ Arthofer getroffen, der zusammen mit seinem Sportsfreund Christian Götz am Sonntag an der World Series teilgenommen hat und glatt den 10. Platz holte. Anschliessend sind wir mit ordentlich Rückenwind und hauptsächlich bergab zurück nach Zuoz gefahren. Nach einer schnellen Dusche und grossen Portion Süsskartoffeln gemischt mit Avocado und Thunfisch sind wir zur Startnummernausgabe nach Zernez gefahren – mit dem Auto.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Startnummernausgabe in Zernez © Stefan Drexl
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Startnummernausgabe in Zernez © Stefan Drexl

KEINE TYPISCHE WETTKAMPF-CHECK-IN-ROUTINE BEIM ENGADIN RADMARATHON

Zwischenzeitlich ist der strahlend blaue Himmel vom Vormittag kräftigen Wolken gewichen und auch der Wind wurde stärker. In Zernez haben wir uns noch mit Bananen und Säften für den ENGADIN RADMARATHON eingedeckt und anschliessend eingecheckt. Es ist das gesamte Dorf, ach was, gefühlt sämtlich Einwohner der umliegend Täler engagiert. Die Freundlichkeit und Herzlichkeit der freiwilligen Helfer fällt auf und niemand gibt sich mit einem einfachen „Hallo“ zufrieden. Man ist interessiert, frägt nach der Herkunft und erzählt. Es ist angenehm aus seiner typischen Wettkampf-Check-In-Routine etwas herausgerissen zu werden und bekommt den Kopf frei. Bemerkenswert!

Als wir uns wieder auf den Rückweg machten, war der Himmel schwarz und zusammen mit starkem Regen kamen orkanartige Böen. Also warteten wir in Zernez ab. Nachdem die Gewitterfront durch war, der intensiver Regen folgte, sind los gefahren. Zahlreiche Bäume waren umgefallen, unter anderem auf die Strasse, und viel Wasser floss, ja ganze Bäche strömten über die Strasse, unsere Radstrecke des nächsten Tages. Einige asphaltfreie Baustellen waren geflutet – das würde ein Spass werden am Sonntag. Zurück in Zuoz klarte der Himmel wieder auf, die Abendsonne kam raus, als wäre nichts gewesen. Wir bereiteten unser Equipement, unser Frühstück und unsere Verpflegung für das Rennen vor und haben uns endlich abgelegt, denn schliesslich würden wir sehr früh am nächsten Tag aufstehen müssen.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Kurz vor dem Start in Zernez © Stefan Drexl
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Kurz vor dem Start in Zernez © Stefan Drexl

AUS DEM BETT INS TRIKOT AN DEN START

Fünf Uhr, der Wecker klingelt! Nach einer kurzen Nacht sind wir direkt aus dem Bett in unsere Radklamotten gesprungen, haben unseren aufgeweichten Porridge weggeputzt, die Trinkflaschen aufgefüllt, alles wichtige in unsere Trikottaschen gesteckt und uns auf’s Rennrad geschwungen. Es war frisch, nicht untypisch für diese Höhenlage, Nebel zog das dämmerige Tal hinauf, wir hatten zum Glück Rücklichter angebracht – für die Tunnelfahrten. 17 Kilometer waren es zum Start in Zernez, eine gute Distanz um uns einzufahren und zu erwärmen, der Strassenbelag war wieder abgetrocknet. Es galt allerdings knapp 300 Höhenmeter zu „vernichten“, so dass wir deutlich mehr rollten als in die Pedale zu treten. Weitere zwei Mal sollten wir diesen Streckenabschnitt an diesem Tag noch passieren dürfen – die umgestürzten Bäume des Vortags waren natürlich über Nacht entfernt worden. Zwanzig Minuten vor dem Start waren wir vor Ort und jeglicher Verusch uns doch noch in Startblock 1 einordnen zu können wurde uns leider verwehrt. Dafür standen wir im zweiten Block ganz vorne. Noch schnell die Ärmlinge und Windweste ordentlich in den Trikottaschen verstaut und ein Energy Gel für den ersten Anstieg in die Backen gedrückt.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

