Mit einem dritten Platz beim Cannes International Triathlon ist Andreas Raelert ein guter Auftakt der Saison 2016 gelungen. Doch sein bisher größter Erfolg ist jetzt vier Monate alt und der Rostocker stolzer Vater eines gesunden Sohnes. Als professioneller Triathlet war es der zweite Platz beim Ironman Hawaii und damit das Comeback des Jahres 2015.

Andreas Raelert, Vizeweltmeister, 2010 nur knapp geschlagen hinter Chris McCormack, Ironman Hawaii 2010 © stefandrexl.de

Andreas Raelert, Vizeweltmeister, 2010 nur knapp geschlagen hinter Chris McCormack, Ironman Hawaii 2010 © stefandrexl.de

Mit seinem zweiten Platz letzten Oktober stand der 40-Jährige bereits zum fünfte Mal auf dem Podium von Kona. Nach harten Jahren mit Verletzungen wiegt dieser Titel, Vizeweltmeister hinter Jan Frodeno schwerer und war eine echte Meisterleistung. Mit dem Nachwuchs ändert sich für das Familienunternehmen Raelert jetzt natürlich einiges und besonders für Andreas bedeutet es eine große Umstellung für das Training. Das heißt in erster Linie wieder mehr alleine trainieren, ohne Bruder Michael und bei jeder Witterung in der Heimat. Der schnellste Triathlet auf der Langdistanz (07:41:33 Stunden, Challenge Roth 2011) ist besser aufgestellt dennje: Die Sponsoren stehen hinter ihm und sein Bruder Sven übernimmt wichtige Aufgaben der Organisation und Öffentlichkeitsarbeit. Was ihm der zweite Platz auf Hawaii wirklich bedeutet, wie er die Balance von Familie mit Triathlon plant und worauf sich die Konkurrenz in der kommenden Triathlonsaison einstellen muss, das hat der erfahrenen Triathlonprofi, frisch gebackene Vater und vor allem der Mensch, Andreas Raelert in einem sehr persönlichen Interview wenige Wochen vor der Geburt seines Sohnes ausführlich erzählt. Das sportliche Resultat des ersten Wintertrainings bestätigt seine Worte …

Triathlonprofi Andreas Raelert im Gespräch mit Stefan Drexl: „Der Fokus für 2016 ist Kona!“

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Video Ironman Hawaii 2015: „Andreas Raelert Kona 2015 Run (Over taking T.O)“

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Sein zweiter Auftritt beim Ironman Hawaii 2015, sollte eine ganz große Nummer für Nils Frommhold werden. Nach einem starken 6. Platz bei seiner Premiere 2014 wollte der Freiburger ein Finish unter den Top 5 in Kona. Mit der frühen Qualifikation im März als Fünfter beim Ironman Melbourne und dem Titelgewinn bei der Deutschen Meisterschaft über die Langdistanz beim Challenge Roth hat Nils Frommhold deutliche Akzente gesetzt, er konnte seine Trümpfe spielen. Aber in Kona werden die Karten neu gemischt und Nils Frommhold erlebte ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft seinen schwersten Tag : Die Götter lehrten ihm den Mythos Hawaiis! Schon in den Wellen des Pazifiks lief’s unrund, dann folgte eine Reifenpanne, Krämpfe und er dachte daran aufzugeben. Doch der gebürtige Potsdamer hat sich durch seine neunte Langdistanz gekämpft, intensive Erfahrungen gesammelt und gemeinsam mit Trainer Wolfram Bott analysiert. Nach seiner Saisonpause habe ich mich mit dem sympathischen 29-Jährigen auf ein paar Espressi getroffen und dabei nicht nur über seine bisher erfolgreichste Triathlonsaison, sondern auch über’s Kartenspielen, seine Pläne für 2016 und vor allem über ihn selbst gesprochen. Wie er mit etwas Abstand sein Triathlonjahr 2015 resümiert und wie er in der kommenden Saison 2016 seine Karten spielen möchte, erzählt der Deutsche Meister in meinem Interview.
 

Triathlonprofi Nils Frommhold im Gespräch mit Stefan Drexl: „Der Fokus für 2016 ist Kona!“

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Video-Blog Hawaii von Nils Frommhold: „Until the Gun: Schwerer Tag beim Ironman Hawaii“

 

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Jetzt hat er’s tatsächlich vollbracht:Sebastian ‚Sebi‘ Kienle hat nach dem Titel des Europameisters souverän den Ironman Hawaii und somit zum ersten Mal auch die Weltmeisterschaft gewonnen. Der sympathische 30-Jährige aus dem schwäbischen Knittlingen hat den Queen K gerockt und sich bei seinem dritten Auftritt in Kailua-Kona über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen in 08:14:18 Stunden und über fünf Minuten Vorsprung gegenüber dem US-Amerikaner Ben Hoffman (8:19:23) und Jan Frodeno (08:20:32) durchgesetzt.

Es ist gerade einmal vier Jahre her als Sebi erstmals seinen Fuss auf Big Island setzte, um den Ironman Hawaii, damals noch als Zuschauer zu verfolgen. Nach dem Triathlon-Showndown zwischen Sieger Chris McCormack und Andreas Raelert im Jahr 2010 habe ich Sebastian Kienle an der Pier von Kailua-Kona interviewt und mit ihm über seine ersten Eindrücke von der Insel, der Entscheidung im Männerrennen und seine Zukunftspläne auf der Triathlon-Langdistanz gesprochen. Exakt vier Jahre später, fast an selber Stelle, setzt Sebi erstmals seinen Fuss als Erster über die Ziellinie des Ironman Hawaii und krönt sich damit zum besten Triathleten und Weltmeister 2014 über die Langdistanz.