DIE RICHTIGE DOSIS MACHT DEN ENGADIN RADMARATHON

Mit einem massivem Kanonenschlag erfolgte Punkt 07:00 Uhr der Start für den 34. ENGADINER RADMARATHON 2019 – eine Minute danach durfte Block 2 starten. Nach nur 1000 Metern ging’s bereits in den Anstieg des Ofenpasses und wie immer gab’s zahlreicher Teilnehmer, die bereits zu Beginn losfuhren als wäre in Livigno bereits das Ziel. Geduld und Kontinuität sind die Tugenden für ein Radrennen dieser Kategorie. Die richtige Dosis und Einteilung für eine Radstrecke mit 214 Kilometern und knapp 4000 Höhenmetern ist. Den Altersunterschied galt es darum mit langjähriger Erfahrung zu kompensieren. Meine Strategie: Am Berg möglichst lange, eine mittlere bis hohe Trittfrequenz mit moderater Herzfrequenzen unterhalb der Schwelle im Kraftausdauer 1-2 zu kurbeln, um auch im letzten Streckendrittel noch gut Körner zu haben – dann, wenn’s das Biest Albula zu bezwingen galt. Es war nicht einfach sich zurückzuhalten und das Adrenalin richtig dosiert abzubauen, aber sollte enorm effizient an diesem Sonntag sein.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Traumhaft harte Alpenrunde – wir kommen © Henning Angerer

MIT TUNNELBLICK NACH LIVIGNO

Der Anstieg zum Ofenpass schlängelt sich circa 7 Kilometer entlang des Südhangs bis zum Munt-la-Schera-Tunnel, wo uns die Strecke dann rechts weg ins italienische Livigno führte. Nach Hälfte des Anstiegs war Simon etwa eine Minute vor mir, in den Bergbuchten und Rechtskurven hatten wir stets Blickkontakt. Eine besonderes Highlight der Strecke ist der erwähnte Munt-la-Schera-Tunnel. Der einspurige, 3385 m lange Strassentunnel unter dem Massiv des Munt-la-Schera hindurch ist sonst für Radfahrer gesperrt und die Durchfahrt nur für den ENGADIN RADMARATHON erlaubt. Der Tunnel verbindet das Engadin im Schweizer Kanton Graubünden mit dem Dorf Livigno in der italienischen Provinz Sondrio. Für Autos ist der Mauttunnel ansonsten stundenweise in eine Richtung geöffnet, Rennradfahrer werden während des Sommers mit einem Kleinbus und Anhänger befördert. Der Blick durch den schnurrgeraden, leicht ansteigenden Tunnel mit einem leichten Rechtsknick ist bizarr. Die Entfernungen sind im Halbdunkel kaum abzuschätzen und die Geräuschkulisse der surrenden Rennräder hallt duch die endlos erscheinende Röhre nach Livigno.

Am südlichen Ende Munt-la-Schera-Tunnels macht’s eine scharfe Rechtskurven und es geht über die 130 Meter hohe Staumauer des Punt dal Gall. Nach dem Passieren der schweizerischen Zollstation wurde das Tempo stetig höher und ich befand mich in bester Gesellschaft einer zwölfmann starken Gruppe. Darunter natürlich auch einige starke Frauen, mit der späteren Siegerin der langen Strecke. Wir schossen durch die Galerien und Lawinenverbauungen entlang des Lago di Livigno. Nach und nach sammelten wir einzelne Fahrer ein und holten einige vorausfahrende Grüppchen ein. So wuchs das Peloton allmählich auf gut vierzig Fahrer an, in dem es sich locker mitrollen liess, allerdings weniger entspannt aufgrund manch unruhigen Fahrstils.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

ENTSPANNT ROLLTS DURCH DIE WESTERNSTADT

Wir erreichten Livigno, bogen am ersten Kreisverkehr vor Ortsbeginn links ab und ich konnte Simon an der Spitze der Gruppe entdecken. Lücke geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Führenden um den späteren Sieger Florian Lipowitz schon gute zwei Kilometer enteilt und wir befanden uns, hinter wenigen vereinzelten Fahrern in der Verfolgergruppe. Ich nutzte den Moment für meine erste Verpflegung, rechtzeitig anfangen, die Speicher regelmässig nachfüllen und immer wieder kleine Schlücke trinken war die Strategie. Wir rollten endlich etwas entspannter durch das Hochtal, neben uns der langgestreckte, italienische Wintersportort. Livigno erinnert mich zu dieser Jahreszeit stets ein wenig an eine verlassene Westernstadt mit unzählig riskanten Kreisverkehren. Das Feld zog sich nun etwas in die Länge, einige äusserst riskante Überholmanöver von Autofahrern und teilweise rücksichtsloser Gegenverkehr sorgten zu diesem frühen Zeitpunkt des Rennens für die einzige Spannung – und auch Gefahr. Derweil hatte ich mich vorgearbeitet und konnte zu Simon aufschliessen.

Jetzt ging‘ erst richtig los!

QUELLE

Engadin Radmarathon
Gemeinde Zernez

PHOTOCREDITS

Henning Angerer / Engadin Radmarathon
Sportograf GmbH & Co KG
Stefan Drexl
Simon Drexl

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

#01 DIE SONNIG RAMPE DES FORCOLA DIE LIVIGNO

Kurz hinter Livigno beginnt bereits der Anstieg hinauf zum Forcola di Livigno mit 450 Höhenmeter über eine Strecke 12 Kilometer. Man merkt es kaum, denn es rollte recht gut, entsprechend wurde auch gleich das Tempo wieder höher. Ich dacht mir, „jetzt nur ruhig bleiben“ und gab auch Simon ein Zeichen, dass er „nicht jedes Tempo halten“ solle, denn Steigung wird steiler und es mancheinen der „Raketen“ zerreisen. Nach 5,5 Kilometer kam die erste Welle und nur 1000 Meter danach waren es 7- 8 % Steigung. Spätestens jetzt bereuten so einige das hohe Tempo der Anfahrt und mit Kilometer neun ging’s dann richtig zur Sache. Dagegen war der Ofenpass nur eine lauwarme Vorspeise. Zudem lag die Rampe hinauf zur Passhöhe auf 2315 m am frühen Morgen vollständig in der Sonne. Oben am Forcola di Livigno angekommen war das grosse Peloton sichtlich zerlegt und es ging unmittelbar hinein in die steile Abfahrt der Südrampe. Die Forcola di Livigno vereint übrigens mehrere Besonderheiten: Sie ist unter anderem Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer, sowie „der einzige Pass zwischen der Schweiz und Italien, wo man aus der Alpensüdseite aus der Schweiz auf die Alpennordseite nach Italien hin wechselt.“ (Wikipedia: Forcola di Livigno)

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

#02 ATEMBERAUBENDE KULISSE AM BERNINA PASS

Nachdem wir durch die nächste Zollstation durchgeschossen waren kam nach 500 Metern der Abzweig hinauf zum Berninapass. Die platt gemachten 300 Höhenmeter galt es jetzt auf nur 3 Kilometer wieder hinauf zu klettern. Die durchschnittliche Steigung lässt sich wohl schnell selbst berechnen. Die fantastische Aussicht der Passhöhe des Bernina auf 2330 m haben den geflossenen Schweiss schnell vergessen lassen. Der Diavolezza zur Linken, der Piz Lagalb zur Rechten und mittendrin der Lago Bianco mit dem vorbeischnurrenden Bernina Express der Rhätischen Bahn. Viel Zeit diese atemberaubend Kulisse zu geniessen blieb leider nicht, denn natürlich stürzten wir uns prompt in die 20 Kilometer lange Abfahrt ins Tal.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

Die Aussichten ins Tal waren jedoch weniger rosig sondern äusserst dunkel – eine Regenfront stand über dem Oberengadin. Auf den ersten Kilometern hinunter nach Pontresina konnte ich zahlreiche Fahrer einsammeln und wurde auch mehrfach eingsammelt, wodurch sich wieder eine flotte Truppe bildete. Simon fuhr derweil, gut auf den langen Geraden erkennbar, 1000 Meter vor mir ohne Chance näher zu kommen. Mit regelmässigem Blick zum Himmel überlegte ich lange hin und her, wann und wie die Regenjacke rechtzeitig anzuziehen. Ich entschied mich für einen kurzen Stopp und musste meine schnelle Gruppe und natürlich Simon fahren lassen.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

Wieder fest im Sattel begann auch prompt der Regen, erst leicht und dann richtig heftig, aber nicht lange. Es hat dennoch ausgereicht die Strassen vollständig zu fluten und nicht lange gedauert bis das Wasser in den Radschuhen stand. Zum Glück hatten wir beide Zehenkappen aus Neopren übergezogen, so dass die Füsse warm blieben und auch unter der Regenjacke war es warm und trocken noch dazu. Danke MAVIC und Christian Lehner dafür!