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Dabei wäre Sebi aufgrund einer Trainingsverletzung beinahe gar nicht auf Hawaii an den Start am Dig Me Beach gegangen. Vielleicht gerade deshalb ist sich der 30-Jährige seines unfassbaren Triumphes erst wenige Meter vor der Ziellinie wirklich sicher und genießt die letzten Meter spazierend. Auf dem Gipfel eines Triathleten angekommen, wird sichtbar welche Leistung der neue Ironman World Champion 2014 vollbracht hat. Denn mit dem gesamten Druck, die von ihm beim durchschreiten der Finishline abfällt, lässt sich Kienle vollkommen erschöpft zu Boden sinken. Es hat alles gepasst: Der perfekte Tag, eine gelungen Vorbereitung und das Quäntchen Glück – das es immer braucht.

Und hier seine Worte vier Jahre später, kurz nachdem er sein Meisterstück vollbracht und die 36. Auflage des Ironman Hawaii gewonnen hat:

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Was erst, wenn Sebi vorne aus dem Wasser kommt

Vor allem die gute Vorbereitung zusammen mit seinem Trainer Lubos Bilek war die Grundlage für Kienles Erfolg und seine starke Leistung auf seinem neuem Scott Plasma. Kurz vor Hawi, dem Wendepunkt der Radstrecke schob sich Sebi vorbei an dem Deutschen Maik Twelsiek und machte bei etwa 140 Kilometern den entscheidenden Move um endgültig die Führung zu übernehmen. Mit einem ordentlichen Vorsprung wechselte Kienle zum Laufen und baute seine Führung auf dem Alii Drive noch weiter aus, die er auch bis zum Ende nicht mehr abgab.

Entscheidend war dafür wohl, dass der neue Weltmeister mit einem verhältnismäßig geringen Rückstand von weniger als vier Minuten aus dem Wasser, in seiner schwächsten Disziplin stieg. Während Radfahren dagegen seine Stärkste ist. Damit ist Sebastian Kienle nach Thomas Hellriegel (1997), Normann Stadler (2004 und 2006) und Faris Al-Sultan (2005) jetzt der vierte Deutsche, der das wohl härteste Ausdauerrennen der Welt für sich entscheiden konnte. Wie es wohl wäre, wenn Sebi in Zukunft auch noch schnell Schwimmen könnte und mit der ersten Gruppe oder sogar erster nach 3,8 km aus dem Wasser steigen würde, mag man sich gar nicht vorstellen. Oder vielleicht doch? Ein Versuch wäre es sicher wert …



Frodeno und Frommhold mit starkem Debüt

Nicht unerwartet aber dennoch überraschender Dritter wurde Olympiasieger Jan Frodeno aus Saarbrücken, der zum ersten Mal auf Hawaii am Start war und trotz eines erneuten Plattens und einer Zeitstrafe auf’s Podium rannte. Nicht auszudenken, wie das Rennen verläuft, wenn Frodo einmal ganz ohne Zwischenfälle über die 180 km fliegt. Der Hawaii-Rookie Nils Frommhold war die dritte deutsche Überraschung der Weltmeisterschaft und kam mit einem beeindruckenden Schlussspurt über die letzten 10 Kilometer als Sechster ins Ziel.



Der Berliner hatte im Energy Lab sein zweites Hoch bekommen und sich von Platz neun wieder nach vorne gekämpft. Maik Twelsik, wieder einmal zweiter nach dem Radfahren, rannte in seiner Wackel-Disziplin immerhin auf Platz 11. Ebenso erstmals für die Ironman World Championships qualifiziert war Boris Stein. Der Sieger des Ironman Zürich 2014 erreicht das Ziel als 20. in 8:40:42 Stunden. Der Vorjahressieger und Titelverteidiger Frederik van Lierde aus Belgien wurde Achter. Für Triathlon-Dino Faris Al-Sultan war der Ironman Hawaii 2014 bereits nach wenigen Kilometern auf dem Rad vorbei.



Bis auf Rang sechs und mit Aussichten aufs Podium war Andreas Raelert vorgelaufen. Der Rostocker bekam nach dem Halbmarathon allerdings Magenprobleme und konnte trotz Gehpausen nicht mehr in den Ausgang des Rennens eingreifen.



Top Drei der Frauen auf Hawaii heiß umkämpft

Im Feld der 36 weiblichen Triathlon Profis ist Mirinda Carfrae die Titelverteidigung gelungen. Die Australierin krönte sich zum dritten Mal nach 2010 und 2013 zur Ironman Hawaii Weltmeisterin. Mit einer unglaublichen Energieleistung machte Carfrae im Marathon einen Rückstand von 14:32 Minuten auf die lange führende Daniela Ryf gut. Die Schweizerin hat lange tapfer dagegen gehalten und der Australierin alles abverlangt. Die Schweizerin mit den meisten Wettkämpfen der vergangenen Saison wurde bei ihrem Debüt auf Big Island Zweite vor Rachel Joyce aus Großbritannien.



Ebenso als Rookie nach Hawaii gekommen war Julia Gajer die ihre erste Ironman World Championship mit einem starken sechsten Platz finishte. „Ihr bisher krassestes Rennen“, wie die Apothekerin aus Ditzingen und Deutsche Meisterin 2014 auf der Langdistanz nach dem Rennen berichtete. Ihren eigenen Erwartungen hinterhergelaufen ist die Caroline Steffen. Die Schweizerin hatte gemeinsam mit ihrem neuen Trainer Chris McCormack einzig die Ironman-Krone im Blick, doch bereits auf dem Rad fehlten ihr an diesem Samstag die letzten Körner. Der fünfte Platz ist dennoch, wie ich meine eine starke Leistung auf der heißen Lavainsel.