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

FRÖHLICH FLOTTE TRUPPE DURCH DAS LA PLAIV

Auf der Abfahrt bis nach Samedan fand sich schnell wieder eine gute Gruppe mit der ich gut mitfahren konnte. Durch das Hochtal des La Plaiv verläuft die Strasse zumeist schnurrgerade und stets leicht abfallend. Entsprechend wurde das Tempo allmählich höher und die Gruppe wuchs stetig an bis es fast 50 Fahrerinnen und Fahrer waren. Es macht trotz der Nässe von unten grossen Spass in dieser homgenen und flotten Truppe mitzufahren. Dass das Tempo hoch blieb, dafür sorgten auch einige der Mädels im Peloton. Kurz hinter Zuoz wurde es steiler und merklich rasanter, schliesslich näherten wir uns zügig dem Zielort Zernez. Das bedeutete für die meisten Finale, rechtzeitig in Position bringen und um die Platzierung fahren. Nach ein paar Kurven und links-rechts Kombinationen konnte ich den Anschluss selbst mit Kette rechts und höchster Trittfrequenz nicht mehr halten – es standen bereits 79 km/h auf dem Radcomputer.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

Es war die einzig richtige Entscheidung, denn 70 Prozent dieser Gruppe würden bereits das Ziel der kurzen Strecke anpeilen, doch vor mir lagen noch weitere 120 Kilometer und insgesamt 2500 Höhenmeter mit zwei Alpenpässen der Kategorie 1. Nach der Durchfahrt von Zernez war es an der Zeit für weitere Verpflegung bevor uns in Susch der Flüela Pass erwartete. Nur 02:57 Stunden hatten wir für die ersten 97 Kilometer mit 1400 Höhenmeter gebraucht und dabei hoffentlich nicht zu viele Körner gelassen.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

#03 KONSEQUENT HART – DER FLÜELA PASS

Nach einer Neunziggrad Linkskurve geht’s direkt hinein in den Anstieg. Vor dem Abzweig unbedingt noch die richtige Übersetzung zu schalten ist entscheidend, möchte man nicht abrupt stehen bleiben. Der Flüela zeigt sofort seine ganze Härte – 950 Höhenmeter auf 13 Kilometern und gleich auf den ersten 1000 Metern ein Vorgeschmack seiner Steilheit. Ich ging’s mit Bedacht an und fuhr zurückhaltend am Hinterrad von Nathalie Alexander, eine der Favoritinnen auf’s Podium, um meinen Tretrhythmus zu finden. Wir wechselnden uns regelmässig in der Führung ab, das war insbesondere kräftesparend, weil uns ein immer stärker werdender kühler Wind entgegenblies. Ein Duo schloss zu uns auf, überholte und machte fortan die Pace.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

An der Casa Chantsura, knapp dreieinhalb Kilometer unterhalb der Passhöhe holten wir Simon ein, der leider alle Kraft aufgebraucht hatte und dem vor allem kalt war. Wir stoppten kurz und ich versuchte alles, um Simon noch einmal zu motivieren, doch weiterzufahren, ganz egal, wie lange wir brauchen würden. Er fuhr noch bis zur Verpflegung Schwarzensee mit doch die konsequente Steigung brauchte alle Kraft auf, so dass er sich entschloss umzukehren und wieder nach Zernez zurückzufahren.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

Es war eine vernünftige Entscheidung von ihm, doch fortan war ich alleine unterwegs. Die Abfahrt war wesentlich einsamer als noch den Bernina hinunter. Ab und an schoss ein übermütiger Mitstreiter an mir vorbei oder ich konnte auf den Ein oder Anderen aufschliessen. Die Strasse nach Davos (1560 hm) war abwechslungsreich und lies sich wunderbar hinunter cruisen.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

ENTSPANNTE SIGHTSEEINGTOUR DAVOS SCHÖN IST

Es wurde immer wärmer je mehr Höhe wir verloren, im modänen Luftkurort schien die Sonne. Mit der Ankunft in Davos hat sich eine homogene Fünfergruppe gebildet. Nach der rasanten Bergabfahrt wirkte unser Durchfahrt einer entspannten Sightseeingtour. Ich nutzte die Gelegenheit die Bein etwas baumeln zu lassen und füllte erneut meine Energiespeicher auf: Ein OAT SNACK Riegel und eine Banane, ein paar Schlücke Iso.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

Der beliebte Luftkurort scheint im Dornröschenschlaf, nur wenige Menschen auf den Strassen, kaum Verkehr. Das Klima diesseits ist ein Anderes als jenseits der Flüela Pass. Das schweizer Städtchen unterhalb des Jakobshorns ist berühmt für das jährliche Weltwirtschaftsforum und ist auch Austragungsort der CHALLENGE. Lang dauert’s nicht und wir verlassen Davos nach Süden in Richtung Tiefencastel. Das Tempo wir wieder flotter, nach wenigen Kilometern herrschte wieder typische Radsportdisziplin und wir wechselnden uns konsequent mit der Führungsarbeit ab.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

Wir durchfuhren den Landwasser Tunnels mit knapp 60 km/h bevor uns erneut ein kurzer, knackiger Anstieg nach Wieser auf 1400 Höhenmeter hinauf unser Tempo drosselte – die Gruppe zerfiel leider wieder. Es war mittlerweile Mittag, die Steigung moderat und die Trittfrequenz komfortabel, einzig der Anstieg lag vollständig in der Sonne. Über Schmitten gings erst am Hang entlang und dann wieder hinab nach Filsur, dass nur mehr auf 1030 Höhenmeter liegt. Es ist der tiefstgelegenste Ort des ENGADIN RADMARATHON und zugleich das Tor zum Albulapass. Ein kurzer Stopp an der Verpflegungsstation, um meine Flaschen zu füllen und ein Energy Gel zu nehmen, dann war ich auch schon wieder im Sattel.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

#04 DER ALBULA PASS – DAS WUNDERBARE BIEST

Der Albulapass steigt erst sanft an und der Wind blies jetzt von hinten. Ich war alleine, genoss die Ruhe und spektakuläre wunderbare Landschaft entlang des Gebrigsbaches Albula. Zwei Teilnehmer überholten mich in einem kraftvollen Tempo als wollten sie auch den letzten der vier Pässe hinaufsprinten. Doch ich lies mich davon nicht beeindrucken, hatte einen guten und kraftvollen Tretrhythmus gefunden, meine optimal Herzfrequenz stets im Blick. Allmählich nahm die Steigung zu und der pitoreske Albula zeigte sein wahres Gesicht. Spätestens mit der ersten Serpentine wurd’s ernst und ich wechselte regelmässig zwischen Wiegetritt und Sitzposition. Dennoch war der Blick für die besonderen Augenblicke stets offen, so natürlich auch für den tosenden Wasserfall während sich die schmale Strasse, regelrecht in den Fels gemeiselt, durch die enge Schlucht den Berg kompromisslos hinaufschlängelte. Das lies mich immer wieder einmal, zumindest für einen kurzen Moment, die konstante Intensität vergessen. Vielleicht gerade deshalb trägt die Passstrasse den Namen Bellaluna.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

Nach dem romatischen Bergdorf Bergün war dann „Schluss mit lustig“. Der Albulapass präsentierte sein wahres Gesicht: Das wunderbare Biest erwachte. Während sich die Rhätische Bahn in grosszügigen Bögen spielerisch über Brücken und durch Tunnels den Pass hinaufschraubte suchte sich der Strassenverlauf den beinahe direkten Weg bergauf. Die wenigen Kurven waren in der Regel erheblich steiler als die Geraden, sie täuschten Serpentinen nur vor. Der Strassenbelag war immer wieder einmal komplett entfernt worden und manche Passagen konnte ich ausschliesslich sitzend fahren. Seit einigen Jahren werden viele Streckenabschnitte der Passstrasse und die Eisenbahnbrücken nach und nach saniert. Jedoch ist drei Kilometer später alles vergessen und ich werde mit dem Blick auf den kristallklaren Palpuogna See zu meiner Rechten belohnt.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

DUNKLE WOLKEN ÜBER DER PASSHÖHE

Kurz danach erreichte ich die Baumgrenze und nach bislang einsamer Auffahrt sammelte ich einzelne Fahrer ein, denen sichtbar die Kräfte, wenige Kilometer vor der Passhöhe schwanden. Die zwei „ambitionierten Bergsprinter“ von zuvor hatte ich übrigens schon vor Bergün wieder überholt. Über dem Albula, die Passhöhe vier Kilometer entfernt bereits in Sichtweite, brauten sich erneut dunkle Wolken zusammen, zwischendurch tropften einzelne Regentropfen auf den Helm. Die letzte Verpflegung 1000 Meter unterhalb des Albulapass nutzte ich für ein weiteres Energy Gel und noch ein paar Schlücken Cola während ich bereits meine Regenjacke anzog. So konnte ich ohne weiteren Stopp durchfahren. An der Verpflegungsstelle überholte ich drei weitere Teilnehmer, die später noch eine entscheidende Rolle spielen sollten.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