Top Ten der Ironman Hawaii World Championships 2014

Platzierung, 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,2 km Laufen, Gesamt

Männer
1. Kienle, Sebastian (DEU) (54:38/4:20:46/2:54:36) 08:14:18
2. Hoffman, Ben (USA) (51:20/4:32:20/2:51:25) 08:19:23
3. Frodeno, Jan (DEU) (50:56/4:37:19/2:47:46) 08:20:32
4. Potts, Andy (USA) (50:56/4:36:56/2:48:18) 08:21:38
5. Viennot, Cyril (FRA) (54:32/4:31:18/2:51:55) 08:22:19
6. Frommhold, Nils (DEU) (51:14/4:34:11/2:52:45) 08:22:29
7. Van Berkel, Tim (AUS) (51:21/4:36:45/2:50:53) 08:23:26
8. Van Lierde, Frederik (BEL) (51:03/4:32:17/2:56:21) 08:24:11
9. Aernouts, Bart (BEL) (55:43/4:37:47/2:50:12) 08:28:28
10. Guillaume, Romain (FRA) (51:08/4:34:23/2:59:58) 08:30:15

Frauen
1. Carfrae, Mirinda (AUS) (1:00:14/5:05:48/2:50:26) 09:00:55
2. Ryf, Daniela (CHE) (56:55/4:54:33/3:07:00) 09:02:57
3. Joyce, Rachel (GBR) (56:47/4:56:49/3:06:27) 09:04:23
4. Swallow, Jodie (GBR) (54:28/5:02:46/3:08:45) 09:10:19
5. Steffen, Caroline (CHE) (56:53/5:02:03/3:08:43) 09:12:43
6. Gajer, Julia (DEU) (1:00:17/5:06:13/3:04:39) 09:16:58
7. Lyles, Liz (USA) (1:00:19/5:10:15/3:03:24) 09:18:11
8. Crawford, Gina (NZL) (55:04/5:17:30/3:01:49) 09:19:21
9. Ellis, Mary Beth (USA) (54:56/5:00:04/3:21:24) 09:20:46
10. Blatchford, Liz (AUS) (54:59/5:13:30/3:10:16) 09:23:34

Hier findet Ihr Informationen, Videos und interessante Links zum Ironman Hawaii 2014 und Sebastian Kienles Gewinn der Ironman World Championships in Kailua-Kona

Interessante Tri-ography über den Werdegang und Weg von Sebastian Kienle von den ersten Erfolgen bis zur Krönung zum King von Kona auf tri2b.com

Informationen, emotionale Interviews und beeindruckende Bilder vom Triathlon Mythos auf Big Island gibt’s im Ironman Special auf tri2b.com

Tri2b.com im Interview mit dem Drittplatzierten des Ironman Hawaii 2014, Jan Frodeno

Tri2b.com im Interview mit Maik Twelsiek, Zweiter vom Rad und 11. Platz Gesamt beim Ironman Hawaii 2014

Tri2b.com im Interview mit Boris, Platz 20 bei seinem Debüt des Ironman Hawaii 2014

Der HR-Livestream zu Sebis Meisterstück in drei Teilen

Kona 2014 01/03

Kona 2014 01/03

Kona 2014 01/03

Alle Ergebnisse, Videos und Live-Ticker zu den Ironman World Championships

Sebi zu Gast bei Triathlon-Legende Bob Babbitt

Ein kleiner Schritt über die Ziellinie aber ein langer Weg bis dorthin: Sebastian Kienle Inside Story über die Faszination Triathlon

Sebastian Kienle im ZDF Morgen-Magazin 8 Wochen vor Hawaii

Interview mit dem Ironman-Sieger über Glücksgefühle, eisernen Willen und noch Luft nach oben

Als Schnellster vom Rad kommt gleich nach „First Out of the Water“ und ist natürlich ein Thema bei den Australiern des Online-Portals „First Off the Bike“

Pressekonferenz nach den Ironman World Championships 2014 mit deutschen Sieger Sebastian Kienle

Die Experten des Triathlon Magazins mit Sebi im Interview

Die Experten des Triathlon Magazins mit Jan Frodeno im Interview

Die Experten des Triathlon Magazins mit Nils Frommhold im Interview

Die Experten des Triathlon Magazins mit Julia Garer im Interview

Ein sehenswertes Video über Kona 2014 mit Liz Blatchford der Zehntplatzierten, einmal nicht nur aus der Rennperspektive

In Mitten des Pazifiks eröffnete ein leidenschaftlicher Rennradfahrer im April 1984 den ersten Triathlonstore auf Hawaii, möglicherweise den Ersten weltweit. Er leistete damit Pionierarbeit in einer Zeit als Dave Scott und Mark Allen beim Ironman in Kailua Kona ihre ersten Duelle austrugen. In Honolulu traf ich Frank Smith und begab mich auf eine Zeitreise zu den Wurzeln des Mythos Ironman …
 
 

In Mitten des Pazifiks, im Herzen Polynesiens, hat ein leidenschaftlicher Rennradfahrer vor über dreißig Jahren eine Mission: er möchte den Radsport und die junge Sportart Triathlon auf Hawaii weiter entwickeln und für die Athleten mit dem bestmöglichen Material und Service stets zu Diensten zu sein. Im April 1984 öffnet Frank Smith erstmals die Türen von IT&B, „Island Triathlon and Bike“und damit den ersten Triathlonstore auf Hawaii, möglicherweise den Ersten weltweit. Triathlon steckte damals noch in den Kinderschuhen, erst als Dave Scott und Mark Allen allmählich mehr Aufmerksamkeit für ihre Schlachten beim Ironman in Kailua Kona erhielten, lockte die ultimative sportliche Herausforderung immer mehr Ausdauerathleten aus aller Welt. IT&B entwickelte sich zu einer unschätzbaren Quelle für ehrgeizige Athleten vor Ort und aller Ambitionierten, die auf der Durchreise waren. Von jenen Tagen der Rahmenschaltung, bis zu aerodynamischen Kohlefaserverbundwerkstoffen und der elektronischen Schaltung, hat Frank Smith die gesamte technische Entwicklung des Sports durchlebt.
 
 


 
 

Etwa eine Meile nördlich vom Strand parke ich meinen rostigen Pickup. Ich bin mit Frank Smith, dem radsportbegeisterten Mann von damals und heute Inhaber von „Island Triathlon and Bike“ in Honolulu, Hawaii verabredet. Es ist eine historische Zeitreise, erreicht man das kleine Viertel unterhalb des Diamond Heads. Die Häuser hinter dem Honolulu Zoo haben nur ein Stockwerk und die Gegend blieb weitestgehend von dem Bauboom am berühmtesten Strand der Welt verschont. Ich treffe Frank an der Kapahulu, Ecke Campell Avenue, direkt vor seinem Store. „Morgens ist es noch ruhiger und die Mechaniker sind mit dem Rad unterwegs in’s Nuuanu Valley “, meinte er tags zuvor, „wir können uns bestens unterhalten und etwas Frühstücken“. Frank schrieb in einem Mail, dass er demnächst 68 Jahre wird, als ich ihn aber nun das erste Mal traf, war ich überrascht, wie jung und fit er wirkte. Vor mir stand ein sympathischer und durchtrainierter Mann in Laufschuhen, mit kurzen, grauen Haaren und spitzen Bart.
 
 

„Aloha!“, rief mir Frank gut gelaunt über die Strasse, „Willkommen auf Hawaii! Komm rüber und lass uns gleich rein gehen.“
„Aloha, Frank. Schön, dass Du etwas Zeit hast?“, antwortet ich begeistert von der Herzlichkeit des Empfangs.
 
 

Wir gehen quer durch einen bestens sortierten Bike- und Triathlonstore, hinauf in den ersten Stock und vorbei an der Radwerkstatt. Nur Matt, der Chef Mechaniker von IT&B schraubt schon an einer Zeitfahrmaschine. Wir setzen uns in die Küche, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben dürfte. Frank macht frischen Kona Coffee und hat dazu selbst gebackene Papaya Muffins mitgebracht.
 
 


 
 

Stefan Drexl: Der Küchentisch scheint schon sehr alt zu sein, Frank?
Frank Smith: Das stimmt. In diesem Haus war über zwanzig Jahre lang ein asiatisches Restaurant und im ersten Stock wurde gekocht. Wir haben die Küche erhalten und komplett renoviert, der Tisch dürfte aus den Sechzigern sein.
 
 

Auch das Viertel hier wirkt älter, zumindest unterscheidet er sich erheblich vom Rest der Stadt?
Dieser Teil Honolulus blieb von den Angriffen auf Pearl Harbor weitest gehend verschont. Das Viertel ist sehr authentisch und gefiel mir am besten, als wir nach Oahu kamen. Einige Häuser wurden vor 1940 erbaut, wie auch das hier. Es hat viel erlebt und ist wie eine kleine Zeitreise in dem Store.
 
 

Du bist nicht auf Hawaii geboren, seit wann lebst Du auf Oahu?
Nein, nein, nein. Als ich drei war, mein Vater war bei der Navy, sind wir nach Hawaii gezogen. Nach der ersten Klasse wurde er nach Japan versetzt und wir mussten wieder weg. Ich wurde in Virginia geboren und war später auch dort auf der Universität. Anschließend ging ich zur Navy, nicht so lange wie mein Vater, aber immerhin kam ich dadurch 1969 auf einem U-Boot wieder nach Hawaii.
 
 


 
 

Bist Du dann gleich auf Hawaii geblieben?
Leider nicht, ich war bereits verheiratet … Frank schmunzelt aber ich hatte eine Entscheidung getroffen. Als ich wieder zurück in Virginia bei meiner Frau war, habe ich die Navy verlassen und eine Stelle bei der Regierung angenommen. Ich liebe das Meer, aber fester Boden unter den Füssen war mir lieber.
 
 

Bist Du damals schon Rad gefahren?
Ja, ich habe oft Touren gemacht. Es gab längst noch keine so gute Rahmen und Komponenten, wie dann später. Die ersten Mountainbikes haben zwar einiges ausgehalten, waren aber auch ziemlich schwer. 1975 habe ich mich für eine interne Stelle auf Hawaii beworben und wurde prompt genommen. Zusammen mit meiner Frau bin ich dann nach Oahu gezogen, diesmal für immer. Auf Hawaii fuhr ich fast täglich mit dem Rad, anfangs noch mit dem Mountainbike und später habe ich gelegentlich das Rennrad eines Freundes geliehen. Wir haben gemeinsam mit einer kleinen Rennradgruppe trainiert und so wuchs meine Begeisterung. Es haben sich auch sehr gute Freundschaften daraus entwickelt und wir hatten schließlich alle das Ziel unsere Leidenschaft für Räder weiter auf Hawaii auszubauen.
 