Mit der Überquerung des Albulaauf auf 2312 Meter Höhe begann es ordentlich zu Regnen, das Wasser floss in Bächen über die Strasse. Es war also vorsicht in der Anfahrt auf die Kurven geboten, dank der MAVIC UST Alufelgen funktionierten die Bremsen einwandfrei und ich fühlte mich wesentlich sicherer. Die Abfahrt machte zwar nicht ganz so viel Spass wie bei trockenen Strassen, dennoch war das Tempo ordentlich. Weder vor mir noch bei meinem Blick zurück ins langgezogene Hochtal war noch irgendein weiterer Teilnehmer des ENGADIN RADMARATHONS oder anderer verrückter Rennradfahrer zu sehen.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

DAS FINALE: MIT DEM D-ZUG NACH ZERNEZ

Im Tal war bereits La Punt zu erkennen, nur noch wenige Serpentinen überwanden die letzten 300 Höhenmeter hinunter ins oberengadiner Dorf, doch zwei davon waren erneut purer Schotter und die Autos hatten tiefe Rinnen hineingefahren. Mit dem Rennrad war das kein Zuckerschlecken zusammen mit dem Regen und wie aus dem Nichts waren die drei Fahrer von der letzten Verpflegungsstelle wieder hinter mir.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

In La Punt ging’s links weg auf die Landstrasse für’s Finale nach Zernez, ein letztes Mal und es war durchaus optimal jetzt wieder in Gesellschaft zu sein. Noch regenete es, aber der Wind hatte die Richtung gewechselt und gemeinsam rollte der D-Zug schneller als einsam. Erst bei Zuoz, kurz bevor wir die letzten – zum dritten Mal an diesem Tag – 17 Kilometer mit der rasanten Abfahrt nach Zernez erreichten wich der Regen immer öfter der Sonne und die Strasse wurde trockener. Das Tempo der Gruppe war hoch, nicht ganz so schnell wie in der ersten Runde, so dass wir bis kurz vor erreichen des Zielorts zusammenblieben.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Die Rhätische Bahn und Stefan im Regen nach Zernez © Simon Drexl
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest / Die Rhätische Bahn und Stefan im Regen nach Zernez © Simon Drexl

Als die Strasse flacher und gerader wurde, Zernez in Sichtweite kam, liesen wir uns den Spass natürlich nicht nehmen und taktierten als gäbe es noch etwas zu gewinnen. Immer wieder wechselten die Positionen bis wir rechts ab in die langgezogene Zielkurve bogen. Es war endlich geschafft, die Freude darüber war allen von uns ins Gesicht geschrieben, wie auch der Dreck der langen Regenfahrt zum Abschluss. Wir waren nass bis auf das Sitzpolster und es stellte sich nach fast acht Stunden im Sattel die Frage:

Warum macht man das?
WEIL’S GEIL IST!

ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf
ENGADIN RADMARATHON 2019 Spektakuläres Panorama und wunderbares Biest © Sportograf

DIE SIEGER DES ENGADIN RADMARATHON 2019

Meine Begleitung hinauf zum Flüela Pass, Nathalie Alexander, wurde dritte Frau auf der Langen Strecke und Zweite ihrer Altersklasse in 07:42 Stunden. Zweite Frau mit einem knappen 01:14 Minuten Rückstand wurde die Schwedin Eva Lindskog in 06:58 Stunden. Siegerin des langen ENGADIN RADMARATHON 2019 wurde die Vorjahres-Zweite Nina Zoller aus Chur (Graubünden) in 06:57 Stunden. Sie sorgte für ein nervenraufreibendes Finale: Nachdem sie mit grossem Vorsprung den Albula Pass in Angriff nahm, schmolz ihr gosszügiger Vorsprung bis Zernez deutlich.