 

Nun ist ja Oahu keine sehr große Insel, wo trainierst Du denn hier?
Ja, es wird schnell langweilig … Frank lacht Nein, eher selten. Gleich hier die Strasse hinauf, vorbei an der Universität kommt der Tantalus Drive. Eine Panoramastrasse mit vielen Serpentinen und einem langen Anstieg über einige Hügel. Das sind natürlich nicht die Alpen, aber ein gutes Bergtraining und ein herrlicher Kurs mit einer großartigen Aussicht auf’s Meer. Mit dem Rennrad kann man oben durch den Tunnel, hinüber zur Ostküste fahren und eine schöne Schleife auf der anderen Seite machen. Es geht natürlich auch weiter nach Norden, das ist eine durchaus anspruchsvolle Strecke, besonders der Weg von Haleiwa über den „Three Hanky Hill“. Mit dem Mountainbike dagegen sind die Möglichkeiten großartig und das Naturerlebnis noch um einiges spektakulärer. Es gibt eine Vielzahl von Trials in beinahe jedes Tal der alten Vulkankette und während der Osten Oahus wie ein Dschungel etwas kühler und vor allem feucht ist, erlebt man an der Westküsten das Gegenteil mit Hitze und Trockenheit.
 
 


 
 

Sind denn die vielen Autos und der Verkehr auf den kleinen Strassen nicht gefährlich?
Ja, schon. Man muss schon sehr aufpassen und immer konzentriert sein, um am Ende nicht im Strassengraben zu landen oder an einem der scharfen Lavafelsen zu kleben. Man muss auch wissen, dass die wenigsten Hawaiianer gute Autofahrer sind. Woher auch, sie kommen ja nicht weit und fahren stets die selben Straßen. Mit dem Rennrad unterwegs auf den Strassen Hawaiis ist meine Spezialität. Ich biete sogar Kurse an, wie man sich am sichersten durch den Verkehr auf der Insel bewegt. Man muss wissen, dass Ende der Siebziger auf Hawaii noch kaum jemand mit dem Fahrrad unterwegs war, jeder fuhr Auto, sogar zum Bäcker um die Ecke. Regelmäßig gab es ein Verkehrschaos in Honolulu. Es gab allerdings auch keine vernünftigen Räder, Rennräder oder Mounties, und Ersatzteile zu kaufen, wir waren Exoten. Wir wollten das ändern.
 
 

Wie habt ihr dann euere Räder in Stand gehalten?
Wir haben die Räder selbst repariert und uns gegenseitig geholfen. Ersatzteile haben uns Freunde vom Festland geschickt. Es hat allerdings eine Weile gedauert, bis die Teile geliefert wurden. 1978 fand auf Oahu schließlich der erste Ironman statt, gleich hier, die Straße runter am Strand von Waikiki. 12 Triathleten haben damals teilgenommen und es gab kaum Zuschauer, aber das Interesse der Radhersteller wurde geweckt. Bei der dritten Auflage, 1980, waren es über 100 Teilnehmer und zwei Frauen. Das Wetter war seit Tagen schlecht, sodass sie das Rennen um einen Tag verschoben haben und wegen zu hoher Wellen schließlich im Ala Moana Channel geschwommen wurde. 1981 ist der Ironman nach Kailua Kona umgezogen, der Verkehr in Honolulu war einfach zu groß und es war zu wenig Platz. Aber der Ironman hat einen Boom auf Hawaii ausgelöst und immer mehr Menschen wollten vernünftige Räder oder brauchten Ersatzteile.
 
 


 
 

Hast Du denn auch am Ironman teilgenommen?
Nein, nie. Aber ein guter Freund, John Collins, war beim ersten Ironman dabei und wurde immerhin Neunter. Auf Oahu gab es dann auch den Tinman Triathlon. Der Tinman sollte für Jedermann sein, bei dem vor allem der Spaß im Vordergrund stand. Ich hatte keine Zweifel das Radfahren zu überstehen und schwimmen konnte ich seit der Navy auch einigermaßen gut, aber Laufen. John meinte, dass ich die 10 Kilometer locker schaffen würde, also nahm ich 1982 am Tinman teil. John war eher ein Läufer, aber er war auch daran interessiert, den Radsport auf Hawaii voranzubringen. Wir kannten uns von der Trainingsgruppe. Der Tinman war mein aller erster Triathlon und ich erinnere mich heute noch gut daran, wie schmerzhaft das war, aber er hat auch meine Leidenschaft geweckt.
 
 

Machst Du denn immer noch Triathlon?
Oh ja, seit meinem ersten Tinman mache ich jedes Jahr ungefähr fünf bis sieben Wettkämpfe. Fast jeden Monat findet hier irgendwo auf der Insel ein Triathlon statt. Nächste Woche ist an der North Shore der Haleiwa Triathlon.
 
 

Wie kam es dann zu der Idee mit IT&B, denn wegen einer Handvoll radbegeisterter Freaks eröffnet man ja noch kein Fahrradgeschäft?
Ja genau. 1982 organisierte ich erstmals ein 100 Meilen Radrennen auf Oahu, den „Honolulu Century Ride“ bei dem damals 500 Teilnehmer starteten. Im nächsten Jahr berichtete eine Zeitung im Vorfeld über die Veranstaltung und es kamen über 1000 Radsportler. Im Jahr darauf verdoppelte sich die Anzahl der Starter noch einmal und auch die Nachfrage an guten Rädern stieg. Als ich immer mehr Zeit für den Radsport und Triathlon investierte, beschlossen wir 1984 uns voll und ganz unserer Leidenschaft zu widmen. Ich kündigte meinen Job und machte mich zusammen mit meiner Frau selbständig. Während zwei unserer Freunde begannen Radtouren anzubieten, eröffneten wir den ersten Triathlon und Bikestore auf Hawaii. Ich habe dann Kontakte zu Herstellern am Festland aufgenommen und rannte offene Türen ein, zumindest bis es um den Versand nach Hawaii ging. Wie es der Zufall so wollte, drängte Cannondale auf den Markt und war von unserem Vorhaben begeistert. „Wow“, dachte ich, „wir bekommen exklusiv Cannondale Bikes“. Es gab einige gute Hersteller, alle bauten mittlerweile Rahmen aus Aluminium, wie z.B. Vitus, Alan, aber auch Klein. Klein war sehr innovativ und hatte ausgefeilte Details, die Rahmen waren steif und leicht, allerdings auch kaum bezahlbar. Cannondale brachte ein Bike heraus, dass ziemlich ähnlich und gut verarbeitet war, aber nur die Hälfte kostete.
 
 


 
 

Und Cannondale hat euch die Rahmen nach Hawaii geliefert?
Richtig, das lies sich natürlich nicht weiterhin in unserer Garage realisieren. Eines Abends laufe ich dann die Kapahulu Avenue zum Strand hinunter und sehe dieses Haus das zu mieten war. Am nächsten Morgen haben wir es angeschaut und sofort unterschrieben. Es lief vom ersten Tag an super und der Store war ein voller Erfolg. Die Idee unserer Freunde und den Radtouren kam dagegen nicht so gut an. Für Cannondale haben wir damals gute Arbeit gemacht. So gut, dass sie eines Tages selbst einen Laden, nicht weit von hier, eröffnet haben. Wir sind auf Trek Räder umgestiegen, aber die haben es nach einigen Jahren ähnlich gemacht. Das hat uns aber nicht weiter gestört, denn es lief großartig und wir wollten uns stets von typischen Bikestores unterscheiden. So blieben wir weiter innovativ und haben mit dem Radsport auch Triathlon weiter ausgebaut. Es gab zwar bisher wenige spezielle Triathlonartikel, aber wir hatten Laufschuhe, Schwimmzubehör und Bekleidung im Angebot. Mit Laufschuhen konnten wir jedoch nicht viel Geld verdienen, so haben wir mit Running Room, die nur wenige Meter von hier die Straße hinauf sind, einen Spezialisten und seit 1991 eine gute Kooperation.
 
 

Mit ging es dann schließlich weiter mit Triathlon und Radsport?
Nachdem wir bei IT&B mit Mountainbikes begonnen hatten und lange beides im Store anboten, haben wir uns Ende der Neunziger ganz auf Triathlon- und Rennräder spezialisiert. Anfangs haben uns Cannondale und Trek zwar super unterstützt, wir haben für beide aber auch hervorragende Pionierarbeit auf Hawaii geleistet. Durch Triathlon ergab sich schließlich auch eine Zusammenarbeit mit Scott. Wir hatten einige Hersteller im Laufe der Jahre und versuchen heute nach wie vor mit innovativen und neuen Herstellern zusammenzuarbeiten, die eine gute Qualität zu fairen Preisen anbieten.
 
 


 
 

Im Grunde hast Du die gesamte Entwicklung des Sports miterlebt, was war für Dich die größte technische Innovation in dieser Zeit?
Das war natürlich der Aerolenker, Mitte der Achtziger, von ihm ging die Veränderung der gesamten Radgeometrie aus. Die größte Innovation war jedoch die Einführung von Kohlefaserverbundwerkstoffen. Sie ermöglichten leichtere Rahmen und Anbauteile, vor allem aber wurden dadurch erst richtige aerodynamische Konstruktionsformen möglich.
 
 

Welche Technik, denkst Du, wird die nächsten Jahre besonders prägen?
Ich denke, dass elektronischen Bauteile zunehmen werden, die Möglichkeiten sind heute noch gar nicht vorstellbar. Shimano hat mit der Di2 Baureihe erst den Anfang gemacht und andere wie Campagnolo oder Sram werden nachlegen. Das potential ist riesig. Die Versorgung der Komponenten mit Strom könnte außerdem durch den Sportler übernommen werden, immerhin erzeugt er sehr Energie im Laufe seines Trainings oder eines Ironmans, die man sinnvoll nutzen kann.
 
 

Welches Rad und welche Komponenten fährst Du momentan?
Ich habe erst vor kurzem ein neues Triathlonbike zusammengestellt, ein Cervélo S3 mit Dura Ace Di2 und 404 Laufrädern von Zipp. Ich hätte gerne eine Zeitfahrmaschine, wie das P3 gehabt, aber ich fahre mittlerweile lieber etwas aufrechter und bin schließlich nicht mehr der Jüngste.
Den Eindruck habe ich ganz und gar nicht, Frank. Herzlichen Dank für das spannende Interview und den guten Kaffee.
 
 


 
 

Am 31. Juli 2011 hat Frank noch einmal am Tinman Triathlon teilgenommen und wurde Zweiter seiner Altersklasse in 2:48:24 Stunden. Von 600 Startern erreichte er gesamt den 358 Platz und fuhr die 40 km in 1:12 Stunden.
 
 

Ende 2013 im reifen Alter von 70 Jahren ist Frank Smith schließlich in den Ruhestand gegangen. Nach über 29 Jahren hat er seinen Laden an der Kapahulu Avenue 569 in Honolulu einem neuen Besitzer verkauft, mit der Bedingung das langjährige Personal zu übernehmen und besonders den guten Service beizubehalten. Ab und zu schaut Frank nach dem Rechten, gibt Autogramm und erzählt. Ansonsten fährt er natürlich umso mehr mit seinem Rennrad, den geliebten Tantalus Ride …
 
 

INFORMATIONEN

ITB HAWAII – Island Triathlon & Bike Hawaii, Honolulu
RUNNING ROOM HAWAII – A Store for Runners by Runners
TINMAN TRIATHLON HAWAII
IRONMAN WORLD CHAMPIONSHIP Kailua-Kona, Hawaii
 
 

Surfer Julian Wilson konnte gerade mal laufen, da hat ihn sein Vater auf dem Board hinaus zu den Wellen mitgenommen. Das war dem Kleinsten von drei Brüdern dann aber doch nicht ganz geheuer und er hat es vorgezogen erst einmal in den kleinen Wellen zusammen mit seiner Mutter zu surfen. 20 Jahre später trifft er in den Quaters der Quik Pro an der Gold Coast auf Kelly Slater und gewinnt.