Für durchgängig Spannung sorgte das Rennen der Herren über die lange Strecke des 14. ENGADIN RADMARATHON. Erst nach der Hälft des Albula Passes konnten sich mit Routinier Mathias Nothegger und Youngster Florian Lipowitz zwei Fahrer von der vierköpfigen Spitzengruppe um Vorjahressieger Thomas Gschnitzer und Maxime Galletti absetzen. Das Duo blieb bis nach Zernez zusammen, „schliesslich fährt sich’s zu zweit schneller“, so der erst 20-Jährige. Im Zielsprint konnte sich der deutsche Nachwuchsfahrer mit seiner jugendlichen Spritzigkeit und winzigen 0,8 Sekunden gegenüber dem 22 Jahre älteren Mathias Nothegger durchsetzen und gewann den ENGADIN RADMARATHON 2019 mit neuem Streckenrekord in 06:09 Stunden – ein 34,8 km/h schnitt für die 214 Kilometer und 3850 Höhenmeter! Noch auf den 3. Platz für der Vorjahressieger Thomas Gschnitzer mit nur sechs Minuten Rückstand.

UNSER FAZIT

Ich denke, mit meiner intensiven und individuellen, detaillierten und teilweise natürlich auch subjektiven Dokumentation, konnte ich ausführlich beschreiben, dass es sich beim ENGADIN RADMARATHON um einen der schönsten, der spektakuärsten und auch der härtesten Jedermann-Radrennen in den Alpen handelt. Wir sind begeistert von der ausgezeichneten Organisation und den zahlreichen freiwilligen Helfern entlang der gesamten Radstrecke und an den Verpflegungsstellen. Das Engadin und das schweizer Dorf Zernez im Kanton Graubünden sollte bei jedem leidenschaftlichen Rennradfahrer, nicht nur einmal auf der Bucketlist stehen. Der ENGADIN RADMARATHON hat echt Klasse statt Masse!

Vielen Dank an die Gemeinde Zernez, an das Organisationsteam um Fabian Schorta und an das Kommunikationsteam um Martina Hänzi.

QUELLE

Engadin Radmarathon
Gemeinde Zernez

PHOTOCREDITS

Henning Angerer / Engadin Radmarathon
Sportograf GmbH & Co KG
Stefan Drexl
Simon Drexl

Er zählt zu den populärsten,  zu den grössten und vor allem zu den schönsten Radmarathons, nicht nur der Schweiz, auch der Alpen: Der Engadin Radmarathon. Darum oder gerade deshalb ist der Engadin Radmarathon ein Rennen der Swiss Cycling Top Tour, für die sich ausschliesslich Veranstaltungen der Spitzenqualität mit traumhafter Streckenführung durch eine wunderschöne Landschaft qualifizieren. Am 7. Juli 2019 findet im Kanton Graubünden die vierzehnte Auflage des Engadin Radmarathon statt. Wir werden uns zusammen mit 1500 leidenschaftlichen Radsportlern auf die 214 Kilometer lange Strecke machen und über die vier legendären Alpenpässe ordentlich in die Pedale treten.

Ausgangspunkt des Engadin Radmarathon 2019 ist Zernez am Tor des ältesten Schutzgebiet der Alpen, dem Schweizerischer Nationalpark. Mit zwei Routen über 97 und 214 Kilometer erwartet die Athleten aus ganz Europa erneut ein grossartiges  Rennwochenende. Das historische Dorf liegt am Kreuzungspunkt von Ofenpass-Strasse und Engadin-Route und ist perfekter Ausgangspunkt für Rennradsportler. Mehr als ein Dutzend traumhafter Passrouten bis jenseits der 2000 Meter können von Zernez bezwungen werden, darunter die legendären Strassenpässe Albula, Bernina und natürlich das Stelvio (Stilfser Joch).

PROLOG MACHT AUFTAKT DES ENGADIN RADMARATHON

In diesem Jahr gibt es erstmals einen Prolog vor dem Engadin Radmarathon. Auf einer 6,69 Kilometer langen Strecke vom Zernez hinauf nach Ova Spin auf 1884 Meter über dem Meer können sich 50 Teilnehmer und 20 Teilnehmerinnen schon am Vortag des Radklassikers messen. Das spektakuläre Bergzeitfahren mit 439 Höhenmetern kann von den Zuschauern direkt in Zernez verfolgt werden kann. Der Start erfolgt von einer Rampe auf dem Expo-Gelände, wo auch auf einem Widescreen per Livestream der komplette Assos Radmarathon Prolog live verfolgt werden kann.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Traumhaft harte Alpenrunde – wir kommen © Henning Angerer

Ähnlich dem Zeitfahren der Tour de France starten die TeilnehmerInnen einzeln und im Startabstand von  30 Sekunden ins Rennen Richtung Ofenpass, „So dass jeder sein Tempo selbst einteilen muss und nie genau weiss, wo er im Vergleich zur Konkurrenz steht“, erlärt Fabian Schorta. Der begeisterte Radrennsportler und OK-Präsident des Engadin Radmarathon kennt die Strecke selbst aus dem Effeff. „Die ersten Meter laden natürlich zu Höchsttempo ein, sie sind flach. Aber dann geht‘s gleich in die ersten Rampen. Wir sind gespannt, wer sich hier die Kräfte am Besten einteilt.“ Mit Blick auf den Sonntag und das eigentliche Rennen ist das durchaus spannend. Startberechtigt für den Prolog sind deshalb natürlich nur TeilnehmerInnen des Engadin Radmarathon 2019

BERGWERTUNG ENGADIN RADMARATHON KÖNIGIN UND KÖNIG

Der Engadin Radmarathon wird alljährlich Anfang Juli ausgetragen, in diesem Jahr am 7. Juli, und gehört zu den grössten Radrennen der Schweiz. Mit zwei Strecken durch den Schweizer Nationalpark, erst über die Forcola di Livigno und den Berninapass, sowie dann noch über den Flüela und Albula ist es zudem eines der schönsten und herausfordernsten Radrennen im gesamten Alpenraum. Das Besondere am Engadin Radmarathon ist, dass man am Ende der ersten Runde nach 97 Kilometer und 1367 Höhenmetern wieder am Start- und Zielort in Zernez vorbeikommt und dann entscheiden kann, ob man direkt ins Ziel abbiegt oder noch die ergänzende 117 Kilometer Runde in Angriff nimmt. Die komplette Strecke des Engadin Radmarathon sind dann 214 Kilometer  mit 3890 Höhenmeter.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Traumhaft harte Alpenrunde – wir kommen © Henning Angerer

Ausserdem neu in diesem Jahr ist die Sonderwertung Engadin Radmarathon Königin und König. Es soll damit, neben der schnellsten Fahrerinnen und Fahrer, erstmals auch die Teilnehmerin und der Teilnehmer mit der aktivsten Fahrweise geehrte werden. An allen vier Pässen des Engadin Radmarathon, am Forcola di Livigno. Berninapass, Flüela und Albula, sowie im Engadin Radmarathon Prolog am Samstag werden zwischen 20 und zwei Punkten vergeben – bei Punktgleichheit entscheidet die Platzierung im Prolog. Die Fahrerin und der Fahrer mit der höchsten Punktzahl werden am Sonntag im Rahmen der Siegerehrung gekrönt und erhalten jeweils CHF 1000 Preisgeld.

„Auf der langen Strecke haben wir immer wieder Fahrer, die es früh versuchen und lange als Solisten fahren“, erzählt Fabian Schorta. „Diese mutige Fahrweise, welche das Rennen besonders spannend und unberechenbar macht, möchten wir zusätzlich belohnen. Wir sorgen damit natürlich auch für noch mehr Bewegung im Feld.“

DIE TRAUMHAFTE ALPENRUNDE IST DIE KRÖNUNG

Eine extra Anmeldung für den Engadin Radmarathon König ist nicht erforderlich. Es werden alle Fahrerinnen und Fahrer des Engadin Radmarathon gewertet. Einzig für den Engadin Radmarathon Prolog muss man sich zusätzlich anmelden – maximal 50 Teilnehmer und 20 Teilnehmerinnen werden zugelassen –, das erhöht natürlich die Chancen auf die Gesamtwertung. Der Engadin Radmarathon wird organisiert von einem motivierten Team um Fabian Schorta, das über jahrelange Erfahrung im Tourismus und in der Organisation von Sportevents aufweisen kann.

ENGADIN RADMARATHON 2019 Traumhaft harte Alpenrunde – wir kommen © Henning Angerer

Wir werden in diesem Jahr nach Graubünden kommen und freuen uns an der traumhaft harten Alpenrunde teilnehmen zu dürfen. Den Prolog am Samstag beobachten wir aber gerne als Zuschauer, das Rennen am Sonntag ist für uns schon eine Herausforderung, Unsere Chancen auf den Titel des Engadin Radmarathon König sind ohnehin gering, eine besondere Krönung unserer Saison werden die 214 Kilometer am 7. Juli 2019 ganz sicher für uns sein. Start ist 7:00 Uhr!

QUELLE

Engadin Radmarathon
Gemeinde Zernez,

PHOTOCREDITS

Henning Angerer / Engadin Radmarathon