Zuvor wurde der talentierte Australier ISA World Junior Champion und hat seine gesamte Jugend damit verbracht, zu surfen und zahlreiche Titel zu sammeln, unter anderem auch mit dem Longboard. 2010 hat er mit „Scratching the Surface“ seinen ersten eigenen Surffilm veröffentlicht und sich nebenbei für die ASP World Tour empfohlen. Next Generation Surfer Julian Wilson gilt mit 24 Jahren als Shootingstar der Surfwelt, wird von den Medien als Kellys Thronfolger gefeiert und gehört schon jetzt zu den ganz Großen.

Nach der Premiere seines Film-Projekts „Scratching the Surface“ 2011 und kurz vor seinem spektakulären Sponsorenwechsel von Quiksilver zu Nike 6.0 (jetzt Hurley) konnte ich den selbstbewussten Australier für das Blue Surf & Travel Magazin zu einem Interview abfangen.

 

 
Gerade erst fand der Auftakt zur ASP World Tour 2011 in Australien statt, für dich somit der Start in deine erste Saison auf der WT. Wie waren deine Eindrücke und Gedanken nach dem ersten Tourstopp an der Gold Coast?
Ich bin eigentlich immer noch ziemlich aufgeregt und gespannt, was mich 2011 wohl noch alles erwarten wird! Das ist einfach alles wahnsinnig faszinierend. Ich wäre natürlich gerade in diesem Jahr beim Quiksilver Pro gerne etwas weiter gekommen, aber ich bin einfach immer noch sehr glücklich darüber, wie das Jahr begonnen hat.

Der erste Stopp der ASP World Tour ist ja gar nicht so weit von deiner Heimatstadt an der Sunshine Coast entfernt. Du hast in dieser Welle sogar schon einmal Kelly Slater besiegt. Hat dir beides Selbstvertrauen gegeben und war es ein Vorteil oder bist du durch die Anwesenheit deiner australischen Freunde, deiner Familie und wegen der großen Erwartungen an dich eher nervös gewesen?
Snapper, der Spot des Quiksilver Pro, ist einer meiner Lieblingsbreaks. Ich war sehr glücklich darüber, schon einige Male mit einer Wildcard dieses Event gesurft zu sein, somit war es schon deutlich angenehmer für mich, zu meinem Tourauftakt wieder hier herzukommen. Natürlich war ich sehr aufgeregt, aber zugleich begeistert, meine Familie und Freunde hier zu haben.

 

Viel zu reisen und viele Wettkämpfe kann auch anstrengend sein

 
Während deiner Jugend und als Junior hast du an vielen Contests teilgenommen, warst dabei auch sehr erfolgreich und hast eine Menge Titel gewonnen. Hat mit dem vorzeitigen Ausscheiden in der zweiten Runde des Auftakts der ASP World Tour – und das trotz des Heimvorteils – erstmals so etwas wie die Erdung des Julian Wilson stattgefunden?
Ich denke schon, dass ich immer versucht habe, am Boden zu bleiben, auch wenn es oftmals nicht leicht ist. Mir ist durchaus klar, dass ein paar Siege und Titel als Junior in der World Tour nicht viel zählen. Ohne sie hätte ich mich allerdings auch nicht dafür qualifizieren können. Aber auch mein gebrochenes Fußgelenk 2009 hat mir gezeigt, wie schnell alles vorbei sein kann. Ich gebe immer mein Bestes und arbeite hart daran, jetzt einige Zeit auf der Tour bleiben zu können, und hoffe auch, die
Gelegenheit zu haben, einen Contest zu gewinnen.

Ein paar der älteren und erfahreneren Pros kanntest du schon vor deinem Tour-Debüt und du bist mit einigen auch gut befreundet, besonders mit den Jungs, die mit dir in deinem Film „Scratching the Surface“ surfen. Wie verhalten sich denn die anderen Pros der Tour, wenn man, wie du nun, das erste Mal als Rookie auftaucht? Manch einer ist ja doch wesentlich älter als du.
Ja, das stimmt. Aber ich habe wirklich einige großartige Freunde, die schon länger auf der Tour dabei sind. Alle anderen waren eigentlich auch ziemlich locker und nett. Es gab niemanden, der irgendwie feindselig war oder sich negativ mir gegenüber geäußert hat … zumindest nicht direkt.

Gibt es ein paar Pros, mit denen du auf der Tour gemeinsam reisen und während der Contests hauptsächlich deine Zeit verbringen, vielleicht auch zusammen wohnen wirst?
Dadurch dass der Quiksilver Pro mein erster Event der Tour war, bin ich noch nicht so viel gereist und habe mir eigentlich auch noch gar keine richtigen Gedanken darüber gemacht. Aber da einige Freunde, wie beispielsweise Dusty, mit auf der Tour dabei sind, werde ich mich bestimmt für einige Events mit jemandem zusammentun.

Dieses Jahr wirst du sehr viel Zeit damit verbringen, bei Contests und der ASP World Tour zu surfen. Vermisst du nicht diese Unabhängigkeit, die du zuletzt hattest, surfen zu gehen, wann und wo du willst, und dabei Filme zu drehen? Dadurch hast du doch eine Menge Aufmerksamkeit und Bekanntheit erlangt.
Ich habe die beiden letzten Jahre eigentlich sehr intensiv genossen und mich jetzt gut darauf vorbereitet, viel Zeit mit den Reisen und Wettkämpfen zu verbringen. Es ist natürlich ohne Frage großartig, auf der ganzen Welt freesurfen zu gehen und zu filmen, aber auf eine gewisse Art ist das auch stressig und anstrengend. Von beidem etwas – das ist mein Plan für die Zukunft.

 

Mit Mick Fanning hat Surfer Julian Wilson immer etwas zu lachen

 
Reden wir über deinen aktuellen Film „Scratching the Surface“. Es ist der erste Surffilm, der komplett in HD gedreht wurde. Mit traumhaften Spots, atemberaubenden Airs und großartigen Surfern hat er für eine Menge Furore in der weltweiten Surfgemeinde gesorgt. Du warst dafür über 16 Monate unterwegs. Die nächsten Monate wirst du dich nun aber vollständig auf das Contest-Surfen konzentrieren. Gibt’s dennoch Pläne, wieder einen Film zu drehen?
Die Produktion von „Scratching the Surface“ war eine großartige Zeit in meinem Leben und ich bin wirklich stolz darauf, was wir da geschaffen haben. Aber gleichzeitig muss ich sagen, dass es bisher keine Pläne gibt, jemals wieder etwas ähnliches zu machen. Das ist natürlich sehr schade, aber es war auch eine Menge harte Arbeit und viel Stress, das ganze Material zu schneiden.

In „Scratching the Surface“ gibt es eine Menge Airtime von den derzeit progressivsten Surfern, wie Dane und Mick. Hat dich die Zeit mit den anderen Surfern und den unterschiedlichen Styles geprägt und deine Art zu surfen weiterentwickelt, vielleicht sogar verändert?
Mit meinen Freunden und den hoch geschätzten Kollegen zu surfen und zu reisen, war wirklich cool. Besonders mit Mick gab es immer etwas zu lachen, er ist ziemlich locker und ich bin ihm sehr dankbar. Dane ist einfach verrückt, sobald er auf dem Board steht. Ich denke, dass ich von den Jungs eine Menge gelernt habe, und bin sehr glücklich darüber, dass sie dabei waren und Teil des Films sind.

 

Surfer Julian Wilson ist sich der besonderen Verantwortung der Surfer bewusst

 
Die „Sushi Roll“ war 2007 dein erster Air, er hat dich ziemlich bekannt gemacht. Heute ist es der „Alley-Oop“, den keiner so sauber beherrscht. Du arbeitest aber bereits am 720. Welcher ist dein Lieblingsair und in welche Richtung wird sich das Surfen deiner Meinung nach in naher Zukunft weiterentwickeln?
Die „Sushi Roll“ ist zwar nicht mein Lieblingssprung, aber er scheint tatsächlich der bekannteste zu sein. Viele meiner Airs habe ich zuvor auf dem Skateboard gemacht und versuche, sie dann für das Surfen anzupassen. Aber derzeit arbeite ich eigentlich an noch nichts Neuem. Der „Alley-Oop“ ist etwas Besonderes, ich mag ihn, weil man sehr viel Zeit in der Luft hat. Es wäre aber echt großartig, wenn man hoffentlich bald einen echten 720 zu sehen bekäme.

Wenn du noch einmal die Möglichkeit hättest, wen würdest du gerne in deinem nächsten Film surfen sehen?
ha, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Kelly vielleicht, natürlich auch einige meiner Freunde. Schwierige Frage, besonders weil es einfach noch überhaupt keine Pläne für einen neuen Film gibt.

Derzeit spielt die Natur weltweit verrückt, in Queensland, nördlich deiner Heimatstadt an der Sunshine Coast, gab es vergangenen Sommer eine Menge Regen und Überschwemmungen. Die Mentawai-Inseln, dein Lieblingsspot, wurden vor einigen Jahren von einem Tsunami überrollt. Und jetzt Japan. Denkst du, dass Surfer eine besondere Verantwortung für ihren Spielplatz, den Schutz der Umwelt, der Küsten und des Ozeans haben? Wäre das nicht auch ein Thema für zukünftige Surffilme?
Ja, die Naturkatastrophe kürzlich war ziemlich schrecklich, vor allem weil sie sich so nah vor meiner haustür ereignet hat und auch Orte betraf, zu denen ich gerne fahre. Natürlich haben gerade wir Surfer eine ganz besondere Verantwortung gegenüber der Natur und beim Schutz der Küsten weltweit, an denen wir surfen und den Großteil unserer Zeit verbringen. Das wäre auf jeden Fall und gerade jetzt eine großartige Idee für einen Film, ich überlege mir das, wenn was draus wird, gebe ich dir Bescheid.

 

Next Generation Surfer Julian Wilson möchte weiterhin Freerufen

Welche Ziele hast du dir für dieses Jahr gesteckt, für das Surfen von Contests wie auch das Freesurfen?
Ja, am besten eine gute Mischung aus beidem. Die Teilnahme an der ASP World Tour und den Prime Events sorgen für einen ziemlich dicht gedrängten Wettkampfkalender. Dennoch möchte ich unbedingt bei ein paar Trips dabei sein und auch Freesurfen.

Wir sind schon sehr gespannt, was uns als Nächstes erwartet: der 720 oder ein anderer verrückter neuer Air von dir, vielleicht aber doch auch ein Film. Julian, viel Erfolg auf der World Tour und in den nächsten Jahren. Danke für das Interview.
Keine Ursache, gerne. Danke.

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PUBLISHED
BLUE Surf, Travel & Creative Living Magazine


BLUE Surf and Travel Yearbook 2011

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